Die Ronsdorfer sind Opfer eines Verbrechens geworden. Eine Mordkommission ermittelt. Stadt und Kultur sind schockiert und sprechen von einem großen Verlust für Wuppertal.

Preisverleihung Springmann Enno Christa
Der Unternehmer und Kulturförderer Enno Springmann mit seiner Frau Christa .

Der Unternehmer und Kulturförderer Enno Springmann mit seiner Frau Christa .

Die Pressesprecher der Polizei vor der Absperrung. Die Auffahrt zum Haus geht links hinauf.

Mathias Kehren, Bild 1 von 2

Der Unternehmer und Kulturförderer Enno Springmann mit seiner Frau Christa .

Wuppertal. Enno Springmann und seine Frau Christa sind Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Der 91 Jahre alte Unternehmer und Kulturförderer und seine 88 Jahre alte Frau wurden am Morgen tot in ihrem Haus an der Holthauser Straße in Ronsdorf gefunden.

Die Polizei meldete, dass sie gegen 10.30 Uhr von Angehörigen der Opfer informiert worden sei. Diese hätten das Ehepaar gefunden und die Polizei gerufen. „Die Gesamtsituation deutet auf Fremdeinwirken durch Dritte hin“, sagte Polizeisprecherin Anja Meis. Es sehe nicht nach einem gemeinsamen Suizid aus. Sie konnte aber aus ermittlungstaktischen Gründen nichts zum Tathergang sagen. „Das ist Täterwissen“, sagte sie. Das herauszugeben könnte die Ermittlungen erschweren. Es wurde eine Mordkommission eingerichtet.

Das Haus ist mit Zaun und Stacheldraht abgeschottet

Unterdessen hat die Polizei am Montag die Straße abgesperrt, an der es zu dem Verbrechen gekommen ist. Links und rechts der Einfahrt flatterten die rot-weißen Absperrbänder der Polizei. Pressesprecher Stefan Weiand stand in Warnweste davor und gab den Reportern Auskunft. Das Grundstück selbst ist zur Straße hin durch einen blickdicht gemachten Maschendrahtzaun gesichert. Auf dem Zaun soll Stacheldraht das Überklettern erschweren. Von der Parallelstraße aus kann man auf das Grundstück schauen. Durch ein Tor, auf dem eine gelbe Warnleuchte angebracht ist, kann man die lange Auffahrt entlanggucken. Weiter hinten ist ein gelbes Haus mit flachem Dach zu erkennen. Die Lichter brennen. Darin ist am Nachmittag noch die Spurensicherung der Kriminalpolizei bei der Arbeit. Weiand sagte, die Arbeit könne bis zum frühen Abend dauern. Das Grundstück und das Haus seien groß und müssten komplett abgesucht werden.

Möglicherweise hatte das Verbrechen eine Vorgeschichte. Nach Informationen unserer Zeitung ist vor wenigen Wochen bei Springmann eingebrochen worden. Seine Garage und das Auto seinen aufgebrochen worden, habe er selbst berichtet. Die Polizei wollte dazu keine Angaben machen.

Einige Anwohner der Straße berichten, dass das Ehepaar in der Straße nicht besonders bekannt gewesen sei. Es habe zurückgezogen gelebt.

Enno Springmann las der Kulturpolitik die Leviten

 Enno Springmann war geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens Gebr. Hilgeland in Ronsdorf. 1971 trat er in die CDU ein, saß für diese im Rat. 1979 spendete er die blausilberne Skulptur „Gewindegang“, die auf dem Robert-Daum-Platz steht. 1995 hat er mit seiner Frau die Springmann-Stiftung gegründet, die in jedem Herbst drei Künstler auszeichnet.

Dagegen ist vor allem Enno Springmann in der Stadt sehr bekannt gewesen. Der Unternehmer gründete 1995 die Enno und Christa Springmann-Stifung zur Förderung der Kunst und Kultur in Wuppertal. Jedes Jahr im Herbst zeichnet die Stiftung drei Künstler mit Wuppertal-Bezug aus. Enno Springmann nahm das gern zum Anlass, den Kulturpolitikern Wuppertals die Leviten zu lesen. Dafür wird man ihn in Erinnerung behalten.

Kulturdezernent Matthias Nocke zeigte sich „fassungslos und bestürzt. Enno Springmann war eine Persönlichkeit, einer, der das offene und ehrliche Wort geliebt und geschätzt hat“. Die CDU in der Stadt, die Stadt selbst und die Kultur hätten ihm viel zu verdanken. „Ich habe seine Frau und ihn sehr geschätzt. Wir werden sein Andenken in Ehren halten.“

Der Geschäftsführer der Wuppertaler Bühnen, Enno Schaarwächter, sagte, ihm habe es jedes Jahr im Oktober großes Vergnügen bereitet, die Preisverleihung Springmanns zu eröffnen. „Ich habe ihn seit vielen Jahren sehr geschätzt und ich würde sagen, wir waren freundschaftlich verbunden.“ Beide hätten sich immer darüber amüsiert, den gleichen Vornamen zu haben, erinnert sich Schaarwächter, der tief betroffen war. „Mit 91 Jahren darf man so nicht sterben“, sagte er mit Blick auf die tragischen Umstände.

Auch Oberbürgermeister Andreas Mucke reagierte sehr betroffen. Der Tod des Ehepaars Springmann sei ein großer Verlust für die Stadt und die Kultur. Mucke denke aber zuerst an die Verwandten, die Angehörige verloren, und die, die Freunde verloren hätten. Das alles sei unwirklich. „Ich bin fassungslos.“

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