Besuch auf dem Prominenten-Friedhof an der Chausseestraße 126, wo Johannes Rau beerdigt ist.

Kränze liegen auf dem Grab von Johannes Rau in Berlin - zum Gedenken an den dritten Todestag des berühmten Wuppertalers.
Kränze liegen auf dem Grab von Johannes Rau in Berlin - zum Gedenken an den dritten Todestag des berühmten Wuppertalers.

Kränze liegen auf dem Grab von Johannes Rau in Berlin - zum Gedenken an den dritten Todestag des berühmten Wuppertalers.

Wolfgang Kumm

Kränze liegen auf dem Grab von Johannes Rau in Berlin - zum Gedenken an den dritten Todestag des berühmten Wuppertalers.

Berlin. Nieselregen besprüht bröckelndes Mauerwerk. Struppiges Grün umarmt verwitterte Grabsteine. Ernüchternd ist er, der erste Eindruck an der Chausseestraße 126 in Berlin-Mitte.

Seit fast 250 Jahren ist der "Dorotheenstädtische Kirchhof" letzte Ruhestätte für Künstler und Literaten, für Unerschütterliche im Glauben und Mutige in der Politik. Hier werden Erinnerungen wach an Menschen und ihre Lebensleistungen - Erinnerungen an Baumeister Schinkel und Dramatiker Brecht. An die Philosophen Fichte und Hege, an die Schriftsteller Zweig und Seghers.

Eine Schautafel, ein Lageplan, ein Zettel: "Das Grab von Johannes Rau ist bei Nummer 48."

Vorbei an einer gewaltigen Statue von Martin Luther, 70Meter weiter: Jetzt stehe ich vor einem schlichten Grab, bepflanzt mit rosa und weißen Blümchen, umrahmt von hellgrünen Ranken. Eine Vase mit roten Rosen steckt in der Erde. Auf dem Marmorstein, unter dem gemeißelten Gesicht, sind Name, Geburts- und Todesdatum zu lesen. Und ein Satz aus dem Matthäus-Evangelium: "Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth."

Hier ruht Johannes Rau, der achte Bundespräsident Deutschlands. Der Werber für die Versöhnung mit Israel. Der Kämpfer für soziale Gerechtigkeit. Der gute Mensch aus Wuppertal.

Sein Lebensmotto "Versöhnen statt spalten" kommt mir in den Sinn. Und die Erinnerung an die wenigen kurzen Begegnungen, die ich als Journalist mit ihm haben durfte. Immer imponierte seine beeindruckend einfache politische Philosophie: "Sagen, was man tut. Und tun, was man sagt."

Johannes Rau ist in allerbester Gesellschaft. Gleich nebenan erinnert ein Gedenkstein an Dietrich Bonhoeffer, den Theologen und ermordeten Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Gegenüber ruht der Buchdrucker Ernst Theodor Litfaß. Schriftsteller Heinrich Mann, ein großer Streiter für Demokratie, ist auch nicht weit.

Als ich den Friedhof verlasse, spüre ich den Zauber von heiterer Melancholie, der über diesem Paradiesgarten der Kulturgeschichte liegt. "Tschüs, Bruder Johannes," murmele ich. "Und viele liebe Grüße von den Menschen in Deinem Wuppertal."

Im Barmer Rathaus wird am Montagnachmittag eine Gedenktafel an Johannes Rau enthüllt. Der Wuppertaler Oberbürgermeister, NRW-Ministerpräsident und Bundespräsident starb am 27. Januar 2006. Rolf Nöckel ist Ressortleiter Sonderseiten/Reise der WZ.

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