Der Tango stand im Mittelpunkt des ungewöhnlichen Neujahrskonzertes. Das Programm gefiel nicht allen Besuchern.

Das Sinfonieorchester bot zum Jahresbeginn ein ungewöhnliches Konzert.
Das Sinfonieorchester bot zum Jahresbeginn ein ungewöhnliches Konzert.

Das Sinfonieorchester bot zum Jahresbeginn ein ungewöhnliches Konzert.

Stefan Fries

Das Sinfonieorchester bot zum Jahresbeginn ein ungewöhnliches Konzert.

Wuppertal. Das Sinfonieorchester Wuppertal war bei seinem traditionellen Neujahrskonzert anfangs völlig derangiert. Sternhagelvoll räkelte sich zunächst Konzertmeister Nikolai Mintchev mit einer Kippe im Maul auf der Bühne im restlos ausverkauften Großen Saal der Stadthalle. Leere Schnaps-, Wein- und Bierflaschen waren um das Dirigentenpult verstreut. Als dann seine neue Chefin Julia Jones erschien, war sie verständlicherweise ziemlich frustriert. Die Schlagzeuger schienen auch einen über den Durst getrunken zu haben. Als die dann loslegten, torkelten nach und nach die anderen Kollegen spielend herein und brachten mehr oder weniger anständig John Coriglianos „Promenade Ouvertüre“ über die Bühne. Allmählich rissen sie sich aber am Riemen und stimmten geflissentlich ihre Instrumente. Danach waren sämtliche Sinfoniker ruck zuck topfit.

Wer aber dachte, nun wird ein Potpourri etwa aus dem großen Fundus der Strauß-Dynastie hoch und runter gespielt, hatte sich gewaltig geirrt. Enttäuscht gingen sogar einige Besucher in der Pause, weil statt Walzern, Märschen und Polkas viel Musik aus Südamerika geboten wurde. Selbst schuld. Denn das Programm konnte sich wahrlich hören lassen. Hinzu kamen char-mante Anmoderationen von Jones, die zumindest mit wenigen Sätzen unbekannte Namen näher brachte. Der schludrige Programmzettel klärte nämlich überhaupt nicht auf. Auch Wuppertals Opernintendant ließ sich nicht zweimal bitten und rezitierte den Zeit-Monolog aus der Oper „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss.

Begeisterung in der zweiten Konzerthälfte

Der Tango stand im Mittelpunkt des kurzweiligen Abends. Dafür hatte man den renommierten französischen Akkordeonspieler Pascal Contet eingeladen. Er wurde seinem erstklassigen Ruf voll gerecht. Deutlich wurde das vor allem bei dem erst zwei Jahre alten Stück „Suite Valentino“ des französischen Filmkomponisten Christophe Julien, das er dem Solisten auf den Leib schneiderte. Bei seinem Vortrag paarte sich mustergültig hohe Virtuosität mit empfindsamer Musikalität.

Auch die Evergreens „Adiós Nonino“ und „Libertango“ aus der Feder von Astor Piazolla ließen keine Wünsche offen. Tangos des hier unbekannten argentinischen Komponisten und Dirigenten Vicente Greco „La Viruta“ und der in Buenos Aires geborenen und in Straßburg lebenden Gitarristin Graziela Pueyo „Strasmedianoche“ erklangen genauso gehaltvoll.

Und Mintchev (von wegen zu viel Alkohol im Blut) faszinierte bei „Por una cabeza“ des in der Hauptstadt Argentiniens beheimateten populären Tango-Sängers Carlos Gardel mit einem beseelten großen Solospiel.

Dazu legte sich das städtische Orchester mächtig ins Zeug. Unter Jones’ präzisem und umsichtigem Dirigat begleitet es die beiden Musiker sehr mitatmend und nuanciert. Außerdem vermittelten die Sinfoniker den typisch britischen Humor einiger kurzen Tänze aus den ersten beiden der drei „Façade-Suiten“ des Engländers William Walton, der mit der Argentinierin Susana Gil verheiratet war, sehr verständlich.

Begeisterung kam in der zweiten Konzerthälfte auf, als der sehnsüchtig erwartete Dreivierteltakt intoniert wurde: „Danza delle ore“ aus der Oper „La gioconda“ des italienischen Komponisten und Musikpädagogen Amilcare Ponchielli. Bei ihm gingen berühmte Persönlichkeiten wie Giacomo Puccini und Pietro Mascagni in die Lehre.

Den größten Jubel, bei dem es keinen mehr auf den Stühlen hielt, gab es nach dem offiziellen Teil. Zwei Zugaben - ein Mambo zum Mitsingen und ein Marsch mit Wiener Schmäh - sorgten dafür.

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