Weil die Vogelsangstraße vereist war, musste die hochschwangere Alice von Gahlen zur Antonius-Klinik laufen.

Frank und Alice von Gahlen sind glücklich: Nach ihrem „Geburts-Abenteuer“ ist Collin wohlauf.
Frank und Alice von Gahlen sind glücklich: Nach ihrem „Geburts-Abenteuer“ ist Collin wohlauf.

Frank und Alice von Gahlen sind glücklich: Nach ihrem „Geburts-Abenteuer“ ist Collin wohlauf.

Andreas Fischer

Frank und Alice von Gahlen sind glücklich: Nach ihrem „Geburts-Abenteuer“ ist Collin wohlauf.

Wuppertal. Zufrieden schläft Collin in den Armen seiner Mutter. Von der Hektik vor seiner Geburt hat er nichts bekommen. Den frischgebackenen Eltern, Frank und Alice von Gahlen, sind die Strapazen hingegen immer noch anzusehen.

Es ist Mittwochabend, als sich die 28-Jährige nicht wohlfühlt. "Ich hatte eine Risiko-Schwangerschaft, machte mir Sorgen, weil ich das Kind nicht mehr spürte." Frank von Gahlen reagiert sofort, macht sich mit seiner hochschwangeren Frau auf den Weg ins Antonius-Krankenhaus. Doch weit kam das Paar nicht. "Die Zufahrtsstraße zur Klinik war komplett vereist, selbst mit unserem Allrad-Antrieb war kein Durchkommen", sagt Frank von Gahlen (53). Um kein Risiko einzugehen, lässt er den Wagen stehen. Sauer, dass die Straße offenbar nicht gestreut ist, machen sich die beiden zu Fuß auf den Weg. "Wir haben ewig gebraucht", erzählt Alice von Gahlen.

Als Collin (3350 Gramm, 51 Zentimeter) um 0.32 Uhr das Licht der Welt erblickt, ist der Ärger erst einmal vergessen. Doch bei aller Freude: So geht es nicht, meint Frank von Gahlen. "Bei Privatleuten kontrolliert das Ordnungsamt - und selbst macht die Stadt nichts. "

Stadtsprecherin Martina Eckermann kontert: Die Straße habe absolute Priorität und werde bei Blitzeis unmittelbar vom Streudienst angefahren. Auch in der betreffenden Nacht sei dies geschehen. Im Übrigen stehe für Fälle wie die der von Gahlens die Feuerwehr mit speziell ausgerüsteten Einsatzfahrzeugen zur Verfügung. Ein Notruf genüge, unter Wehen bis zur Klinik laufen müsse niemand.

In Wuppertal ist nach wie vor kein Streusalz mehr da. "Ich habe der Stadt Wuppertal 24 Tonnen Streusalz angeboten, was aber abgelehnt wurde." Das sagt der Dönberger Kay Schummerz, der für einen Baustoffgroßhandel in Monheim arbeitet. Laut Schummerz hätten auch 100 Tonnen zum Preis von 220 Euro pro Tonne schnell geliefert werden können. Auch dies sei von der Stadt abgelehnt worden.

Die FDP-Fraktion erinnert daran, dass die Wuppertaler in diesen Tagen die Gebührenbescheide für Straßenreinigung und Winterdienst erhalten und zum Teil mit deutlich höheren gebühren belastet werden. "Doch die Anwohner von Straßen mit Priorität 2 haben in diesen Tagen vergebens auf den Räumdienst gewartet mit teils verheerenden Folgen für dort ansässige mittelständische Unternehmen und Anwohner", moniert Marcel Hafke, liberaler Stadtverordneter. "Während ein Hausbesitzer mit einem Bußgeld rechnen muss, wenn er den Schnee vor seinem Haus nicht beseitigt, gibt es in weiten Teilen Wuppertals Straßen und Plätze, die von dem Winterdienst der Stadt in Gänze ausgespart wurden", so Hafke weiter.

"Seltsame Züge hat die alljährliche Kritik am Winterdienst in unserer Stadt. . . . Besonders bei so extremen Wetterlagen wie in den vergangen Tage kommt der Winterdienst an den Rand seine Leistungsfähigkeit", erklärte Karlheinz Emmert, ordnungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Er fordert mehr Verständnis für die Mitarbeiter des Winterdienstes. Zugleich fordert die SPD aber auch mehr Gelassenheit von der Stadt bei der Durchsetzung der Schneeräumpflicht auf Gehwegen. (rom)

Die Erklärung: "Wir brauchen viel mehr Streusalz und wenn in loser Form und nicht in Säcken verpackt", sagt Stadtsprecherin Martina Eckermann. Normalerweise koste eine Tonne Streusalz etwa 60 Euro. "Wir können uns nicht über den Tisch ziehen lassen." Laut Eckermann habe es viele solcher Angebote gegeben, auch sei die Qualität nicht überprüfbar gewesen.

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