Lothar Leuschen
Lothar Leuschen.

Lothar Leuschen.

Schwartz, Anna (as)

Lothar Leuschen.

Es geht nicht. Natürlich geht es nicht. Das ist schließlich mit ermüdender Regelmäßigkeit die Antwort, die ein Wuppertaler erhält, wenn die Stadtverwalter ihm einen Wunsch erfüllen sollen. Erstaunlich ist, dass diesmal weder Geld noch Personalmangel der Grund für die Absage sind. Dennoch geht es nicht. Dennoch soll die Mauer vor dem Bahnhof nicht verändert werden dürfen, sagt die Stadtverwaltung. Das seien uralte Pläne der Architekten, sie zu ändern, gehe nicht. Aha.

Aber es geht, fürchterlich hässliche Brücken zum Köbohaus und zum Hotel Kaiserhof zu bauen. Es geht, die B 7 vor dem Döppersberg so breit zu ziehen, dass sie die Stoßzeiten von New York spielend leicht verarbeiten könnte. Es geht, den sogenannten Investorenkubus, das Primark-Gebäude, entgegen ursprünglicher Planungen so weit in Richtung Westen zu schieben, dass vom einstmals großzügig geplanten Bahnhofsvorplatz so gut wie nichts mehr übrig geblieben ist. Und es geht, der Bahn AG die Fassade des Gebäudes zu sanieren und eine neue Einkaufspassage zu bauen, ohne sich auch nur für 50 Cent schriftlich eine Gegenleistung garantieren zu lassen. All das geht. Es geht, ohne dass irgendein Verantwortlicher im Rathaus vor Scham im Erdboden versinkt. Aber die Mauer zumindest vor dem Bahnhofsgebäude anders zu gestalten? Das soll nicht gehen?

Die Proteste gegen das nikotingelbe Band der schlechten Laune reißen nicht ab. Jeden Tag erreichen die Redaktion der Westdeutschen Zeitung Briefe von Lesern, die sich nichts sehnlicher wünschen, als dass Wuppertal wenigstens diese Fehlentscheidung im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Döppersbergs rückgängig machen möge. Einige sind in ihrer Wortwahl schon nicht mehr zimperlich, weil sie inzwischen das Gefühl entwickelt haben, von den Stadtverwaltern und Politikern im Rathaus weder verstanden noch überhaupt gehört zu werden. Das ist misslich in einer Zeit, in der so viele, allen voran der Oberbürgermeister, von Bürgerbeteiligung sprechen. Wer soll das noch ernstnehmen?

Es geht also nicht. Wirklich nicht? Natürlich geht es. Selbstverständlich kann die Stadt es durchsetzen, dass die Mauer zurückgebaut wird, die das Gesamtbild des neuen Döppersbergs viel zu sehr dominiert. Sie muss es nur wollen. Und sie muss es den Architekten sagen, die diese, nun ja, durchwachsene Idee gehabt haben. Sie ist halt einfach schlecht, zumindest direkt vor dem wunderschönen Bahnhofsgebäude. Auch wenn es Geld kostet. Und es wird kosten. Denn die Architekten werden sich das Ändern ihres Entwurfes vermutlich fürstlich entlohnen lassen wollen.

Damit käme die Stadtverwaltung dann doch wieder in die Lage, eines ihrer beiden Lieblingsargumente für vollständige Bewegungslosigkeit ins Feld zu führen: kein Geld. Aber diese Stadt gibt für so viele Dinge Geld aus, das sie gar nicht hat, dass es auf die paar hunderttausend Euro auch nicht mehr ankommt. Zwar soll der Nikotinstein noch nachdunkeln. Doch bis es so weit ist, vergehen Jahre, wenn überhaupt. Wuppertal und viele Wuppertaler haben eine ganze Dekade um und für diesen neuen Döppersberg gekämpft. Und sie bekommen durch die Nachschlechterungen schon nur die zweitbeste Lösung. Ihnen nun dauerhaft eine noch schlechtere zuzumuten, das geht wirklich nicht. Egal, ob kein Geld oder keine Leute: Diese Mauer muss weg.

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