WZ-Kolumnist Uwe Becker über ausgefallene Buggys und Co.

WZ-Kolumnist Uwe Becker über ausgefallene Buggys und Co.
Uwe Becker, 1954 in Wuppertal geboren, ist Chefredakteur des Wuppertaler Satiremagazins Italien und Mitarbeiter des Frankfurter Satiremagazins Titanic. Jeden Mittwoch schreibt er in der WZ über sein Wuppertal.

Uwe Becker, 1954 in Wuppertal geboren, ist Chefredakteur des Wuppertaler Satiremagazins Italien und Mitarbeiter des Frankfurter Satiremagazins Titanic. Jeden Mittwoch schreibt er in der WZ über sein Wuppertal.

Joachim Schmitz

Uwe Becker, 1954 in Wuppertal geboren, ist Chefredakteur des Wuppertaler Satiremagazins Italien und Mitarbeiter des Frankfurter Satiremagazins Titanic. Jeden Mittwoch schreibt er in der WZ über sein Wuppertal.

Bis zu meinem 45. Lebensjahr schob ich nur Einkaufswagen durch Super- oder Baumärkte. Das änderte sich, als mein Sohn geboren wurde. Sein Kinderwagen war ein Spitzenmodell: Leise, niedrig im Verbrauch, Scheibenbremsen, verchromte Stoßdämpfer, und direkt unterhalb des Schiebegriffs war ein großzügiges Einkaufsnetz angebracht. Zum Spaß brachte ich noch eine kleine Hupe an, um in den schmalen Aldi-Gängen andere Einkäufer auf meinen bevorstehenden Überholvorgang aufmerksam zu machen. Als mein Sohn etwas größer war, konnte ich ihm auch schon mal einen Sack Kartoffeln in die kleinen Hände legen, wenn das Einkaufsnetz voll war.

Begrabt mein Herz

in Wuppertal

Samstags wurde der Kinderwagen im Hinterhof gewaschen, der Innenraum wurde gesaugt und anschließend alle verchromten Teile blank poliert. Dazu hörte ich aus meinem Transistorradio „Sport und Musik“ auf WDR 2. Ich benötigte für meine sorgfältige Reinigung in der Regel mehr Zeit als mein Nachbar für seinen fetten, gelben BMW. Um die Manövrierbarkeit zu gewährleisten und die extreme Wendigkeit der 360 -Räder zu erhalten, nahm ich den Buggy oft komplett auseinander und pflegte alle Einzelteile akribisch mit Maschinenöl. Wenn ich dann alle vier Wochen zusätzlich die schwarzen Hartgummireifen lackierte, sah der Kinderwagen danach wieder wie neu aus. Leider wurde dieser Wagen irgendwann aus dem Treppenhaus gestohlen. Mit meinem Sohn im Wickeltuch marschierte ich dann zum Baby-Fachgeschäft von Carl d’Avoine an der Neumarktstraße und kaufte ein noch besseres Modell. Sündhaft teuer, aber mit allem Pipapo. Ein limitiertes Sondermodell der neuesten Generation. Nach längerer Fachberatung entschied ich mich für den Testsieger der Stiftung Warentest (Note 1,9), mit siebenfach verstellbaren ECO-Leder-Schiebegriff, Wippfunktion, Sicherheitsgurtsystem, einem Klickmechanismus zum Arretieren der Vorderreifen mit Antischocksystem, einer zweifach verstellbaren Hinterreifen-Federung und einer zentralen Fußbremse. Mit anderen Worten: Ich hatte einen Mercedes gekauft.

Als ich meinen Sohn zur ersten Fahrt in den Wagen legte, strahlte er über alle vier Backen. Nach der ersten Probefahrt waren wir beide restlos begeistert. Weil der Wagen im Preis sehr hoch war, konnten wir uns in den nächsten Wochen den teuren Rahmspinat von Iglo erstmal nicht mehr leisten und griffen auf Sonderangebote ähnlicher Produkte zurück. Beim ersten längeren Ausflug in der Einkaufszone bemerkten wir, dass der neue Kinderwagen wendiger und schneller war. Und er sah verdammt gut aus. Junge Mütter blickten neidisch auf unsere neue Errungenschaft, wenn wir mit hohem Tempo mühelos an ihnen und ihren alten Rappelkisten vorbei zogen. Einmal sah ich auf der Poststraße eine junge Frau, die ein fast baugleiches Modell hatte. Ich erhöhte die Geschwindigkeit und fuhr dicht auf. Im Windschatten konnte ich Kräfte sparen, bis ich kurz vorm Uhrenhaus Abeler blitzschnell links ausscherte und zum riskanten Überholmanöver ansetzte.

Als wir auf gleicher Höhe waren, blickte ich kurz in ihren Kinderwagen und mir fiel auf, dass ihr Sohn Michael Schumacher wie aus dem Gesicht geschnitten war. Nach kurzer Irritation zog ich dann aber locker an der jungen Mutter vorbei und erreichte am Ende gut zehn Sekunden vor ihr die Confiserie Hussel.

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