Auch die Direktvermarkter im Bergischen sorgen sich um ihre Zukunft und haben mit etlichen besorgten Kunden zu tun. Die Krise birgt Chancen, wenn sie für ein Umdenken sorgt.

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Das Ei im Blick: Der Dioxin-Skandal zieht auch in Wuppertal weite Kreise – selbst ohne Hof-Sperrung.

Das Ei im Blick: Der Dioxin-Skandal zieht auch in Wuppertal weite Kreise – selbst ohne Hof-Sperrung.

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Das Ei im Blick: Der Dioxin-Skandal zieht auch in Wuppertal weite Kreise – selbst ohne Hof-Sperrung.

Wuppertal. Jenseits aller Fragezeichen und Spekulationen rund um das Thema Dioxin steht für Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, eines fest: „Die Leute denken wieder darüber nach, was sie einkaufen und fragen, woher ihre Lebensmittel kommen.“ Das erlebe er selbst, in Gesprächen auf Wochenmärkten, und höre er von vielen Kollegen in der Region. Die fürchten einerseits Einbußen und sehen andererseits in jedem Skandal eine Chance auf neue Kunden.

Bislang noch kein gesperrter Betrieb in Wuppertal – Aufklärung gefordert

Tatsache ist, dass bislang kein Hof in Wuppertal gesperrt worden ist. Und wenn, dann handele es sich zuerst einmal um eine reine Vorsichtsmaßnahme, betont Dahlmann – was zeige, dass die Überwachung der Lieferwege, etwa bei Futtermitteln, funktioniert.

Darüber hinaus müsse sich aber auch jeder Direktvermarkter und Bio-Produzent auf seine Futtermittel- und Vorlieferanten verlassen. Vor kriminellen Machenschaften schütze die beste Dokumentation nicht. Und auch die Kreisbauernschaft fordert eine „lückenlose Aufklärung“.

Nicht zuletzt als Konsequenz aus früheren Lebensmittel-Skandalen sei die Dokumentationspflicht umfassend wie nie zuvor. Das gelte auch für das Qualitätsmanagement und werde beim jeweils aktuellen Skandal gerne mal vergessen: „Uns Bauern ist wichtig, qualitativ hochwertige und sichere Lebensmittel zu erzeugen“, wird Dahlmann offiziell zitiert – mit Blick auf etliche Medien-Anfragen. Sie drehen sich in erster Linie um gesperrte Höfe. „Die Eier, die jetzt in den Handel kommen, sind unbedenklich.“

Dabei stehe und falle jeder neue Skandal damit, welche Konsequenz die Verbraucher als eigentliche Marktmacht daraus ziehen. Dahlmann: „Neulich kam ein Kunde zu mir, der beim Discounter drei Masthähnchen für fünf Euro und zehn Eier für 69 Cent gesehen hat.“ Letzten Endes drehe sich nach dem vermeintlichen Ende eines Lebensmittel-Skandals dann doch wieder alles um den Preis. Das merkten auch die Direktvermarkter, die sich in Wuppertal seit Jahren erfolgreich organisieren, bei der Kundschaft. Sobald die Leute sähen, was sie am Monatsende übrig haben, kehrten viele zur alten Gewohnheit zurück. „Nur der Verbraucher hat es in der Hand.“

Kundschaft zwischen Unsicherheit und Galgenhumor

Die Bauern in Wuppertal sind seit Jahren vernetzt. Online bieten sie eine Übersicht ihrer Höfe – sortiert nach Produkten und Dienstleistungen.

Auch bei der Kreisbauernschaft gibt es aktuelle Informationen zu Dioxin. Sie ist im Rheinischen Landwirtschaftsverband (RLV) organisiert.

Das bergische Veterinäramt ist in Solingen erreichbar (Telefon: 0212 / 290-2582 oder 290-2575, per E-Mail: veterinaeramt@solingen.de).

Und die Stammkundschaft? Die reagiere mit einer Mischung aus Sensibilität, Kritik, Ratlosigkeit und Galgenhumor, berichtet der Vorsitzende der Kreisbauernschaft. Sie vertritt die Interessen von gut 800 Landwirten im bergischen Städtedreieck und im Kreis Mettmann. In Wuppertal gibt es gut 100 landwirtschaftliche Betriebe. Die Adressen ihrer Höfe sind nicht nur Lebensmittelkontrolleuren bekannt – sondern auch potenziellen Neukunden.

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