Martin Schwenk setzt sich in seiner Kunst mit unserer Vorstellung von Natur auseinander.

Martin Schwenk setzt sich in seiner Kunst mit unserer Vorstellung von Natur auseinander.
Martin Schwenk zeigt sein „Schaumfeld“ im Neuen Kunstverein.

Martin Schwenk zeigt sein „Schaumfeld“ im Neuen Kunstverein.

Fries

Martin Schwenk zeigt sein „Schaumfeld“ im Neuen Kunstverein.

Die gelbe, schäumende Fläche ergießt sich in den Raum, wird an der einen Wand ausgebremst. Drum herum stehen Menschen, schauen gebannt auf das, was da auf mehreren Quadratmetern zu ihren Füßen liegt; eine organisch und weich wirkende, feste Kunststoffmasse, die zum (erlaubten) Anfassen reizt. Seit dem Wochenende liegt das „Schaumfeld“ in dem Ausstellungsraum des Neuen Kunstvereins. Martin Schwenk hat es ausgebreitet, lädt zum Nachdenken über unsere (und) seine Vorstellung von Natur ein.

Im Wald wirkt das gelbe Feld eindeutig künstlich

Der 57-jährige Schwenk bestreitet die dritte Ausstellung, die der Kunstverein dem Verhältnis von Kunst und Natur widmet. Der Bonner hat an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert, war Meisterschüler von Günther Uecker, ist heute Professor für Bildhauerei an der Kunsthochschule Mainz. Seine ehemalige Studienkollegin und Kunstvereinsmitglied Cordula Sauer, freischaffende Künstlerin wie er, hat ihn nach Wuppertal geholt. Nach Terminfindung und Raumbegehung entschied sich Schwenk schließlich für ein Kunstwerk, das er im vergangenen Jahr im holländischen Tilburg in einen Wald geschüttet hatte. Dafür musste er das Kunstwerk in Einzelteile zerlegen, tat dies, indem er ein Raster darüber legte. Wodurch sein scheinbar waberndes Schaumfeld nun auch interessante Seiteneinblicke in seine verschiedenen Schichten gewährt.

Es ist ein bewusster Versuch: Schwenk wollte sehen, ob das, was damals „eindeutig künstlich wirkte“ und durchaus kritische Stimmen (Muss man Kunststoff in den Wald kippen?) und Assoziationen an eine „Müllverklappung“ weckte, in „einem architektonischen Raum, also eindeutig künstlicher Umgebung, natürlicher“ aussieht. Ein Experiment, das für Schwenk aufzugehen scheint, wie er nach kurzem Nachdenken sagt.

Wie kommt ein Künstler zum PU-Schaum (PU steht für Polyurethan), der im Bau auch zu Montagezwecken verwendet wird? „Ich beschäftige mich gerne mit künstlichen Materialien, durchaus welche, die ich nicht mag. PU-Schaum entfaltet sich frei im Raum, bildet schnell Volumen, ist leicht und hat eine eigene Natürlichkeit – hat was Alchemistisches“, erklärt Schwenk, der über die Jahre viel Erfahrung mit dem nur bedingt lenkbaren Material gesammelt hat, um die von ihm gewünschte ausbalancierte Wirkung zwischen Natürlichkeit, Zufälligkeit und kontrollierter Komposition zu erreichen. Und damit wieder an den Grund seiner Arbeit kommt – die visuelle Erforschung unseres Verständnisses von Natur. „Was verbinden wir mit einer heilen Natur, die nicht mehr heil ist?“

» Martin Schwenks „Schaumfeld“ ist bis zum 21. Juli im Neuen Kunstverein, Hofaue 51 (Kolkmann-Haus) zu sehen. Öffnungszeiten: do-fr, 17 bis 20 Uhr; sa, 15 bis 18 Uhr.

neuer-kunsterverein-wuppertal.de

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