Für die Bewerbung der Müngstener Brücke als Unesco-Welterbe haben Denkmalpfleger das Archiv der Firma MAN durchforstet - und sind auf eine Sensation gestoßen: einen Beleg für die Legende von der goldenen Niete.

Goldene Niet Müngstener Brücke
Den „Goldenen Niet“ kann man in Müngsten als Souvenir zu kaufen.

Den „Goldenen Niet“ kann man in Müngsten als Souvenir zu kaufen.

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Den „Goldenen Niet“ kann man in Müngsten als Souvenir zu kaufen.

Wuppertal/Solingen. Acht Stunden lang wühlten am gestrigen Dienstag die zwei Denkmalpfleger aus Solingen und Remscheid und Carsten Zimmermann (Bergische Entwicklungsagentur) in verstaubten Kartons und vergilbten Dokumenten – auf der Suche nach historischen Dokumenten, die die Bedeutung der Müngstener Brücke als Weltkulturerbe belegen könnten.

Dabei stießen sie im Archiv der Brückenbaufirma MAN in Augsburg auf schier Unglaubliches: Auf einem zweiseitigen, vermutlich zwischen 50 und 70 Jahre alten handgeschriebenen Papier hat ein Herr Petermann das Interview mit einem damaligen Brückenarbeiter aufgezeichnet. Der zum Zeitpunkt des Interviews 84-jährige MAN-Rentner hat nach eigener Aussage seinerzeit den letzten der 934.456 Nieten eingeschlagen, der den Brückenbau vollendete und aus Gold gefertigt war. Die Legende um den „Goldenen Niet“ erhält dadurch einen historischen Beleg.

Auch sonst war der Besuch der Delegation in Augsburg erfolgreich: Neben vielen Plänen, Fotos, Filmen und Briefen stießen die Bergischen auf den Originalvertrag von 1894, der zwischen MAN und der Eisenbahndirection Elberfeld geschlossen wurde. Damit hofft die Bea, weitere Belege für die Anmeldung der Müngstener Brücke zum Unesco-Welterbe vorlegen zu können. Die Zeit drängt: Bis Oktober muss der Vorschlag für die Welterbe-Liste ans Land gegangen sein.

Was macht die Brücke so besonders?

Nicht nur in Fachkreisen gilt sie auch nach 114 Jahren als bedeutendes Beispiel der Technikgeschichte und ein Abbild des technischen Fortschrittsglaubens der damaligen Zeit. Die aufwendige Sanierung des rostigen Bauwerks, die zu monatelangen Sperrungen führte, macht ihre Zukunft als Eisenbahnbrücke aber unsicher.

Interessanterweise war in einer Abhandlung von 1973 treffsicher vorhergesagt worden, dass die Brücke „noch 25 bis 30 Jahre ihre Aufgabe erfüllen kann“. Dann wären „umfangreiche Erneuerungen notwendig“, die aber durchführbar wären, „ohne den Charakter der Brücke zu verändern“.

Was ist das Unesco-Welterbe?

1975 trat das Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt in Kraft. Die 186 beigetretenen Staaten verpflichten sich zum Schutz und zum Erhalt des auf ihrem Gebiet befindlichen Welterbes. Weltweit sind 936 Denkmäler in 153 Ländern erfasst, 48 in Deutschland.

Welche Chance hat das Projekt?

Es gibt sechs Kriterien, die ein Denkmal erfüllen kann, um in die Liste eingetragen zu werden. Eines muss erfüllt sein, nach Meinung von Experten für Welterbestätten erfüllt die Brücke sogar drei: Sie gilt als Meisterwerk menschlicher Schöpfungskraft, als bedeutender Schnittpunkt menschlicher Werte in Bezug auf Technologie und als bedeutsamer Abschnitt der Menschheitsgeschichte.

Was würde ein Erfolg bedeuten?

Würde die Brücke Weltkulturerbe, gäbe es die Sicherheit, dass die filigrane Stahlkonstruktion nicht durch ein schnödes Betonbauwerk ersetzt wird. Und vor allem, dass sie weiterhin als Eisenbahnbrücke dient, denn der Erhalt der Funktionsfähigkeit ist ein wichtiges Kriterium. Für die Förderung gibt es viel Geld: ein Bundesprogramm mit 220 Millionen Euro steht bereit. sb.

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