Lothar Leuschen, Kommentarfoto
Lothar Leuschen

Lothar Leuschen

Schwartz, Anna (as)

Lothar Leuschen

Julia Jones wird Generalmusikdirektorin, sie wird in der Nachfolge von Toshiyuki Kamioka Chefin des Wuppertaler Sinfonieorchesters. Diese Nachricht ließ jetzt aufhorchen. Dabei war die Tatsache, dass Kamioka ersetzt werden müsste, längst bekannt. Aber von einer Frau?

Auch in Wuppertal ist vor knapp vier Monaten das Jahr 2016 angebrochen. Dennoch klingt es aufs erste Hören erstaunlich, dass so eine Leitungsfunktion weiblich besetzt werden kann. Immerhin besteht das Orchester aus gut 80 Mitarbeitern, Künstlern, denen nachgesagt wird, bisweilen eigen sein zu können. Solche Gruppen brauchen eigentlich eher eine harte Hand, keine zarte.

So gesehen arbeiten auch in der Sparkasse, im Rathaus, bei der Gemeinnützigen Wohungsbau-Gesellschaft GWG, beim städtischen Entsorgungsbetrieb und bei den Stadtwerken nur Künstler, die einer harten Hand bedürfen. Anders ist angesichts der fortgeschrittenen Entwicklung der westlichen Gesellschaft kaum mehr zu erklären, dass die Frauenquote in kommunalen Führungsposition gegen Null geht. Dabei ist Wuppertal freilich kein Einzelfall. Diese Praxis ist geübt und gilt in fast allen Städten der Republik.

Das ist umso verwunderlicher, als beispielsweise Wuppertal mit weiblichen Führungskräften gute Erfahrungen gemacht hat. Ursula Kraus war, zwar ehrenamtlich, eine Oberbürgermeisterin, an deren Amtszeit sich viele Bürger immer noch sehr gern erinnern. Sabine Fehlemann hat das Von der Heydt-Museum nicht einfach nur geleitet, sondern so weiterentwickelt, dass es heute – dank Gerhard Finckh und Museumsverein – in der Bundesliga der Museen spielen kann. Was Menschen unter der Leitung einer Frau an kulturellen Glanzleistungen vollbringen können, beweist das Tanztheater Pina Bausch hoffentlich noch sehr lange. Und Silke Asbeck ist als Geschäftsführerin mit ermutigenden Ergebnissen dabei, aus dem Groschengrab Stadthalle eine Einnahmequelle zu machen, die auch noch den Ruf der Stadt mehrt.

Dennoch spielen Frauen im öffentlichen Leben auch in Wuppertal meistens nur die Zweite Geige. Das tun sie wie beispielsweise Cornelia Weidenbruch im städtischen Jugendamt seit Jahren mit beachtlichem Erfolg. Aber an die Erste Geige kommen sie dennoch nicht. Die erfordert scheinbar eine harte Hand.

Im Grunde ist es vollkommen egal, ob eine Führungskraft männlich oder weiblich ist. Was zählt, ist Qualität. Da es aber keinen Grund für die Annahme gibt, dass Frauen etwas nicht können, was Männern vergönnt wäre, außer schwer zu heben vielleicht, gibt es auch keinen Grund dafür, dass alle Führungsposition in der Stadt mit Männern besetzt werden.

Es spricht für Wuppertal, dass Julia Jones in Zukunft auf dem Podest vor dem Orchester stehen wird. Zumal sie in dieser Position eine der ganz wenigen Frauen in Deutschland ist, in der nächsten Spielzeit womöglich sogar die einzige.

Das ist eine gute Nachricht, weil sie Wuppertal schmückt und weil sie Hoffnung darauf nährt, dass Führungspositionen künftig ohne Ansehen von Geschlecht oder Parteibuch nur noch nach Vernunftkriterien besetzt werden. Frauenquoten und Quotenfrauen gehören dazu nicht.

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