10 Uhr: An der Alten Freiheit und auf dem Kirchplatz sammeln sich die Gegendemonstranten. Jetzt wird klar: Die Neonazis müssen sich in Unterbarmen versammeln und dürfen nicht zum Autonomen Zentrum ziehen – der Einspruch der Veranstalter vor dem Bundesverfassungsgericht ist gescheitert. Die Nachricht spricht sich schnell über Twitter, Blogs und Livestreams unter den Gegendemonstranten herum.

10.30 Uhr: Beginn der Kundgebung auf dem Kirchplatz; bis zur Alten Freiheit haben sich 5000 Menschen versammelt. In Unterbarmen wartet ein halbes Dutzend Neonazis.

11 Uhr: Von der Alten Freiheit aus setzen sich gut 1000 Gegendemonstranten Richtung Unterbarmen in Bewegung, um den Bahnhof zu blockieren. An der Kluse stoppt eine Polizeikette den Zug. Als eine Gruppe junger Leute diese durchbrechen will, wird Reizgas eingesetzt. Die Gegendemonstranten ändern die Strategie: In Kleingruppen sollen die Aktivisten nun versuchen, nach Unterbarmen zu umgehen. Dort sammeln sich zur gleichen Zeit Autonome auf einem Bahnsteig.

11.40 Uhr: Die Bundespolizei sperrt in Solingen-Ohligs den Bahnhof, weil gut 100 Gegendemonstranten die Gleise besetzen. Er wird erst gegen 14 Uhr wieder freigegeben. Auch in Unterbarmen sind nahezu gleichzeitig Demonstranten auf den Gleisen, dazu 150 Autonome auf einem Bahnsteig. Auch hier wird der Zugverkehr gestoppt.

13.15 Uhr: Die Polizei beschließt die Räumung des Bahnsteigs. Die Demonstranten leisten Widerstand, es gibt Verletzte und Festnahmen. Gegen 13.40 Uhr rollen die Züge wieder. Auf dem Bahnhofs-Areal warten inzwischen gut 40 Neonazis hinter einer Polizei-Absperrung.

14-20 Uhr: Im Stadtgebiet kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Gruppen von Neonazis und Gegendemonstranten – etwa am Autonomen Zentrum, vor dem Polizeipräsidium, am Engelshaus oder an der Adolfstraße. Die Polizei greift durch, insgesamt werden an diesem Tag 140 Menschen in Gewahrsam und 21 Verdächtige vorläufig festgenommen.

16 Uhr: Nachdem ein Sonderzug mit Neonazis eingetroffen ist, setzen sich knapp 200 rechte Demonstranten in Bewegung. Immer wieder werden die Neonazis und die begleitenden Polizisten mit Eiern, Tomaten, Flaschen oder Steinen beworfen, etwa am Wicküler Park oder am Haspel. Passanten berichten davon, von Neonazis aus dem Demonstrationszug angegriffen worden zu sein.

18 Uhr: Die Neonazi-Kundgebung am Hofkamp ist beendet. Die Polizei mietet Busse der WSW an, um die Neonazis zum Bahnhof Vohwinkel zu bringen – ein Rückmarsch zum Bahnhof Unterbarmen erscheint zu riskant. Wegen Verstoßes gegen Versammlungs-Auflagen wird gegen die Demo-Veranstalter Anzeige erstattet – sie sollen verbotenes Liedgut angestimmt haben.

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