Am 31. März ist für das Haushalts- und Eisenwarengeschäft an der Kaiserstraße Schluss. Ein Grund ist die wachsende Konkurrenz durch Ketten.

Am 31. März ist für das Geschäft an der Kaiserstraße Schluss. Ein Grund ist die wachsende Konkurrenz durch Ketten.
Christian Feuerstein vor seinem Geschäft. Schweren Herzens zieht er die Reißleine und schließt Ende März. „Das tut brutal weh.“

Christian Feuerstein vor seinem Geschäft. Schweren Herzens zieht er die Reißleine und schließt Ende März. „Das tut brutal weh.“

Stefan Fries

Christian Feuerstein vor seinem Geschäft. Schweren Herzens zieht er die Reißleine und schließt Ende März. „Das tut brutal weh.“

Vohwinkel. Es ist das Ende einer über 150-jährigen Unternehmensgeschichte in Vohwinkel: Am 31. März schließt das Traditionsgeschäft Feuerstein an der Kaiserstraße 5 endgültig seine Pforten. Für den Stadtteil ist das eine schmerzhafte Zäsur. In der fünften Generation werden bei Feuerstein Haushalts- und Eisenwaren verkauft. Hier gibt es viele Produkte, die Kunden woanders vergeblich suchen. Doch die negative wirtschaftliche und strukturelle Entwicklung hat dem Geschäft gerade im letzten Jahr stark zugesetzt. Für Inhaber Christian Feuerstein gab es am Ende keinen Spielraum mehr.

„Ich habe über ein halbes Jahr darüber nachgedacht, wie man den Laden weiterführen könnte, habe allerdings keine Alternativlösung finden können.“
Christian Feuerstein

„Das tut brutal weh“, betont er. Die Zahlen für 2016 seien miserabel gewesen. „Wir hatten erhebliche Umsatzeinbußen“, berichtet Feuerstein. Trotzdem habe er bis zuletzt versucht, das Ruder herumzureißen. „Wir sind das älteste in Vohwinkel dauerhaft ansässige Unternehmen und das bedeutet natürlich eine besondere Verantwortung“, sagt der 50-Jährige.

Die endgültige Entscheidung zur Aufgabe sei erst vor etwas über einer Woche gefallen. „Ich habe über ein halbes Jahr darüber nachgedacht, wie man den Laden weiterführen könnte, habe allerdings keine Alternativlösung finden können“, berichtet Christian Feuerstein. Bereits im Mai des vergangenen Jahres sprach er die ersten Kündigungen für seine Mitarbeiter aus. „Ich musste die Notbremse ziehen“, sagt der Inhaber. Mit seinem Haushaltswarengeschäft konnte er viele Konkurrenten aus seinem Umfeld überleben. „Dass wir so lange durchgehalten haben bedeutet auch, dass wir vieles richtig gemacht haben“, findet Christian Feuerstein.

„Die Schließung ist wirklich traurig,“
Otto Krschak, Stammkunde und WZ-Fotograf

1998 hat er die Firma übernommen. Mit dem stetigen Wandel der Gesellschaft änderten sich auch die Anforderungen an sein Geschäft. „Deshalb musste ich als Unternehmer auf solche Dinge reagieren“, sagt Feuerstein. Dazu gehörte eine komplette Umstrukturierung vor zwei Jahren. Die hinteren Räume an der Bahnstraße fielen weg, das Sortiment konnte aber erhalten bleiben. „Das war ein richtiger Schritt, aber das hat uns auch einige Kunden gekostet“, sagt Christian Feuerstein. Viele seien davon ausgegangen, dass es das Geschäft nicht mehr gebe. Als sich die Situation wieder stabilisierte, habe die fast zeitgleiche Ansiedlung von Kodi und Woolworth in Vohwinkel die Verkaufszahlen weiter abgeschwächt.

Internet-Konkurrenz ist nicht das alleinige Problem

Daher sieht Christian Feuerstein die Probleme auch nicht allein im Internet-Verkauf. Er ist selbst Mitglied bei „Online City Wuppertal“, einem Projekt von lokalen Einzelhändlern im Netz, und steht laut eigener Aussage absolut hinter der Idee, die Geschäfte im Tal im Internet zu unterstützen. Grundsätzlich sei nicht das Internet allein am derzeitigen Preis-Dumping der Unternehmen schuld. Auch die Kunden spielten eine Rolle, denn das Käuferverhalten habe sich mit der Zeit geändert. „Es wird eben bei Sonderaktionen im Discounter gekauft, obwohl die Waren dort nicht unbedingt billiger sind“, sagt Christian Feuerstein.

Firmengründers Johann Friedrich Feuerstein richtete 1865 auf dem Gelände des heutigen Vohwinkeler Bahnhofs seine Werkstatt ein.

Durch die günstige Lage an den Verkehrsachsen von Essen nach Solingen und von Elberfeld nach Düsseldorf machte der findige Schmied bald einträgliche Geschäfte.

Als aufstrebender Unternehmer entschied er sich daher zur Gründung eines Haushalts- und Eisenwarenladens im Vohwinkeler Zentrum. Daraus entstand eine über 150-jährige Tradition.

Die Bekanntgabe der Schließung hat im Internet bereits für Furore gesorgt. Die Kommentare dort schwanken zwischen Gerüchten über eventuelle Nachfolger bis hin zu Komplimenten und Kritik. Viele Vohwinkeler sind über die Aufgabe bestürzt.

WZ-Fotograf Otto Krschak hat etwa lebhafte Kindheitserinnerungen an das Geschäft. „In den 50er Jahren sind wir in der Vorweihnachtszeit immer von Mettmann nach Vohwinkel gefahren, um bei Feuerstein Geschenke einzukaufen“, berichtet er. „Die Schließung ist wirklich traurig“, sagt Krschak.

Wie es mit dem Geschäft weitergeht, ist noch unklar. „Bislang gibt es noch keinen Nachfolger für den Standort“, sagt Christian Feuerstein. Für seine Mitarbeiter suche er nach Perspektiven. „Ich wünsche ihnen von Herzen alles Gute auf dem weiteren Weg“, sagt Feuerstein. Durch die anstehende Schließung sind Teile des Sortiments bis zu 50 Prozent reduziert. Einen weiteren Schlussverkauf werde es laut Feuerstein im März geben.

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