Der Protest gegen den Aufmarsch endete in Gewalt. Der Bahnverkehr in der Region zeitweise lahmgelegt.

Die Blockade des Bahnhofs Unterbarmen durch autonome Demonstranten stoppte den Zugverkehr – bis die Polizei die Gleise räumte.
Die Blockade des Bahnhofs Unterbarmen durch autonome Demonstranten stoppte den Zugverkehr – bis die Polizei die Gleise räumte.

Die Blockade des Bahnhofs Unterbarmen durch autonome Demonstranten stoppte den Zugverkehr – bis die Polizei die Gleise räumte.

Andreas Fischer

Die Blockade des Bahnhofs Unterbarmen durch autonome Demonstranten stoppte den Zugverkehr – bis die Polizei die Gleise räumte.

Wuppertal. 14 verletzte Polizisten und etwa 40 verletzte Demonstranten, mehr als 20 Festnahmen, dazu ein Verkehrschaos in der Region – das ist die Bilanz der Neonazi-Demonstration vom Samstag in Wuppertal.

5.000 Gegendemonstranten waren nach Veranstalter-Angaben zusammengekommen, um ein Zeichen zu setzen gegen den Aufmarsch von etwa 200 Neonazis. Nach friedlichem Beginn eskalierte der Protest – bis zum Abend war Wuppertals Innenstadt geprägt von gewälttätigen Zusammenstößen zwischen Links- und Rechtsextremen sowie autonomen Demonstranten und der Polizei.

„Das war ein Tag im Ausnahmezustand.“

Alexander Kresta, Polizeisprecher

Die Neonazi-Gegner, die in Wuppertal von einem Bündnis aus Kirchen, Gewerkschaften, Vereinen und Parteien getragen wurden, hatten am Vormittag zunächst mit einer friedlichen Großkundgebung auf dem Elberfelder Kirchplatz für beeindruckende Bilder gesorgt. Der Hauptredner, NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD), betonte deshalb: „Wuppertal kann stolz sein auf dieses kraftvolle Zeichen gegen Rechts.“

Gegendemonstranten besetzen Gleise und Bahnsteige

Schneiders Aufforderung, den Neonazis nicht die Straße zu überlassen, nahmen einige Gegendemonstranten allerdings zu wörtlich: Insgesamt mehr als 1.000 Demonstranten versuchten, an den massiven Polizei-Absperrungen vorbei, die sich am S-Bahnhof Unterbarmen sammelnde Neonazi-Demo zu blockieren. Über Stunden lieferten sich die über das Internet bestens vernetzten Aktivisten ein Katz- und Maus-Spiel mit der Polizei – einschließlich wiederkehrender Handgreiflichkeiten.

Größere Gruppen von Gegendemonstranten sorgten derweil für stundenlange Störungen im Bahnverkehr der Region, indem sie an den Bahnhöfen Unterbarmen und Solingen-Ohligs Gleise und Bahnsteige besetzten – um so die Anreise von Neonazi-Demonstranten aus anderen Städten zu verhindern. Der Fernverkehr musste solange über Düsseldorf umgeleitet werden.

Auch als der Neonazi-Zug sich mit vierstündiger Verspätung in Bewegung setzte, kam es immer wieder zu Flaschen- und Steinwürfen von Gegendemonstranten. Die Polizei entschied daher nach dem Ende der Neonazi-Kundgebung, deren Teilnehmer mit Bussen abzutransportieren, um weitere Zusammenstöße zu vermeiden. Erst nach 20 Uhr kehrte in Wuppertal wieder Normalität ein. Polizeisprecher Alexander Kresta: „Das war ein Tag im Ausnahmezustand.“