Im Sommer soll das Kunstwerk aus Aluminium in den Rosengarten einziehen.

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So soll der Ersatz für die gestohlene „Sinnende“ auf der Hardt aussehen. Die Figur rechts im Modell gehört allerdings nicht dazu – sie veranschaulicht nur das Verhältnis der Skulptur zur einem erwachsenen Menschen.

So soll der Ersatz für die gestohlene „Sinnende“ auf der Hardt aussehen. Die Figur rechts im Modell gehört allerdings nicht dazu – sie veranschaulicht nur das Verhältnis der Skulptur zur einem erwachsenen Menschen.

Unersetzlich: "Die Sinnende" von Friede Classen.

privat, Bild 1 von 2

So soll der Ersatz für die gestohlene „Sinnende“ auf der Hardt aussehen. Die Figur rechts im Modell gehört allerdings nicht dazu – sie veranschaulicht nur das Verhältnis der Skulptur zur einem erwachsenen Menschen.

Wuppertal. Leuchtend rot ist sie, hoch über dem Sockel ragend wirkt sie wie eine Mischung aus Baum, Riesenblüte und Seeigel. "Castanea Rodo" heißt die neue Skulptur, die ab diesem Sommer den leeren Sockel im Rosengarten auf der Hardt schmücken wird. Vor zwei Jahren wurde dort in einer Serie von Kunst-Diebstählen die Bronzefigur "Die Sinnende" der Bildhauerin Friede Classen gestohlen. Grund war der hohen Materialwert der Statue, die 50 Jahre lang den Mittelpunkt der kleinen Ruhezone im Park bildete. "Schön, dass nun ein verlorener Platz wieder an Gewicht gewinnt", freut sich Peter Ehm, Ressortleiter für Grünflächen.

Im Herbst vergangenen Jahres hatte die Stadt einen Künstlerischen Wettbewerb für eine neue Skulptur ausgerufen. Die Jury setzte sich aus Mitarbeitern der Stadt und des Von der Heydt-Museums zusammen. Fünf Wuppertaler Künstler beteiligten sich mit ihren Entwürfen.

Fünf Künstler setzten sich mit dem Ort auseinander

Unter unterschiedlichen Aspekten setzten sie sich mit dem Ort auseinander: Bildhauer Michael Seeling etwa nahm den Verlust der Bronzeskulptur in seinem Entwurf auf, indem er in einer Wand aus "Rosa Beta" (sardischer Granit) die Negativ-Form der Sinnenden in Originalgröße aushöhlte. Ein weiterer Aspekt war das Thema Zeit, mit dem sich Felix Baltzer, ein Schüler Tony Craggs, auseinandersetzte. Er wählte eine organisch-gewundene Form aus gegossenem Beton mit ab- und zunehmendem Volumen.

Die Gewinnerin des Wettbewerbs und Gestalterin der neuen Statue ist jedoch Vanessa Niederstrasser. Sie orientierte sich an dem nahe gelegenen Botanischen Garten, der prägend für die Hard-Anlagen sei: Die floralen Aspekte haben sie inspiriert, sagt die Künstlerin. "Kakteen, Palmen - alles Exotische, was in unseren Breitengraden nur geschützt überleben kann", wollte sie spielerisch in den Raum stellen - als "Fantasiepflanze".

Der Name setzt sich aus Einzellern und einem Café zusammen

Ihr Name "Castanea Rodo" verrät noch mehr: "Castanea sind kleine Einzeller, Strahlentierchen, sozusagen Mini-Lebewesen. Sie haben mich auf die endgültige Form gebracht." "Rodo" dagegen sei schlichtweg ein Café in Israel gewesen, in dem sie die Ideen zu der Skulptur sammelte. Ihr Israelaufenthalt sei mit ein Grund gewesen für die außergewöhnliche Form und Farbe des neuen Kunstwerkes: "Die bunten Farben und sommerlichen Temperaturen haben mich beeinflusst". Zumal auf der Hardt auch im Sommer die Grüntöne vorherrschten. Das Rot gebe den nötigen Kontrast. Die neue Skulptur nimmt zudem bewusst Abstand von der beliebten Classen-Figur. Diese könne man nicht einfach ersetzten. "Das ist etwas Neues", sagt die Künstlerin.

Das Kunstwerk wird aus Versicherungs-Geld finanziert

Die Bronzeskulptur "Die Sinnende" stand mehr als 50 Jahre im Rosengarten auf der Hardt. 1954 aufgestellt, wurde sie im Februar 2006 von Metalldieben gestohlen. Die hochbetagte Künstlerin Friede Classen sah sich nicht in der Lage, eine Kopie oder einen Ersatzwerk anzuschaffen.

Mit 25.000 Euro aus der Versicherungssumme für "Die Sinnende" hat die Stadt den Wettbewerb für eine neue Skulptur ausgerufen. Die Siegerin, Vanessa Niederstrasser, wurde 1971 in Wuppertal geboren. Sie studierte zunächst Architektur, später Baukunst und von 2003 bis 2008 Freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf. Sie lebt in Wuppertal.

Finanziert wird das Kunstwerk aus den Versicherungsumme der gestohlenen Bronzestatue. Ende Mai oder Anfang Juni soll das feuerrote Gebilde Spaziergänger zum Verweilen einladen. Der Bau der Skulptur hat bereits begonnen: In einer Kunstgießerei werden noch Abdrücke gemacht und Negativformen gegossen, ehe die Einzelteile wieder zusammengebaut, verstärkt, gefeilt, und lackiert werden. Dass sie im Sommer noch aufgestellt werde, sei aber sicher, so die Künstlerin.

Eine weitere gute Nachricht: Die Skulptur ist nicht aus Bronze, sondern aus Aluminiumguss. Damit ist sie vor den Bronze-Dieben erstmal sicher - im Gegensatz zum Vorgänger-Modell.

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