Mit ihrem Wunsch nach einer Selbstverpflichtung der Parteien holten sich die Grünen eine Abfuhr.

Antrag
Renate Warnecke (SPD)...

Renate Warnecke (SPD)...

Eva Schröder (FDP)...

...und Gerta Siller (Grüne, von links) sind uneins über die Frauenförderung in Wuppertal.

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Renate Warnecke (SPD)...

Wuppertal. Mehr Frauen in die politisch besetzten Gremien? Nein, mit diesem Antrag der Grünen mochte sich der Rat nicht beschäftigen. Auch ein Gremienbericht, der darlegt, wie unterrepräsentiert die Frauen in einigen städtischen Belangen sind, wurde im Vorfeld schlicht ignoriert.

Dabei nimmt Wuppertal unter den zehn größten NRW-Städten mit seinem Frauenanteil in den Gremien einen unterdurchschnittlichen Rang ein. Von 70 Rats-Mitgliedern sind 24 Frauen. Gar nichts so schlimm findet das FDP-Ratsfrau Eva Schroeder: „Ich habe ein Problem mit solchen Vorschlägen“, sagt sie. „Frauen haben heute doch alle Chancen. Die Türen stehen offen.“ Vor 50 Jahren hätte sie anders auf solch ein Anliegen reagiert. Heute jedoch ginge es um die Qualifikation. Und sitze eine Frau nach Einführung neuer Regeln in einem Gremium, müsse sie sich doch immer fragen, ob sie diese Position wegen ihrer Qualifikation oder wegen der Quote innehabe.

„Mit Freiwilligkeit funktioniert das einfach nicht.“

Gerta Siller, Grüne

SPD-Ratsfrau Renate Warnecke hat sogar Zweifel daran, ob der Rat überhaupt zuständig ist und ob er nicht Gefahr liefe, seine Kompetenzen zu überschreiten. „Wer soll das denn entscheiden“, fragt sie. „Vielleicht der Oberbürgermeister?“ Welche Frauen was machten, sei nun einmal vor allem Angelegenheit der Fraktionen. „Das lassen wir uns auch nicht nehmen.“ Und mit genau dieser Regelung „sind wir gut gefahren“. Übrigens auch wegen ständiger Bemühungen, mehr Frauen für die politische Arbeit zu gewinnen.

Eine Besonderheit sei es gerade in der SPD mit relativ hohem Frauenanteil nicht, wenn Frauen Verantwortung übernehmen. „Ich wüsste nicht, dass mir mal eine Hürde in den Weg gestellt worden wäre.“ Grünen-Ratsfrau Gerta Siller zufolge geht es gar nicht darum, den Rat bestimmen zu lassen, sondern um eine Selbstverpflichtung der Parteien und Fraktionen. „Und mit Freiwilligkeit funktioniert das einfach nicht“, sagt sie – mit Verweis auf die Wirtschaft. Natürlich gehe es um die Qualität. „Aber über die Qualität mancher Männer in den Gremien möchte ich hier nicht streiten.“ Außerdem bekenne sich der Rat pausenlos zu irgendetwas. „Warum denn nicht zu einem höheren Frauenanteil?“

Nach WZ-Informationen geht es zudem hinter den Kulissen um die Aufwandsentschädigungen in Beiräten oder Aufsichtsräten. Eine Erkenntnis: Der Frauenanteil ist dort besonders gering, wo die Aufwandsentschädigung besonders hoch ist.

In den Ratsausschüssen sind im Durchschnitt 32 Prozent Frauen vertreten. Im Stadtentwicklungsausschuss gibt es laut Bericht der Stadtverwaltung sogar nur eine Frau unter den 16  stimmberechtigten Mitgliedern.
 

Vergleichsweise hohe Frauenanteile gibt es in den Bereichen Kultur, Bildung und Soziales. Stark männerlastig sind Ausschüsse mit technischem, wirtschaftlichem und finanziellem Arbeitsgebiet. Der Ausschussvorsitz geht elfmal an Männer, viermal an Frauen. Ähnliches gilt für den stellvertretenden Vorsitz.
 

In den Bezirksvertretungen liegt der durchschnittliche Frauenanteil bei den Mitgliedern noch unter dem Anteil im Stadtrat. Zwischen den Bezirken gibt es größere Unterschiede. Uellendahl-Katernberg und Elberfeld-West heben sich mit rund 40 Prozent deutlich nach oben ab, während Langerfeld-Beyenburg mit nur 13 Prozent das Schlusslicht bildet.
 

Was die Mitglieder bei den Betriebsausschüssen, Aufsichts-, Verwaltungs-, Verbands- und Beiräten der wichtigsten Unternehmen und Körperschaften angeht: Von den 151 entsandten Personen sind 118 Männer und 33 Frauen. Nur in vier dieser Gremien besteht so etwas wie Geschlechterparität: Das ist der Fall bei GWG, Stadthalle, Tanztheater Pina Bausch und Rat des Wupperverbandes. In fünf Aufsichtsgremien sitzt keine, in sieben nur eine Frau.
 

 

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