Jürgen Scheugenpflug ist Wuppertaler Kabarettist und Leiter der Kabarett-Academy. In seinem satirischen Wochen-Rückblick kommentiert er Ereignisse aus dem Stadtleben.

Zum Jahreswechsel haben sich viele vorgenommen, im neuen Jahr alles besser zu machen. Weniger Stress, dafür mehr Zeit für die Familie. Gesünder essen und mehr Sport. Die völlig verarmte Stadt hat sich vorgenommen, mehr zu sparen, dafür weniger auszugeben. Und einige Bürger haben sich verordnet, weniger zu schweigen, dafür mehr zu demonstrieren.

Besonders die Wuppertaler Bühnen-Mitarbeiter machen mächtig Theater und demonstrierten vor dem jüngst restaurierten Opernhaus. Und weil sie keine Plakate an die Wände nageln dürfen, spielen sie selber die Wand. "Theater macht reich", pinselten sie kunstvoll in rosa auf gelben Grund. Und das nicht etwa ohne Grund, denn Kultur bildet. Und Bildung kann bekanntlich nicht schaden.

Vielleicht ein gutes Beispiel für die Bewegung "Wuppertal wehrt sich", für die es jetzt endlich darauf ankommt, noch entschlossener Farbe zu bekennen. Denn sonst gehen die Proteste gegen die sozialen Einschnitte im Tal aus wie das Hornberger Schießen.

Viele Menschen ertränkten am Silvesterabend um Null Uhr die letzte Kippe im Schampus. Jahrelang gedemütigt durch die vielen Nichtraucher entscheiden sich immer mehr wackere Steuerzahler, dem Nikotin zu entsagen. Die unabwendbaren Folgen sind wirtschaftliche, demoskopische und ökologische Probleme. Denn nicht Raucher, sonder die Nichtraucher gefährden das Gesundheitssystem.

Während die tapferen Qualmer die Lebensjahre zwischen 65 und 90 kaum mehr abrufen und somit das soziale Gleichgewicht halten, bevölkern die übergewichtigen Nichtraucher Krankenhäuser und Altenheime. So wird wohl bald ein neues Gesetz dem untertänigen Bürger vorschreiben, dass nicht nur Raucher draußen süchteln, sondern Dicke auch draußen essen müssen. Das größte Problem beim Verzicht auf die geliebten Glimmstängel ist die unvermeidliche Gewichtszunahme. Schon bald stöhnt und ächzt die Waage.

Leider können die meisten ohne Lesebrille nur die großen Zahlen erkennen und werden deshalb erst beim nächsten vollen Zehner stutzig. Dann allerdings wird es höchste Zeit, denn man geht nicht etwa auf wie ein Puffertskuchen, sondern eher wie Popcorn. Und zack, ist sie da, die Plautze, die schnellstens wieder weg muss. Hilfreich sind da nächtliche Dauerwerbesendungen, deren Angebote an Fitnessgeräten für Turbo-Fettverbrennung phänomenal sind. So stehen neuerdings platzsparende Multi-Kraftstationen für exzellente Workouts in deutschen Schlafzimmern, die den Betreibern eine Baywatch-Figur versprechen. Zog man noch kürzlich an der Zichte, zieht man jetzt seidenweich Gewichte.

Die durch das Nichtrauchen gewonnene Tages- und Lebenszeit verbringt der geneigte Wuppertaler gewöhnlich im Stau - entweder in der Elberfelder Umweltzone oder auf der davon ausgeschlossenen A 46. Zwar Rauch-, aber nicht frei von Abgasen bleibt ihm genug Zeit darüber nachzudenken, welche überzeugende Alternativen es zu den Sparvorschlägen der Wuppertaler Koalition geben könnte. Wir alle hoffen inständig, dass auch die politisch Verantwortlichen sich einiges für das neue Jahr vorgenommen haben. Ehrenwort.

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