Die Staatsanwaltschaft geht von einem Schaden in Millionenhöhe aus. Auch in Wuppertal soll die Bande aktiv gewesen sein.

Skimming-Methode
Eine Skimming-Methode: Mit einer Mini-Kamera wird das Tastenfeld eines Bankautomaten beobachtet. Durch die Manipulation kann die PIN von Bankkunden ausgespäht werden.

Eine Skimming-Methode: Mit einer Mini-Kamera wird das Tastenfeld eines Bankautomaten beobachtet. Durch die Manipulation kann die PIN von Bankkunden ausgespäht werden.

dpa

Eine Skimming-Methode: Mit einer Mini-Kamera wird das Tastenfeld eines Bankautomaten beobachtet. Durch die Manipulation kann die PIN von Bankkunden ausgespäht werden.

Wuppertal. Zur Calvinstraße in Elberfeld kamen die Betrüger Ende März 2010: Dort machten sie sich unbemerkt an einem Geldautomaten der Deutschen Bank zu schaffen. Tage später bemerkten 63  Bankkunden, dass ihre Konten geplündert worden waren – vorzugsweise von Geldautomaten in den Niederlanden, Italien, Großbritannien und Mexico (siehe Kasten rechts). 74.890  Euro haben die Skimming-Betrüger über die Manipulation des Geldautomaten an der Calvinstraße erbeutet. Jetzt steht ihnen am Wuppertaler Landgericht ein Prozess bevor. Fakt ist: Die Staatsanwaltschaft hat sieben Rumänen, darunter eine Frau, wegen bandenmäßigen Fälschens von EC-Karten angeklagt. Die sechs Männer und eine Frau sollen bundesweit bei 23 Skimming-Attacken auf Geldautomaten mehr als eine Million  Euro erbeutet haben. Die Ermittlungen kamen im April 2010 im benachbarten Remscheid ins Rollen. Bei der Deutschen Bank in Lüttringhausen wurden zwei Rumänen dabei erwischt, wie sie versuchten, das Tastenfeld am Geldautomaten auszuwechseln und eine Mini-Kamera zu installieren. In der anschließenden Vernehmung soll einer der Männer ausgepackt haben. Im Juli 2010 erfolgte der große Aufschlag der Staatsanwaltschaft. Unter anderem ließen die Fahnder in Dortmund eine „Werkstatt“ der mutmaßlichen Betrüger hochgehen, stellten reihenweise Kartenlesegeräte sicher und nahmen Tatverdächtige fest. Auch in Rumänien waren die deutschen Fahnder erfolgreich. Sie erreichten die Auslieferung der mutmaßlichen „Paten“ der Bande. Die beiden 44  und 48  Jahre alten Männer sollen von der rumänischen Stadt Bacau aus die Fäden gezogen haben. Wie die übrigen Angeschuldigten befinden sie sich in U-Haft. Laut Oberstaatanwalt Wolf Baumert hatten die Skimming-Paten eine Art „Finanzministerin“. Diese ebenfalls inhaftierte und angeklagte 36 -Jährige habe das Beutegeld vorwiegend in Bacau in diversen Immobilien angelegt. Auf diese Werte haben die Ermittler in Wuppertal für eine etwaige Schadensregulierung bisher allerdings keinen Zugriff. Ob und wie sich die betrogenen Banken das Geld aus Rumänien zurückholen, sei noch unklar, hieß es am Montag. Für die betroffenen Konto-Inhaber sieht das anders aus. Bekanntlich hält der Banken- und Giroverband eigens einen Fonds für Skimming-Opfer vor.

Zweiter Skimming-Versuch an der Calvinstraße scheiterte An der Calvinstraße waren die Betrüger übrigens noch ein zweites Mal unterwegs – einen Tag nach der erfolgreichen Manipulation kamen sie wieder zur Deutschen Bank. Beim zweiten Versuch stellten Wachmänner allerdings die Manipulation am Geldautomaten fest und ließen das Gerät umgehend stilllegen. Das Landgericht hat noch nicht über die Zulassung der mehr als 160 Seiten starken Anklage entschieden.

Leserkommentare (3)


() Registrierte Nutzer