Vieles spricht dafür, dass Helge Lindh für die SPD in den Bundestag einzieht. Aber sein Vorsprung könnte sich auf der Zielgeraden als trügerisch erweisen.

Stimmzettel für die Bundestagswahl. Foto: Sebastian Kahnert
Stimmzettel für die Bundestagswahl. Foto: Sebastian Kahnert

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Joachim Orth ist der Kandidat der Freien Wähler.

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Stimmzettel für die Bundestagswahl. Foto: Sebastian Kahnert

Wuppertal. Die Vergangenheit des Wahlkreises Wuppertal I kann leicht den Eindruck von politischer Berechenbarkeit erwecken. Mit anderen Worten: Die SPD kann ein rotes Stofftier zum Kandidaten machen, es kommt in den Bundestag. Seit fast 60 Jahren ist der direkt gewählte Mandatsträger dieses Wahlkreises ein Sozialdemokrat. Willfried Penner vertrat ihn über Jahre, ihm folgte Manfred Zöllmer, der nun nicht mehr antritt. Und wenn alles läuft wie immer, dann ist Helge Lindh der Nächste in der Reihe der Sozialdemokraten, den Wuppertal nach Berlin entsendet.

Die Geschichte ist bemerkenswert, weil sie sich bisher stets wiederholte. Selbst Peter Hintze, der einstige Generalsekretär der CDU und Bundestagsvizepräsident, konnte diese Regel nicht außer Kraft setzen. Vor vier Jahren trennten ihn vier Prozentpunkte von seinem Widersacher Zöllmer. Also spricht alles für Lindh. Oder nicht?

Der Wahlkreis Wuppertal I zählt diesmal etwa 214 000 Stimmberechtigte. Vor vier Jahren lag die Beteiligung bei 68,5 Prozent, Manfred Zöllmer vereinigte davon knapp 60 000 Stimmen auf sich. Hinter Peter Hintzes Namen machten knapp 54 000 Wähler ihr Kreuzchen. 6000 Stimmen Unterschied sind nicht sehr viel. Wenn SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz recht hat, könnten sie sogar äußerst wenig sein.

Der Herausforderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in den vergangenen Wochen überhaupt nicht den Eindruck gemacht, sich von Umfragewerten ins Bockshorn jagen zu lassen. Die Demoskopen sehen Merkel und die Union zwar Welten von der SPD entfernt, aber Schulz wird nicht müde, darauf zu verweisen, dass fast jeder Zweite noch nicht entschieden hat, wem er am Sonntag, 24. September, in der Wahlkabine sein Vertrauen schenkt.

Gleichzeitig zieht Lindhs Mitbewerber von der CDU, Rainer Spiecker, mit den Umfrageergebnissen weniger bekannter Institute durch die Lande. Diese Umfragen besagen, dass beide Kandidaten weitgehend gleichauf liegen, mit leichten Vorteilen für Helge Lindh.

Angesichts der mindestens rechts-populistischen AfD und der vermutlich hohen Zahl Unentschlossener scheint der Wettbewerb im Wahlkreis Wuppertal I noch längst nicht entschieden zu sein. Wenn die Mobilisierung der AfD dazu führt, dass mehr demokratisch gesinnte Bürger entgegen ihrer bisherigen Pläne ihre Stimme abgeben, kann das einerseits dazu führen, dass die Populisten nicht im zweistelligen Prozentbereich landen. Die dann höhere Wahlbeteiligung käme vermutlich in erster Linie den großen etablierten Parteien zugute, also der CDU und der SPD.

In diesem Zusammenhang kann der Blick auf das Zweitstimmenergebnis der Bundestagswahl 2013 im Wahlkreis Wuppertal I ein Fingerzeig sein. Hier lag nämlich die CDU knapp vor der SPD. Und da sowohl Lindh als auch Spiecker bundespolitisch unbeschriebene Blätter sind, besteht die Möglichkeit, dass weniger Wähler ihre Stimmen aufteilen, als sie das noch bei der Wahl zwischen Zöllmer und Hintze getan haben. Damals schienen viele den SPD-Kandidaten aber als Partei die CDU gewählt zu haben. Dennoch wäre alles andere als ein Erfolg von Helge Lindh morgen in einer Woche eine faustdicke Überraschung.

Im Wahlkreis Wuppertal II scheint das Ergebnis schon festzustehen

Verhältnismäßig klar sind hingegen die Voraussetzungen im Wahlkreis Wuppertal II mit Solingen und Remscheid. Hier geben auch die Cronenberger und Ronsdorfer ihre Stimmen ab. Vor vier Jahren wurde Jürgen Hardt von der CDU direkt in den Bundestag gewählt. Er lag gut 17 000 Stimmen vor seinem Herausforderer von der SPD. Anders als im Wahlkreis Wuppertal I lag im Wahlkreis II auch die Partei des Direktgewählten vorn. Die CDU landete mit 39 Prozent fast sechs Prozentpunkte vor der SPD. Damit scheint für den nächsten Urnengang alles entschieden zu sein, auch wenn die Wahlbeteiligung gegenüber 2013 noch einmal steigen sollte. Vor vier Jahren lag sie bundesweit bei 71, 5 Prozent.

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