Alexander Priluzki (l.) interviewt Karl-Heinz Kleine.
Alexander Priluzki (l.) interviewt Karl-Heinz Kleine.

Alexander Priluzki (l.) interviewt Karl-Heinz Kleine.

Andreas Fischer

Alexander Priluzki (l.) interviewt Karl-Heinz Kleine.

Wuppertal. Unter den lebenden Wuppertalern sorgt er zur Zeit weltweit für den größten medialen Wirbel: Karl-Heinz Kleine, Rentner, besessen von der Idee, das Bernsteinzimmer in Wuppertals Untergrund zu finden. Zeitungen aus Russland, Großbritannien, Japan und Vietnam haben über ihn berichtet. Fernsehteams aus den USA und aus Australien haben ihren Besuch angekündigt.

Die Zeitschrift „Partner“ für in Deutschland lebende Russen hat ihn bereits besucht. Treffpunkt: ein zum Bunker ausgebauter Stollen in Barmen. Alexander Priluzki ist in St. Petersburg geboren, 30 Kilometer entfernt vom Katharinenpalast in Puschkin, der früher das Bernsteinzimmer beherbergte. Mit einem Kamerateam hat sich der Redakteur in das Gewölbe gewagt.

Kein schöner Ort: verrostete Generatoren, zerstörte Aborte

Es tropft von der Decke, in der Ecke stehen alte Generatoren und zerstörte Aborte. Wer auf den Boden schaut, um nicht zu stolpern, läuft Gefahr, sich den Kopf an zerborstenen Rohren zu stoßen, die von der Decke hängen.

„Das Interesse am Bernsteinzimmer ist sehr groß unter den Russen. Es ist Teil unserer Geschichte“, sagt Priluzki. „Unserer!“, knurrt Kleine zurück. „Nein, unserer gemeinsamen“, sagt Priluzki. „Sag ich doch“, brummt Kleine und freut sich, Priluzki auf den Arm genommen zu haben. Kleine ist jovial, handfest, verbindlich, Typ „bergischer Knurrer“. Nur das er eben gebürtiger Leipziger ist und auch so spricht. Der Mirror nannte ihn „the real Indiana Jones“.

Jahrelang hat Kleine weitgehend unbehelligt von der Öffentlichkeit gesucht, gegraben, gebohrt. Seit Wochen rennen ihm ausländische Medienvertreter die Türe ein. Den Rummel sucht er nicht, aber er hofft auf Sponsoren. „Wir brauchen dringend Geld“, sagt Kleine.

Alexander Priluzki ist ein höflicher Mensch. Auf die Frage, was die russische Gemeinde davon hält, das jemand ausgerechnet in Wuppertal nach dem Bernsteinzimmer sucht, ringt er nach diplomatischen Worten. Kleine lacht schallend: „Wissen Sie, die, die in St. Petersburg suchen, denken doch, der in Wuppertal hat einen Riss in der Schüssel – umgekehrt ist es ähnlich.“ Priluzki: „Wenn das Bernsteinzimmer hier gefunden wird, ist es gut. Aber es ist auch gut, dass es Leute gibt, die sich um diese Geschichte kümmern.“ Vielleicht irrt sich Kleine vom archäologischen Standpunkt her. Vom Standpunkt der Völkerverständigung macht er alles richtig.

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