Analyse: Fahrgäste sind in diesem Frühjahr gleich doppelt gestraft. Die Stadtwerke stoßen logistisch mehr denn je an ihre Grenzen.

Wuppertal. Ein Unglück kommt selten allein. Das Sprichwort passt in diesem Winter wie die Faust aufs Auge, sobald es um die Linienbusse und die Schwebebahn geht. Mit der Hiobsbotschaft, das Wahrzeichen von einem Tag auf den anderen bis April stilllegen zu müssen, nahm der Ärger um volle, verspätete und ausgefallene Bus-Verbindungen am 15. Dezember seinen Anfang. Während der Ersatzbusverkehr entlang der Talachse mit kurzem Anlauf auf die Beine gestellt wurde, ließ sich der Winter nicht lange bitten: Seit dem Jahreswechsel gibt es auch in Wuppertal mit seinen vielen Bergstrecken soviel Schnee und Eis wie seit Jahren nicht mehr - und das gleich über Wochen.

Kürzungen auf Buslinien, um den Ersatzverkehr zu halten

So traf der Wintereinbruch den ohnehin schon am Limit fahrenden Busverkehr der Stadtwerke ins Mark: Wie berichtet, hatten die Stadtwerke als Ersatz für die Schwebebahn nicht nur "alles auf die Straße geschickt, was fahren kann", sondern auch noch von fünf Linien Busse abgezogen, um den Ersatzverkehr in Stoßzeiten so gut es geht zu verstärken. Dann war klar, dass das Liniennetz nur noch mit zusätzlichen Bussen aufrecht zu erhalten ist: In der vergangenen Woche gaben die WSW auf Nachfrage der WZ bekannt, 17 gebrauchte Gelenkbusse hinzu kaufen zu müssen.

Immer mehr Schnee - und immer mehr Kritik

Dem Winter war’s egal: Es schneite hartnäckig weiter - und es hagelte Kritik: Im Schulbusverkehr und am Winterdienst der Stadt, dem schließlich zu allem Übel auch noch das Salz ausging.

Und waren die Fahrbahnen erst einmal geräumt, verlagerte sich das Problem an den Straßenrand: Über Nacht fielen durch zum Teil felsenfeste Schnee- und Eisberge in Wuppertal hunderte Parkplätze ganz oder zumindest teilweise weg, was etliche Straßenzüge, an denen aus der Not heraus wild geparkt wurde, für Busse unpassierbar machte.

Der Effekt: Selbst als viele Straßen in den Stadtteilen wieder frei waren, kamen insbesondere auf den Höhenzügen trotzdem keine Busse - wie etwa am Sudberg. Bei aller Kritik steckt der Teufel beim Busverkehr in etlichen Details: Um die großen Fahrgastmengen zu bewältigen, besteht der Bus-Fuhrpark der WSW zum größten Teil aus Gelenkbussen - 166 sind es derzeit. Dem gegenüber stehen 93Zweiachser und zwölf kleinere Midi-Busse.

Der Fuhrpark der WSW ist auf Gelenkbusse ausgelegt

Aus Sicht der Kritiker sind es aber gerade die großen Gelenkbusse, die bei Schnee und Eis schnell an ihre Grenzen stoßen. Tatsache ist aber auch, dass der Antrieb dieser Busse aus technischen Gründen auf der Hinterachse liegt - nach Angaben der WSW für die barrierefreie Niederflurtechnik.

Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die WSW ihre Busse - als Reaktion auf jahrelange Kritik und veränderte Gesetze - seit 2006 komplett mit Reifen für Matsch und Schnee ausrüsten - für rund 170000 Euro im Jahr zusätzlich. Auch ein eigener Winterdienst wurde eingerichtet, um sich um Haltestellen und Depotzufahrten zu kümmern.

Die grundsätzlichen Probleme im Winter-Busverkehr löst das allerdings nicht: Sind die Straßen nicht länger gefahrlos zu benutzen, fahren die Linien zurück ins Depot oder steuern die nächste Haltestelle an, um erst einmal auf den Räumdienst zu warten.

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