Solingen. Entscheidungen zugunsten von Eigentümern ungenehmigter Bauten wie im Fall des Solinger Oberbürgermeisters Haug gebe es "zweimal die Woche", betont Baudezernent Hartmut Hoferichter. Bei Haugs Wintergarten existierten gute Gründe für die Duldung durch die Bauaufsicht. Die Abweichungen bei den Maßen (siehe oben) bewegten sich in einer "untergeordneten Größenordnung". Sie verursachten keinerlei Gefahren.

Das Bauwerk sei schon mehr als 20 Jahre alt, und es habe nie Beschwerden von den Nachbarn gegeben. Deren Abwehrrecht sei damit erloschen. Der Wintergarten schränke die Bebaubarkeit des Nachbargrundstücks nicht ein. Hoferichter sagt, dass auch im Verwaltungsgerichtsverfahren, das Haugs in anderer Sache gegen den Nachbarn führten, das Gericht die Problematik nicht thematisiert habe.

Ermessensentscheidungen wie im Fall Haug sind üblich, wie dem ST mehrere Experten bestätigten. Sie bewegen sich aber in einer rechtlichen Grauzone. Baurechtsexperte Dr. Hendrik Schilder von der renommierten Anwaltskanzlei Kapellmann und Partner aus Düsseldorf: "Wenn eindeutig ein Schwarzbau vorliegt, müssen schon besondere Umstände gegeben sein, die für eine dauerhafte Duldung sprechen."

 

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