Er gilt als Deutschlands erfolgreichster Steuerfahnder. Dass dem Staat zusätzliche milliardenschwere Steuereinnahmen zufließen, liegt auch an Peter Beckhoff. Jetzt lässt der NRW-Finanzminister den hartnäckigen Schwarzgeld-Jäger ziehen.

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Fredrik von Erichsen

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Wuppertal. Er ist Deutschlands bekanntester Steuerfahnder - und doch ein Mann ohne Gesicht. Schon einiges ist geschrieben worden über Peter Beckhoff. Auch Geheimnisumwittertes und Legendenhaftes. Denn Interviews gibt Beckhoff nicht. Fotos von ihm existieren nicht. Um ihn zu schützen. Denn der Leiter des Finanzamts für Steuerstrafsachen und Steuerfahndung in Wuppertal legt sich mit Betrügern an, auch mit Banken und Prominenten. Im Auftrag des Staates. Als ausführende Hand des nordrhein-westfälischen Finanzministers Norbert Walter-Borjans (SPD), unter dem NRW zum Vorreiter im Kampf gegen Steuerhinterziehung geworden ist. Nun gibt der Minister bekannt: Im Juni ist Schluss für Beckhoff.

Nach mehrfacher Verlängerung lässt der Minister seinen wichtigen Mann gehen, er ist schon drei Jahre über der Pensionsgrenze. Beckhoff hat immer wieder Ankäufe von Steuer-CDs mit Daten von Hinterziehern angeschoben. Das hat ein Flut von Selbstanzeigen ausgelöst. Bundesweit nahm der Fiskus seit 2010 sechs bis sieben Milliarden Euro zusätzliche Steuern ein. Auf NRW entfielen davon laut Düsseldorfer Finanzministerium 2,3 Milliarden Euro. Beckhoff soll auch selbst den ein oder anderen Geldkoffer an die Verkäufer der Datenträger übergeben haben. Kritiker warfen ihm Hehlerei oder gar Anstiftung zu Straftaten vor. Unberechtigt, meint der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuer-Gewerkschaft (DSTG), Thomas Eigenthaler.

Es gebe keinerlei Hinweise dafür, dass Beckhoff jemals jemanden dazu angestiftet habe, Daten von Steuerbetrügern zu sammeln und anzubieten, betont Eigenthaler. „Peter Beckhoff hat sich auf ein schwieriges Feld begeben, solche CDs gibt es ja nicht im Kaufhaus. Da ist sensibles und diskretes Vorgehen gefragt.“ Der Behördenleiter habe die Verantwortung in heiklen Fällen selbst getragen „und nicht andere ins Feuer geschickt“. Der DSTG-Chef fasst am Mittwoch, als das Ausscheiden des Schwarzgeld-Jägers bekannt wird, so zusammen: „Hartnäckig, unerschrocken. Haftbefehle haben ihn nicht geschreckt.“

Haftbefehle? Tatsächlich hatte die Schweizer Justiz 2012 gegen Beckhoff und zwei Mitarbeiter Haftbefehl erlassen. Der Vorwurf: Verletzung des Bankgeheimnisses. Die Schweiz hatte die Haftbefehle auch an Deutschland überstellt. „Das ist im Niemandsland versandet. Wenn Deutschland den Haftbefehl beachtet hätte, wäre das ja absurd gewesen, denn Beckhoff ist in staatlichem Auftrag tätig“, sagt Eigenthaler. Für das NRW-Finanzministerium habe Beckhoff über viele Jahre hinweg angebotene Datenträger auf „Werthaltigkeit“ geprüft. Sei diese in Wuppertal gesehen worden, habe Walter-Borjans über einen Ankauf entschieden. Für den Fiskus sei das ein „supergutes Geschäft“.

Ob es um das Verstecken von Schwarzgeldern im großen Stil in Panama ging oder um die Verfehlungen „einfacher“ oder auch prominenter Steuertrickser - das Beckhoff-Team hatte fast immer die Finger im Spiel. Das „Handelsblatt“ hat Beckhoff einst als „Tafelritter der deutschen Steuerfahndung“ beschrieben. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ nannte ihn einen Jäger, der die Banken als erster „das Fürchten gelehrt“ habe. Und im „Spiegel“ ist über den Chef der „geheimen Eichkater“ zu lesen - das „Sammeln und Knacken harter Nüsse“ sei Leidenschaft seines Teams.

Auch wenn der Behördenchef im Sommer - nach 38 Jahren in der Finanzverwaltung und gut 14 Jahren als Leiter des Finanzamts für Steuerfahndung - geht, können Steuerflüchtige sich nicht entspannt zurücklehnen, warnt der NRW-Finanzminister. Nordrhein-Westfalen will „Hotspot im Kampf gegen Steuerbetrug“ bleiben. Dazu werde die künftige kommissarische Leiterin der Wuppertaler Behörde - Beckhoffs derzeitige Stellvertreterin Sandra Höfer-Grosjean - beitragen.

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