Angeblicher Stammkunde (43) im Zeugenstand belastet die Angeklagten.

Wuppertal. Im Prozess gegen Deutschlands älteste Drogen-Händlerin (85) und vier weitere Angeklagte aus Solingen hat heute ein angeblicher Stammkunde (43) als Zeuge ausgesagt. Er habe mehrere Male bei dem Sohn (50) der Seniorin Drogen bestellt und abgeholt.

Dabei habe die 85-jährige ihm höchstens die Tür geöffnet, sich dann aber im Hintergrund gehalten. Nach dem Motto "Selbstbedienung" habe er eigenständig das Heroin aus einer Porzellandose im Wohnzimmer entnehmen und abwiegen können. Der Zeuge: "Ich denke, sie wusste, was in der Dose war."

110 Euro für fünf Gramm Heroin nannte der 43-Jährige als Preis. Das Geld habe er dann in ein "Pöttchen" gelegt oder der alten Dame als Gegenleistung ein bis zwei Stunden am Tag im Garten oder bei Hausarbeiten geholfen. Und wenn Mutter und Sohn einmal keine Drogen für ihn hatten, habe er sie eben bei einem Bekannten der Familie bekommen. Dieser ebenfalls angeklagte 29-Jährige - er sitzt im Rollstuhl - habe immer etwas im Haus gehabt. Der Zeuge erzählte zudem von weiteren Verstecken der Angeklagten: Der 29-Jährige habe das Heroin in einer Küchenmaschine, der Sohn der 85-Jährigen den Stoff in Kaffee-Packungen gelagert.

Heute ließ der mitangeklagte Enkel (25) der 85-Jährigen über seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen. Demnach hat er Heroin genommen, um seine schmerzhaften Rückenprobleme zu lindern. Seine mitangeklagte Freundin berichtete, dass sie als Teenager in die Kinder- und Jugendpsychiatrie eingewiesen worden sei, weil man sie beim Marihuana-Rauchen erwischt hätte.

Doch der Aufenthalt in der Klinik hätte eine fatale Wirkung gehabt: Dort sei sie mit Konsumenten harter Drogen zusammen gewesen. Über die sei sie ans Heroin gekommen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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