Mycha Schekalla reist mit Familie und Wohnmobil durch Europa.

Mycha Schekalla reist mit Familie und Wohnmobil durch Europa.
Mycha Schekalla mit seiner Frau Svenja und den Kindern Joshua und Elise. Archiv

Mycha Schekalla mit seiner Frau Svenja und den Kindern Joshua und Elise. Archiv

Stefan Fries

Mycha Schekalla mit seiner Frau Svenja und den Kindern Joshua und Elise. Archiv

Die Leute denken gerne, wir würden Urlaub machen. Verglichen mit einem Acht-Stunden-Arbeitstag und der Pendelei klingt eine Wohnmobilreise hartnäckig entspannend. Die Vorstellung, wir würden den ganzen Tag in einer Wohlfühlhängematte aus guter Laune im Wind der Sorglosigkeit schaukeln, kann ich nur schwer durchbrechen. Ich trage leider auch zu diesem Trugschluss bei, wenn ich von der atemberaubenden Küste Portugals oder der unkomplizierten Stellplatzsuche in einem heißen, spanischen September schwadroniere. Oder wenn ich hunderte Bilder ins Netz stelle, die - selbst mit mäßiger Leidenschaft fotografiert - neidvolle Gesichter zurücklassen.

Butze

auf Rädern

Leider ist das mit der Wiedergabe des „echten“ Wohnmobilgefühls so eine Sache und gestaltet sich weitaus komplizierter als man denkt. Jeder hat mal gute und mal schlechte Tage. In der Butze steigern sich beide Empfindungen exponentiell in unkontrollierbare Extreme. Gute Tage bleiben als ultimatives Opium an Zeitgestaltung im Gedächtnis; der Gipfel des Familienglücks und die Erfahrung kompletter Freiheit, die nur wenigen Menschen vergönnt ist.

Schlechte Tage bleiben als großer, zähflüssiger Kaugummi an atemraubender Traurigkeit im Kopf kleben; das bodenlose Loch an Depression und der sofortige Wunsch, das Womo gegen unmobile vier Wände eintauschen zu wollen.

Diese Reise ist mehr als ein Urlaub für uns und nicht weniger als unser Leben. Dabei versuche ich zu denken, wir würden etwas profundes tun. Dann lerne ich Menschen auf einem Stellplatz kennen, die schon vier Jahre durch die Gegend ziehen und keine Kolumne darüber schreiben. Das Leben im Wohnmobil unterscheidet sich im Grunde nicht so viel von einem Leben in einer festen Behausung. Außer, dass es vielleicht leicht günstiger ist. Und man sich einreden kann, man wäre ein Kapitän.

Wir sind erst im Februar wieder aus Wuppertal losgefahren. Meine Befürchtung, wir würden versacken, hatte sich auf komische Weise bestätigt. Nicht so sehr, weil wir wollten, sondern weil immer neue Aufgaben aufgetaucht sind, die erledigt werden mussten. In der Butze haben wir schnell gemerkt, dass wir uns vor allem an den Luxus der großelterlichen Kinderbetreuung gewöhnt hatten. Immerhin haben wir knapp zwei Monate zwangsweise bei unseren Familien verbracht.

Darüber hinaus mussten wir die Heizung reparieren lassen, weil das andauernde Pfeifgeräusch uns schon im Dezember genötigt hatte, schneller als gedacht, die Heimreise anzutreten. Dazu kam das Ersatzrad, dass uns in Frankreich flöten gegangen ist und allgemein die Inspektion des Fiats, den wir knapp 9000 Kilometer über die Westküste Europas geprügelt haben.

Unsere Reise brachte uns durch Schnee und Eis mittlerweile über die Alpen durch Österreich nach Italien. Nächster Stop ist Venedig. Danach hoffen wir auf besseres Wetter südlich davon. Ahoi und beste Grüße zurück nach Wuppertal!

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