Schwerer hätte die Hypothek, mit der die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) ins neue Jahrtausend startete, kaum wiegen können: In den Skandaljahren wurden Teile des Unternehmens ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Dem folgte eine zum Teil zermürbende juristische Aufarbeitung, die ebenso wenig das Image der GWG förderte wie ihr in die Jahre gekommener Wohnungsbestand.

Dass tausende GWG-Wohnungen verkauft wurden, ist eine Konsequenz aus dieser Gemengelage. Auch wenn für das Unternehmen das unselige Kapitel abgehakt ist: Die Skandaljahre haben manche Wuppertaler vor Augen, sobald es ums Thema GWG geht - auch wenn der Schlussstrich längst gezogen wurde.

Der Verkauf von Wohnungen ist angesichts eines stattlichen Sanierungsstaus wirtschaftlich gesehen nur konsequent - und kommt jenen Mietern zugute, deren Häuser mit den Verkaufsmillionen endlich saniert werden. Das allerdings darf nicht auf Kosten jener Mieter gehen, die zum Teil seit Jahrzehnten in den jetzt verkauften Häusern wohnen und offenbar erhebliche Probleme mit neuen Besitzern haben. Ihnen kann man nur raten, bei Mietervereinen Hilfe zu holen und sich über ihre nicht gerade wenigen Rechte zu informieren.

Natürlich kann die GWG nach einem Verkauf nicht für das Verhalten mancher Neubesitzer zur Verantwortung gezogen werden. Ihr ist es aber sehr wohl möglich, sich die Käufer ihrer Häuser vorab genau anzusehen und sie auch am Umgang mit alten/neuen Mietern zu messen.

Ausgerechnet jetzt wieder einen Gesamtverkauf der GWG ins Feld zu führen, wäre allerdings Wahlkampfgetöse, das gerade bei diesem Problem keiner Seite nutzt.

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