Spielzeit-Bilanz: Unter der neuen Intendanz gingen die Gästezahlen deutlich zurück. Schuld ist vor allem das Familienstück.

„Die Odyssee“ hat die Erwartungen nicht erfüllt: Das Familienstück mit Daniel Breitfelder lockte weniger Zuschauer als erhofft.
„Die Odyssee“ hat die Erwartungen nicht erfüllt: Das Familienstück mit Daniel Breitfelder lockte weniger Zuschauer als erhofft.

„Die Odyssee“ hat die Erwartungen nicht erfüllt: Das Familienstück mit Daniel Breitfelder lockte weniger Zuschauer als erhofft.

Andreas Fischer

„Die Odyssee“ hat die Erwartungen nicht erfüllt: Das Familienstück mit Daniel Breitfelder lockte weniger Zuschauer als erhofft.

Wuppertal. Die Zahlen verheißen nichts Gutes: Die Wuppertaler Bühnen hatten in der vergangenen Spielzeit fast 15.000 Zuschauer weniger als in der Saison zuvor. Konkret gesagt: In der Spielzeit 2009/2010 lösten 77304 Gäste eine Karte fürs Musik- oder Sprechtheater, in der Saison 2008/2009 waren es noch 91.977 gewesen.

Ein deutlicher Besuchereinbruch also - zumal die Zahlen in den Vorjahren "stabil gewesen waren", wie Bühnen-Geschäftsführer Enno Schaarwächter gestern auf WZ-Nachfrage bestätigte. Er sieht den Grund für den Zuschauerrückgang vor allem im Familienstück begründet: "Dort hatten wir einen Verlust von 10.000 Gästen." Die neue Doppel-Intendanz hatte das traditionelle Weihnachtsstück, bislang stets ein Erfolgsgarant im Spielplan, zum ersten Mal altersgemäß geteilt. Für jüngere Gäste hieß es im Kleinen Schauspielhaus: "An der Arche um Acht". Auf etwas ältere, jugendliche Zuschauer wartete "Die Odyssee" im Opernhaus.

"Es ist nicht so, dass uns die Zuschauer in Scharen weglaufen."

ChristianvonTreskow, Schauspiel-Intendant

Schauspiel-Chef Christian von Treskow legt Wert auf die Feststellung, dass Zahlen nicht allein für sich sprächen, sondern im Zusammenhang zu sehen seien: "Es ist nicht so, dass uns die Zuschauer in Scharen weglaufen." Zwar räumt er ein, dass "Die Odyssee" nicht die Erwartungen erfüllt habe: "Das Stück hat nicht gezündet." Das Singspiel "An der Arche um Acht" sei aber an sich nicht weniger erfolgreich gewesen als "Der Lebkuchenmann", der sich in der Saison zuvor im im großen Saal des Schauspielhauses die Ehre gegeben hatte: "Bei der ,Arche’ hätten wir viel mehr Zuschauer haben können, wenn wir die Räumlichkeiten gehabt hätten."

Auch Opern-Intendant Johannes Weigand verweist auf die unterschiedlichen Saalgrößen: Im Kleinen Schauspielhaus gibt es 126 Plätze, im Opernhaus 750. Zumindest in einer Hinsicht will man nun dazulernen: Weil von Treskow vermutet, dass "Die Odyssee" auch deshalb nicht gezündet hat, weil die Vorstellungen für junges Publikum "zu spät" - nämlich um 19.30 Uhr - begannen, soll das nächste Familienstück ("Das kalte Herz" erwartet Zuschauer ab zehn Jahren im Opernhaus) hauptsächlich ab 18 Uhr präsentiert werden. Nun sei es aber zu kurz gegriffen, den Zuschauerschwund nur dem Weihnachtsstück zuzuschreiben. Auch die Tatsache, dass es weniger Gastspiele gegeben habe und ein Teil des Publikums mit der neuen Theater-Ästhetik nicht warm geworden sei, habe eine Rolle gespielt. 

"Das Familienstück ist wichtig für die Reputation, war aber noch nie ein Kassenschlager - weil Karten für junge Zuschauer ja günstiger sind", sagt Geschäftsführer Enno Schaarwächter. Daher habe der Besucherrückgang, der das Familienstück betrifft, auch nicht zu drastischen finanziellen Verlusten geführt. "Wir haben keine Einnahmen-Einbrüche." Rund 600.000 Euro nehmen die Bühnen pro Saison durch den Kartenverkauf ein.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer