Vor dem ersten Schultag werden Vorschulkinder untersucht, um eine Entwicklungsstörung festzustellen.

Vor dem ersten Schultag werden Vorschulkinder untersucht, um eine Entwicklungsstörung festzustellen.
Dr. Michaela Schönhärl-Mönks, Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes in Wuppertal. Archiv

Dr. Michaela Schönhärl-Mönks, Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes in Wuppertal. Archiv

Mit verschiedenen Tests wird vor der Einschulung in der Schuleingangsuntersuchung überprüft, ob das Kind unter einer Entwicklungsstörung leidet. Symbol

Andreas Fischer, Bild 1 von 2

Dr. Michaela Schönhärl-Mönks, Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes in Wuppertal. Archiv

Rund um den sechsten Geburtstag kommt auch der Brief vom Gesundheitsamt: Das Kind wird zur Schuleingangsuntersuchung eingeladen. Rund 3 000 bis 3 500 Wuppertaler Kinder untersuchen die sechs Ärztinnen und Ärzte des kinder- und jugendärztlichen Dienstes jedes Jahr. „Das ist ein Screening - kein Intelligenztest“, betont die Leiterin Dr. Michaela Schönhärl-Mönks. Ziel dieses SOPESS-Screenings ist es, Kinder mit gesundheitlichen Problemen und Entwicklungsverzögerungen zu entdecken.

Stellen die Ärzte Auffälligkeiten fest, schicken sie die Eltern mit dem Kind zum Kinderarzt zur weiteren Untersuchung. Die allermeisten Kinder jedoch werden als unauffällig eingestuft. Der Befund wird jeweils an die Schule weitergeleitet. Jede Untersuchung beginnt mit einem Seh- und Hörtest sowie mit Wiegen und Messen. Die Arzthelferinnen kontrollieren auch das Vorsorgeheft und dem Impfpass. „Da stehen wir in Wuppertal sehr gut da - die meisten Kinder waren regelmäßig bei den Vorsorge-Untersuchungen“, freut sich Michaela Schönhärl-Mönks. Danach werden die Fertigkeiten nach SOPESS untersucht - streng nach den Richtlinien, mit vorgegebener Ansprache, um die Ergebnisse vergleichbar zu machen.

Vor dem ersten Schultag werden Vorschulkinder untersucht, um eine Entwicklungsstörung festzustellen.
Dr. Michaela Schönhärl-Mönks, Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes in Wuppertal. Archiv

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Mit verschiedenen Tests wird vor der Einschulung in der Schuleingangsuntersuchung überprüft, ob das Kind unter einer Entwicklungsstörung leidet. Symbol

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Mit verschiedenen Tests wird vor der Einschulung in der Schuleingangsuntersuchung überprüft, ob das Kind unter einer Entwicklungsstörung leidet. Symbol

Wuppertaler

Schulzeit

Die Kinder müssen auf einer Matte nach links und rechts hüpfen, um ihre Körperkoordination zu zeigen. Dann zählen sie und sagen, auf welchen von zwei Bildern mehr Bälle zu sehen sind. Sie sollen bestimmte Formen auf Bildern herausfinden und schlussfolgern, welches Motiv zu den drei vorgegebenen am besten passt - also beispielsweise die Sandschaufel zu Sandeimer und Sandsieb, während das Auto dort nicht dazu passt.

Bei der Sprachüberprüfung geht es nicht um die Deutsch-Kenntnisse, sondern um eine grundsätzliche Sprachkompetenz. So müssen die Kinder beispielsweise Phantasie-Wörter nachsprechen, um zu zeigen, dass sie die Laute richtig hören und artikulieren können. Doch sie müssen auch erklären, ob ein Ball auf, unter oder neben dem Stuhl liegt.

Wer gerade erst aus dem Ausland nach Deutschland umgezogen ist, muss diese Prüfung nicht absolvieren. „Hier kreuzen wir in dem Bogen Deutsch-Förderunterricht an“, erklärt die Ärztin. Und sie betont die medizinische Ausrichtung des Screenings: „Ob ein Kind in der Schule mitkommt, ist kein medizinisches, sondern ein pädagogisches Problem“ - für das das Gesundheitsamt nicht zuständig ist.

Die Werte haben sich wenig verändert, seit das Screening 2010 eingeführt wurde. So wurden 2015 bei der Körperkoordination 8,5 Prozent der Mädchen und 12 Prozent der Jungen als auffällig eingestuft. Bei der Sprachkompetenz waren es sieben Prozent der Mädchen und zehn Prozent der Jungen. „Das sind gute Werte - damit liegen wir in Wuppertal im Mittelfeld von NRW“, sagt Michaela Schönhärl-Mönks.

Michaela Schönhärl-Mönks, Leiterin des kinder- und jugendärztlichen Dienstes

Auch wenn viele Erzieherinnen und Lehrerinnen den Eindruck haben, dass die Schüler weniger konzentriert und motorisch unruhiger sind - statistisch lässt sich das in der Schuleingangsuntersuchung nicht belegen. Wer nicht zur Untersuchung erscheint, wird ein zweites Mal eingeladen. Bei der dritten Einladung wird dann die Schule benachrichtigt und muss sich um ihren Kandidaten kümmern. Überhaupt sei dieses Ergebnis nur eine Momentaufnahme, sagt die Ärztin: „Manche Kinder blühen auf, wenn sie in die Schule kommen und gefördert werden.“

Kinder können mit kleinen Dingen im Alltag gefördert werden

Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes raten den Eltern auch, wie sie ihren Kindern helfen können: Viel und vielfältige Bewegung, etwa auf dem Spielplatz, und viel vorlesen oder gemeinsam Geschichten erzählen. Und auch, wenn es im Alltag oft schnell gehen muss: Am Wochenende sollten die Kinder die Zeit bekommen, sich selbst anzuziehen, oder ihr Geschirr alleine in die Küche zu tragen. So lernen sie gleichzeitig Körperkoordination und Selbstständigkeit.

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