Julia Kuntze-Braun aus Wuppertal organisiert die Abläufe bei Olympia in Rio de Janeiro.

Julia Kuntze-Braun aus Wuppertal organisiert die Abläufe bei Olympia in Rio de Janeiro.
Der Barra Blue Beach Point im Süden von Rio de Janeiro wird das Deutsche Haus während der Olympischen Spiele.

Der Barra Blue Beach Point im Süden von Rio de Janeiro wird das Deutsche Haus während der Olympischen Spiele.

Der Barra Blue Beach Point im Süden von Rio de Janeiro wird das Deutsche Haus während der Olympischen Spiele.

dpa/Julia Kuntze-Braun, Bild 1 von 2

Der Barra Blue Beach Point im Süden von Rio de Janeiro wird das Deutsche Haus während der Olympischen Spiele.

Wuppertal. Jubelnde Athleten mit der Goldmedaille um den Hals und einem Blumenstrauß in der Hand, die noch ganz überwältigt von ihrem Triumph in de Kameras winken. Diese Bilder zählen zu den Höhepunkten der Olympischen Spiele. Wenn die Hymne verklungen ist und die Kameras verschwunden sind, machen sich die Sportler auf den Weg ins Deutsche Haus, um ihren Sieg zu feiern.

„Wir begrüßen sie dort auf der Bühne und dann geht es je nach Charakter weiter. Manche möchten den Moment eher still genießen, andere feiern bis tief in die Nacht“, berichtet Julia Kuntze-Braun. Die Wuppertalerin ist zusammen mit zwei Kollegen für die Organisation und den Betrieb des Deutsches Hauses verantwortlich. Gemeinsam koordinieren sie die Dienstleister vom Reinigungspersonal über die Sicherheitsleute bis zum Catering, damit alles möglichst reibungslos ineinander greift.

Sie überwachen die Technik vom W-Lan bis zum Beamer, teilen die Schichten der 45 Freiwilligen ein und kümmern sich um das Wohergehen der Gäste. „Sie sollen sich bei uns wohl fühlen“, betont Julia Kuntze-Braun. Dazu gehört auch, Sonderwünsche zu erfüllen. „In Peking brauchte mal jemand neue Socken, weil seine nass geworden waren.“

Neben den Athleten und ihren Familien, Trainern, Funktionären, Sponsoren und Journalisten, fährt auch die politische Prominenz vor. „In London waren Bundespräsident Joachim Gauck und Innenminister Thomas de Maizière zu Besuch.“ Solche hochrangigen Gäste mit ihrer großen Entourage seien schon etwas besonderes. Mit Ausnahme des Protokolls würden für ihren Empfang jedoch keine außergewöhnlichen Vorkehrungen getroffen. „Wir polieren das Haus ohnehin jeden Tag auf Hochglanz“, sagt Julia Kuntze-Braun lachend.

Die Veranstaltungskauffrau ist eher zufällig zu ihrem olympischen Engagement gekommen. Sie hat ihre Ausbildung bei der Messe Düsseldorf absolviert, die den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) seit den Spielen in Sidney bei der Planung und den täglichen Abläufen im Deutschen Haus unterstützt. „Da ich selbst sportinteressiert bin und früher selbst an Snowboardwettkämpfen teilgenommen habe, hat sich für mich eine optimale Verknüpfung aus Arbeit und persönlichem Interesse ergeben“, berichtet die 39-Jährige.

Olympia ist für sie ein Vollzeitjob, der sie das ganze Jahr beschäftigt. „Die Vorbereitungen für Rio haben bereits vor London 2012 begonnen.“ Am Anfang stehen stets Orientierungsreisen und die Suche nach einer geeigneten Immobilie. „Sie sollte in der Nähe zum Olympischen Dorf liegen und auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sein und genügend Platz für die Gäste bieten.“

Der Beach Club am Strand von Barra erfüllt alle diese Kriterien. „Es werden die ersten Sommerspiele mit Strandcharakter sein. Morgens auf dem Weg zur Arbeit gleich auf das Meer zu schauen, da geht mir das Herz auf“, sagt Julia Kuntze-Braun. Sie hat sich fest vorgenommen, auch mal ins kalte Wasser zu springen. „Das hat so ungefähr Nordseetemperatur, denn in Brasilien ist Winter.“

Die Vorfreude auf Rio mischt sich mit der Anspannung, ob auch alles gelingt. „Die größte Herausforderung ist sicher der Umgang mit dem täglichen Verkehrschaos. Das macht es schwierig, Shuttlefahrten zu berechnen oder die Anlieferungen so zu takten, dass sie nicht fünf Stunden im Stau stehen.“ Dreimal war die Wuppertalerin bereits vor Ort, um Vorbereitungen zu treffen und sich ein Bild von der Lage zu machen. „Manche Schwierigkeiten entstehen auch erst vor Ort, die müssen wir dann spontan lösen.“

Doch gerade die organisatorischen Anforderungen des Großereignisses reizen sie. „Wir haben viel Arbeit, aber es ist auch ein großes Erlebnis. Die Atmosphäre ist für uns inklusive und ich genieße es, dabei zu sein.“ Die Athleten begrüßt sie alle persönlich und zuweilen ergibt sich auch mal ein Gespräch. „Wir gehören auch ein bisschen zur Olympischen Familie und das ist ein schönes Gefühl.“ Nach Autogrammen zu fragen, ist selbstverständlich tabu. „Auf die Idee käme ich auch gar nicht, denn es ist mein Job, ich bin nicht als Fan da und dafür hat auch mein Umfeld Verständnis.“

Dennoch hat sich bisher für sie immer eine Gelegenheit ergeben, sich den einen oder anderen Wettkampf anzusehen. Dabei ist für sie dabei zu sein alles. „Ob ich zum Handball, zum Reiten oder zum Tischtennis gehen, spielt keine große Rolle.“ Ganz besonders faszinieren sie die Leistungen der paralympischen Sportler. „Sie haben mehr Trainingsaufwand, weniger Unterstützung und schaffen es trotzdem. Das ist bewundernswert.“

Julia Kuntze-Braun hat gleich den ganz großen Koffer gepackt, denn sie kehrt erst am 24. September wieder nach Wuppertal zurück. „Zwischen den Olympischen und Paralympischen Spielen bauen wir im Haus ein wenig um, haben aber auch ein paar Tage frei.“ Die möchte sie nutzen, um Brasilien zu entdecken. Zunächst freut sie sich jedoch darauf, dass die ersten Spiele in Südamerika endlich beginnen, den Teamgeist und viele besondere Momente. „Wir sind die ersten, die morgens auf- und die letzten, die abends abschließen. Wann das sein wird, hängt vom Medaillenspiegel ab.

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