Das Rheinland liebt Wuppertal: Zumindest kommt ein großer Teil der Studenten an der Bergischen Uni aus dem Düsseldorfer und Kölner Raum.

In Teilen ist Wuppertal alles andere als eine Massenuni.
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In Teilen ist Wuppertal alles andere als eine Massenuni.

Wuppertal. Wuppertal entwickelt sich mehr als 30 Jahre nach der Hochschulgründung langsam zur Studentenstadt: Noch nie zuvor waren die Studenten während ihres Studiums so lange an der Uni präsent. Die Wohnheime sind ausgelastet, der Campus ist zu fast jeder Tageszeit belebt.

Fritz Berger, Leiter des Hochschulsozialwerks, macht eine Tendenz zur "Präsenz-Universität" aus: "Die Zeiten, in denen sich die Studenten ihre Stundenpläne so zusammenbauen konnten, dass sie nicht mehr als zwei Tage in der Woche an der Universität verbringen mussten, sind längst vorbei." Das Studium ist mit der Einführung von Bachelor und Master verschulter geworden - mit deutlich verschärften Anwesenheitspflichten.

Für zunehmend mehr Jung-Akademiker bedeutet das: Hotel Mama hat ausgedient, die eigene Bude muss her. Die Stadt tut bisher vergleichsweise wenig, dies den Studenten schmackhaft zu machen und fertigt die Erstsemester mit einem Gutscheinheft und einer Willkommens-Broschüre ab. Immerhin: Künftig sollen auch auf Erstsemester abgestimmte Stadtrundgänge mit ins Programm genommen werden. Zugleich erhebt die Stadt Zweitwohnungssteuer und kassiert all diejenigen ab, die nicht bereit sind, ihren ersten Wohnsitz nach Wuppertal zu verlegen. Die Resonanz ist entsprechend gering. Gerade einmal 200 zahlende Studenten zählt die Statistik. Die mit erstem Wohnsitz werden nicht eigens erfasst.

Wer sich die eigene Unterkunft nicht leisten kann oder will, der pendelt. Auch dafür spricht viel. Die Fahrkarte vom Heimatort an die Uni ist im Semesterbeitrag enthalten. "Der Kostenfaktor muss zumindest beim Pendeln keine Rolle mehr spielen. Entscheidender ist, wie viel Zeit die Studenten bereit sind, in Zügen zu verbringen", meint Berger.

Wohin zieht es also die Wuppertaler Studenten nach Vorlesungsschluss, wie lautet ihre Heimatadresse? Johannes Bunsch ist persönlicher Referent von Uni-Rektor Lambert T. Koch und wertet die Einzugsgebiete der Bergischen Universität aus. "Dass das Rheinland so stark vertreten ist, hat uns selbst erstaunt", sagt Bunsch. Tatsächlich bildet die Ruhr so etwas wie eine natürliche Barriere. Das Ruhrgebiet ist deutlich unterrepräsentiert. Offensichtlich hat die Hochschuldichte nördlich und östlich von Wuppertal eine zu starke Sogwirkung. Dafür zieht es die jungen Leute aus so attraktiven Städten wie Köln und Düsseldorf ins Bergische. Rund 1000 Düsseldorfer haben sich aktuell in Wuppertal eingeschrieben. Das sind etwa sieben Prozent, aus Köln sind es fünf Prozent. "Und da reden wir schon von etwa 70 Kilometern Entfernung", rechnet Bunsch vor.

An der Bergischen Universität Wuppertal sind mehr als 13 000 Studenten eingeschrieben. Davon kommen knapp 2000 aus dem Ausland. Am stärksten nachgefragt ist der Fachbereich A, Geistes- und Kulturwissenschaften mit etwa 3500 Studenten. In diesen Fächern hat die Uni auch die meisten Probleme mit überfüllten Hörsälen und Seminaren.

Die Uni ist auch bedeutender Arbeitgeber und beschäftigt 1200 Menschen, darunter fast 300 Hochschullehrer (stand November 2008).

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Über die Gründe für die Studienplatzwahl kann er hingegen nur spekulieren. "Die Lehrerausbildung allein kann es nicht sein", ist sich Bunsch sicher. Die ist zu Lasten von Düsseldorf und Bonn in Wuppertal konzentriert worden, was in den zurückliegenden Jahren zu einem wahren Ansturm auf die entsprechenden Fächer für die angehenden Lehrer geführt hatte.

Für Bunsch muss die relative Attraktivität Wuppertals im Rheinland mit der Angebotsstruktur zu tun haben. "Die Studienbedingungen sind in vielen Fächern besser als an einer Massenuniversität." Hinzu kommen populäre Exotenfächer wie Wirtschaftsingenieurwesen, die bis Bayern und Sachsen nachgefragt werden.

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