Vorstandschef Andreas Feicht ist zufrieden und will weiter in neue Märkte investieren. Der Gaspreis wird wohl steigen.

Bilanz
Die Wuppertaler Stadtwerke verkaufen mittlerweile 40 Prozent ihres Industriekundenstroms außerhalb der Stadt.

Die Wuppertaler Stadtwerke verkaufen mittlerweile 40 Prozent ihres Industriekundenstroms außerhalb der Stadt.

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Die Wuppertaler Stadtwerke verkaufen mittlerweile 40 Prozent ihres Industriekundenstroms außerhalb der Stadt.

Wuppertal. „Wir stecken in einer echten Energiewende, deren Ausgang nur in Konturen zu erahnen ist.“ Andreas Feicht, Vorstandsvorsitzender der Wuppertaler Stadtwerke (WSW), stellte gestern das Jahresergebnis 2010 der Sparte Energie und Wasser vor. Der Umsatz ist um 3,8 Prozent auf 678 Millionen Euro gestiegen – der Gewinn vor Steuern jedoch um 1,6 Prozent auf 62,8 Millionen Euro gesunken.

WSW verändern ihr Geschäftsmodell

Feicht erklärte dies mit geänderten Anforderungen im Energiemarkt: „Wir stecken in einer starken Veränderung unseres Geschäftsmodells“. So hätten die WSW im vergangenen Jahr höhere Kosten verbuchen müssen, während die Margen im Geschäftskundenbereich aufgrund des scharfen Wettbewerbs geringer als etwa bei den Privatkunden ausfallen würden. Um in einer, so Feicht, „schrumpfenden Stadt“ jedoch auch in Zukunft erfolgreich zu sein, wollen die Stadtwerke in den nächsten Jahren weiterhin bundesweit mehr Industrie- und Geschäftskunden mit Energie beliefern.

Investitionen in das Wachstum verringern Gewinn

Aus diesem Grund soll auch in den nächsten Jahren stark in das Wachstum investiert werden, was laut Feicht in den nächsten Jahren dafür sorgen wird, dass die Gewinne geringer ausfallen. „Wir investieren in Wachstum. Das ist nicht ohne Risiko, aber notwendig“, konstatierte er.

Vom Jahresgewinn werden etwa zehn Millionen Euro an den Anteilseigner GDF Suez abgeführt, weitere sieben Millionen Steuern werden fällig. Der Rest wird verwendet, um das Defizit des öffentlichen Personennahverkehrs in Wuppertal zu finanzieren. Aber: Das wird nicht reichen, wie Feicht erklärte. Deswegen werden die WSW Geld aus der Rücklage einsetzen, um die Nahverkehrssparte zu stützen. Wie hoch das Defizit des Nahverkehrs ist, wollen die WSW nächste Woche mitteilen.

In Wuppertal sind die WSW auch weiterhin fast unangefochten der Energielieferant für die Privatkunden. Ihr Marktanteil beim Gas beträgt 93 Prozent, beim Strom 92 Prozent. Zumindest in diesem Jahr werden die Strompeise nicht steigen, wie Feicht versprach. Für 2012 wagte er keine Prognose – dies hänge auch von der Umlage für erneuerbare Energien ab. Der Gaspreis wird seiner Einschätzung nach in absehbarer Zeit steigen. Wie stark und wann – das konnte er gestern nicht konkretisieren.

Großes Wachstum bei Geschäftskunden

Mit 496 Gigawattstunden konnte der Absatz deutlich gesteigert werden. Damit, so Feicht, hätten 15 300 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden können. Dies entspricht einem jährlichen Kohlendioxidausstoß von zirka 8500 Autos. Bis 2018 soll die Einsparung auf 24 000 Tonnen gesteigert werden.

Die WSW setzten 2305 Gigawattstunden Strom ab. Das ist eine Steigerung von 16,4 Prozent zu 2009. Der Fernwärmeabsatz stieg um 10,7 Prozent auf 496 Gigawattstunden. 2010 lieferten die WSW Gas in einer Menge von 2583 Gigawattstunden. Das ist eine Steigerung von 1,5 Prozent. Der Absatz von Wasser sank um 1,8 Prozent auf 22,4 Millionen Kubikmeter.

Das Tochterunternehmen WSW3/4/5 GmbH hat in NRW über 100 Kunden aus dem Mittelstand akquiriert. Feicht meldet zudem Wachstum im Bereich der Industriekunden, wie bei Stollwerck oder der Schaeffler-Gruppe.

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