Porträt: Hans-Jürgen Frick hat als Leiter des Steueramts Wuppertal fünf Milliarden Euro eingebracht. Nun geht er in Pension.

Wuppertal. Beginnen wir mit den Zahlen - das wäre Hans-Jürgen Frick sicher recht. Diese sagen über den Vohwinkeler: 63 Lebens-, 47 Dienstjahre. Von letzteren 13 Leiter des Steueramtes. Als solcher Verantwortlicher über 200000 Abgabenbescheide im Jahr - und so von Amts wegen der Mensch, der der Stadtkasse im Jahr gut 400Millionen Euro Steuern, Gebühren und Beiträge eintreibt. Auf seine 13 Jahre als Amtsleiter gebracht, heißt das: Hans-Jürgen Frick hat Wuppertal in dieser Zeit fünf Milliarden Euro eingebracht. Ein deutscher Durchschnittsverdiener müsste dafür gut 167000 Jahre arbeiten. "Wir sind der Teil der Verwaltung, der das Geld reinbringt", sagt Frick stolz, "nicht der, der es ausgibt." Nun geht Frick in den Ruhestand - und die Stadt, der er so viel Geld gebracht hat, ist bodenlos pleite. Zeit für ein Gespräch über Wuppertal und Geld - nicht wahr, Herr Frick?

Zum Treffen im Pressehaus erscheint der 63-jährige zögerlich, aber perfekt vorbereitet. Aus einer Ledermappe nimmt er einen Stapel Unterlagen, sortiert in Klarsichthüllen. Sofort reicht er einen tabellarischen Lebenslauf über den Tisch. "Wir" - die Verwaltung - "machen unsere Arbeit am besten, wenn Sie keinen Anlass haben, darüber zu berichten." Korrekt, ordnungsgemäß, zeitnah und ruhig: das ist Fricks Idee vom Apparat der Stadt. In der Presse zu erscheinen, passt da nicht ins Bild.

Und Wuppertals Misere, Herr Frick? Haben etwa die Kollegen in der Verwaltung, die für das Geldausgeben zuständig sind, ihren Job übertrieben? Hier schüttelt der Mann, der im Gespräch gern und viel lacht, ernst den Kopf. "Die Ursache der Krise liegt darin, das Bund und Land den Städten zuviel aufladen - das wird von Jahr zu Jahr schlimmer."

Angesichts dessen wurmt es Frick, wie er und seine Kollegen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Die Buhmänner. Die "Wegelagerer", die "Räuber", wie sie immer wieder in Beschwerdebriefen erboster Steuerzahler bezeichnet wurden. Falsches Bild, meint Frick: "In der Verwaltung sitzen überwiegend Leute, die jeden Tag ihr bestes geben - dabei werden die Aufgaben immer umfangreicher." Er spricht von seinen Anfängen im Steueramt: "Wo heute 35 Menschen arbeiten, waren es mal 70", bei gleichem Aufgaben-Umfang.

"Ja - weil ich dafür eine Leistung bekomme."

Hans-Jürgen Frick auf die Frage, ob er gern seine Gebühren zahlt.

Die Anfänge, das war der 1.April 1963, als der gerade 15-Jährige in den städtischen Dienst trat. In der Schule waren es nicht Mathe oder Naturwissenschaften, sondern Sprachen, die es dem Vohwinkeler angetan hatten. Zudem interessierte er sich für Kunst und Architektur. Diese Leidenschaft brachte ihn in die Verwaltung: "Ich hoffte auf eine Stelle beim Kulturamt, die waren damals für die Museen zuständig." Er entschied sich gegen ein Angebot der Firma Glanzstoff - "meine Schulfreunde haben mich für verrückt erklärt, bei der Stadt verdiente man ja nichts." Während der Ausbildung überzeugte er mit guten Noten bei Steuer-Themen - und blieb bei der Eintreiber-Bürokratie.

Und er selbst? Zahlt der Bürger Hans-Jürgen Frick seine Steuern und Gebühren ohne Murren? "Ja", versichert er, "weil ich dafür eine Leistung bekomme". Denn teuer sei die Stadt Wuppertal nicht: Abfallgebühren, Hundesteuer, Grundsteuer - alles günstig im Vergleich zum Umland, bis auf Regen- und Schmutzwasser. "Aber bei Wuppertals Topographie brauchen wir eben ein außergewöhnliches Kanalnetz." Und dann zieht er wieder aus seinem Stapel ein Blatt mit Statistiken zur Arbeit seines Amtes. Von 23 Klagen gegen Steuer- und Abgaben-Bescheide ist dort die Rede - 23 von 200000. Alles andere ließe sich gütlich klären. "Wir", sagt er für sich und seine ehemaligen Kollegen, "sehen hinter jeder Akte auch den Menschen."

Das "Wir" benutzt der Nun-Ruheständler Hans-Jürgen Frick immer noch, wenn er über die Verwaltung spricht - dem Laufbahn-Ende zum Trotz. Sein Berufsleben endet am 30.April, derzeit baut er Resturlaub ab. Daher lehnt er es auch ab, eine letzte Frage zu beantworten. Nämlich die, ob ein Beamter auf der Einnahmen-Seite nicht manchmal eine Riesenwut auf Wuppertals Politiker hat und die Leichtfertigkeit, wie die mit Steuergeld umgehen. Das ist wieder einer der Momente, in denen Fricks Lächen nachhaltig erstirbt. "Verzeihen Sie, das kann ich nicht sagen." Nicht im Dienst, und auch nicht danach. Beamter ist man. Auf Lebenszeit.

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