Am Sonntag schaut ganz Deutschland nach Wuppertal - und freut sich auf die himmelblauen Wagen.

Am Sonntag schaut ganz Deutschland nach Wuppertal - und freut sich auf die himmelblauen Wagen.
Dieses Bild wird es in Zukunft häufiger in Wuppertal zu sehen geben. Ab Sonntag fährt die neue Generation der Schwebebahn. Archiv

Dieses Bild wird es in Zukunft häufiger in Wuppertal zu sehen geben. Ab Sonntag fährt die neue Generation der Schwebebahn. Archiv

Stefan Fries

Dieses Bild wird es in Zukunft häufiger in Wuppertal zu sehen geben. Ab Sonntag fährt die neue Generation der Schwebebahn. Archiv

Wuppertal. Das Warten hat ein Ende. Mehr als zwei Jahrzehnte Umbau, Abbau und Neubau sind vorbei, wenn am Sonntag gegen 11 Uhr der erste der 31 neuen Wagen die Halle in Vohwinkel verlässt. Zwei Jahrzehnte, in denen ein tragischer Unfall fünf Fahrgäste das Leben kostete,

in denen das Investitionsvolumen von zunächst geplanten 500 Millionen D-Mark auf 654 Millionen Euro gestiegen ist, in denen es Streit gab um das Aussehen neuer und alter Bahnhöfe. Vorbei. Am Sonntag beginnt die nächste Ära der Wuppertaler Schwebebahn. Und nie war sie schneller, schicker, komfortabler.

Entsprechend wollen die Wuppertaler Stadtwerke die Premiere feiern. Aus Düsseldorf kommt NRW-Verkehrsminister Michael Groschek, dass Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) und einige andere Honoratioren der Stadt im ersten Wagen Platz nehmen werden, versteht sich von selbst. Und das Fest am Bahnhof Kluse in Elberfeld ist auch vorbereitet. Jongleure und Musiker ergänzen das Programm, das im Grunde aber nur einen Punkt kennt: die neue Schwebebahn. Fünf Wagen sind am Sonntag  im Einsatz. Sie wechseln sich mit den guten alten orange-blauen Fahrzeugen ab. Noch.

In den nächsten Monaten werden 26 weitere himmelblaue Wagen aus Valencia Wuppertal erreichen. Dort entstanden sie in einem Werk des Düsseldorfer Unternehmens Vossloh Kiepe. „Das waren erstklassige Partner in der ganzen Zeit“, sagt WSW-Chef Andreas Feicht. Die leichten Verzögerungen durch Pannen bei der technischen Dokumentation der Wagen für die Bezirksregierung sind längst vergessen. Die Düsseldorfer hatten ohnehin einen Bonus. Denn: Auch wenn die Schwebebahn weltberühmt und das Wahrzeichen Wuppertals ist, standen die Unternehmen nicht gerade Schlange, eine neue zu bauen. „Stückzahlen von 35 sind eigentlich zu wenig“, erklärt Feicht die Zurückhaltung. Wenn Straßenbahnen, Waggons oder Lokomotiven gebaut werden, stehen ganz andere Mengen in Rede. Dann lohnt sich so ein Auftrag für den Hersteller in jedem Fall.

Das ist sicher auch bei Vossloh Kiepe so. Schließlich kosten die 31 Schwebebahnen insgesamt 122 Millionen Euro. Aber während die Hersteller von normalen Schienenfahrzeugen mit Folgeaufträgen rechnen können, wird Vossloh Kiepe aus Wuppertal mindestens in den nächsten 40 Jahren nichts mehr hören. Und bis dahin ist die Technik eine andre, ist vermutlich anderes Design gefragt und brauchen die Wagen wegen anderer Fahrgastzahlen womöglich auch andere Abmessungen.

Investition in ein Verkehrsmittel mit Vergangenheit und Zukunft

Bis dahin aber fahren auf jeden Fall die Bahnen, denen Andreas Feicht in Design und Technik „Weltklasseniveau“ bescheinigt. Tatsächlich haben die Wagen nur noch auf den ersten Blick etwas mit ihren Vorgängern gemeinsam. Auf den zweiten Blick fallen die größeren Fenster und die Panoramascheibe im Heck auf. Innen dominieren mit verschiedenfarbigen Stoffen überzogene Holzbänke die Optik. Mindestens ebenso revolutionär ist allerdings, was die Fahrgäste nicht sehen: In Böden und Wänden transportieren mehr als 20 Kilometer Kabel Daten und Energie in alle Winkel der Wagen. Im Cockpit sitzt der Fahrer hinter einem Pult, das es ihm ermöglicht, bestimmte Funktionen im Wagen per berührungsempfindlichem Bildschirm auszulösen. Und: Die Schwebebahn ist leiser geworden.

Die Millionen-Investition haben sich Stadtwerke und das Land je zur Hälfte geteilt. Ziel war es aber nicht, ein historisches Fortbewegungsmittel aufzuhübschen. Die Schwebebahn ist ein fortschrittliches Transportmittel mit Vergangenheit. Am Sonntag befördert sie maximal 80 000 Menschen zwischen Oberbarmen und Vohwinkel. „Die Zahl wird steigen“, sagt Andreas Feicht. Damit das geschieht, fährt die Bahn bald alle zwei statt wie heute alle zweieinhalb Minuten. Am Sonntag um 11 Uhr beginnt die Zukunft. 

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer