Dr. Jörg Mittelsten Scheid hat die Erfolgsgeschichte der Vorwerk & Co. KG geschrieben. Er ist Mäzen und Unterstützer der Pläne für das Pina-Bausch-Zentrum.

Interview
Jörg Mittelsten Scheid leitete mehr als 35 Jahre lang den Staubsauger-Hersteller Vorwerk und baute dabei das mittelständische Unternehmen zu einer weltweit tätigen Dienstleistungs- und Handelsgruppe um. Archiv

Jörg Mittelsten Scheid leitete mehr als 35 Jahre lang den Staubsauger-Hersteller Vorwerk und baute dabei das mittelständische Unternehmen zu einer weltweit tätigen Dienstleistungs- und Handelsgruppe um. Archiv

Anna Schwartz

Jörg Mittelsten Scheid leitete mehr als 35 Jahre lang den Staubsauger-Hersteller Vorwerk und baute dabei das mittelständische Unternehmen zu einer weltweit tätigen Dienstleistungs- und Handelsgruppe um. Archiv

Jörg Mittelsten Scheid (81) ist das Paradebeispiel für einen Weltbürger. Er ist weit gereist, hochgebildet, sehr belesen. Seine beiden Bücher über Indien haben nicht nur in Fachkreisen große Resonanz erzeugt. Als Unternehmer hat der Jurist die bemerkenswerte Geschichte des Familienunternehmens Vorwerk & Co. KG geschrieben. Der weltweite Erfolg des Kobold Staubsaugers und des Küchengerätes Thermomix geht nicht zuletzt auf die gute Hand Mittelsten Scheids zurück. Und Jörg Mittelsten Scheid ist Wuppertaler. Wie sehr er seiner Stadt verbunden ist, zeigen soziales Engagement, die Unterstützung beispielsweise des Von der Heydt–Museums und die Stiftungsprofessur für die Uni Wuppertal. Sie hat als Schwerpunktthema den digitalen Wandel. Im Gespräch mit der WZ erklärt er, warum er die Pläne für den Bau eines Pina-Bausch-Zentrums ausdrücklich unterstützt.

Herr Mittelsten Scheid, was bedeutet Kultur für eine Stadt wie Wuppertal?

Mittelsten Scheid: Wuppertal hat ja eher ein schmuddeliges Image. Es war ein Standort für Textilindustrie, die heute sehr sauber arbeitet. Früher aber nicht. Daher rührt der Ruf. Aber in den vergangenen Jahren hat Wuppertal durch das Von der Heydt-Museum, durch den Skulpturen-Park von Tony Cragg und durch unser sehr gutes Sinfonieorchester eine wunderbare Struktur erzeugt. Dazu gehört auch etwas Einmaliges.

Was wäre das?

Mittelsten Scheid: Das Tanztheater. Da hat Pina Bausch etwas ganz Eigenes geschaffen, auch wenn das nicht jedem gefallen hat. Das geht über das Ballett hinaus und reicht mit der Sprache ins Theater hinein. Ohne das Pina Bausch Ensemble würde das vergessen. Es wäre die Aufgabe eines Pina-Bausch-Zentrums, die Arbeit weiterzuentwickeln. Das brächte Wuppertal auch den Ruf ein, eine moderne Stadt zu sein.

Wie wichtig wäre ein solches internationales Zentrum für die Wirtschaft Wuppertals?

Mittelten Scheid: Wir dürfen nicht glauben, dass wir mit einem noch besseren Kulturangebot die besten IT-Spezialisten in die Stadt locken können. Die gehen nach München oder Berlin. Aber wenn wir Wuppertal als Wohnstadt entwickeln wollen, ist Kultur ein Faktor. Wer beispielsweise den Trubel von Düsseldorf nicht will, ist in Wuppertal sehr gut aufgehoben.

Dafür ist die Stadt allem Anschein nach immer noch nicht bekannt genug.

Mittelsten Scheid: Aber es wird besser. Als das Klavierfestival Ruhr in der Historischen Stadthalle seinen Geburtstag gefeiert hat, waren sehr viele Menschen aus dem Ruhrgebiet hier. Wenn es gelänge, noch mehr Konzerte von dieser Qualität in die Stadt zu holen, wäre das sicher gut.

Inwiefern?

Mittelsten Scheid: Für Eliten ist nicht zuletzt das kulturelle Angebot einer Stadt interessant. Und für Unternehmen auch. Wir sind ein Familienunternehmen. Das Wohlergehen unserer Beschäftigten spielt für uns eine wichtige Rolle. Wir wissen heute, dass sich junge Leute auch deshalb für uns entscheiden, weil wir karitatives Engagement zeigen. Aber auch das Freizeitangebot einer Stadt spielt eine Rolle. Der Mensch ist schließlich mehr als Arbeit.

Aber Kultur- und Freizeitangebote kosten Geld. Beim Pina-Bausch-Zentrum geht es jetzt vor allem um die Finanzierung der Betriebskosten.

Mittelsten Scheid: Die Grundfinanzierung ist eine Aufgabe des Staates, also von Stadt, Land und Bund.

Ist es denkbar, dass sich Unternehmen daran beteiligen?

Mittelsten Scheid: Das ist schwierig. Unternehmen, Vorwerk zum Beispiel, finanzieren gern und häufig einmalige Events. Für sie ist es schwer, sich dauerhaft zu verpflichten. Unternehmer wissen nicht, was in fünf oder gar zehn Jahren ist. Die Historische Stadthalle ist damals privat finanziert worden.

Warum ist so etwas heute kaum noch möglich?

Mittelsten Scheid: Nun, damals lag die Einkommensteuer bei zehn Prozent. Wenn Unternehmen öffentliche Aufgaben übernehmen sollen, müssten sie steuerlich entlastet werden. Aber das sehe ich nicht.

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