Ärzte und Lärm-Experten aus dem Tal warnen vor der Gefahr durch Knaller und Raketen.

Sie sind bunt, laut und verlockend: Feuerwerkskörper. Doch sie können auch die Stimmung verderben.
Sie sind bunt, laut und verlockend: Feuerwerkskörper. Doch sie können auch die Stimmung verderben.

Sie sind bunt, laut und verlockend: Feuerwerkskörper. Doch sie können auch die Stimmung verderben.

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Sie sind bunt, laut und verlockend: Feuerwerkskörper. Doch sie können auch die Stimmung verderben.

Wuppertal. Drei, zwei, eins . . . und peng! An Silvester wird geknallt, gefeiert und gejubelt. Heute startet der Verkauf von Feuerwerkskörpern. Für gewöhnlich sind die meisten in ausgelassener Stimmung. Aber hier im Bergischen könnte, ganz in Spielverderber-Manier, ein wenig Argwohn mitschwingen. Und ganz ehrlich: Zu Silvester gibt es zahlreiche Quellen für potentiellen Ärger.

An erster Stelle stehen Feuerwerkskörper. So mancher mag bereits schmerzhafte Erfahrungen mit den bunten Knallkörpern gemacht haben. Dazu muss man nicht einmal einen in die Hand nehmen: Der laute Knall, besonders unangenehm in Ohrnähe, ist für manchen Silvester-Muffel Grund genug, sich zu Hause zu verschanzen und sämtliche Türen und Fenster zu verrammeln. Zu Recht.

Bei „Böllern“ sollte ein Abstand von acht Metern eingehalten werden

„Durch Feuerwerkskörper können durchaus Hörschäden entstehen“, macht Professor Detlef Krahé von der Bergischen Universität deutlich. Er verweist auf Untersuchungen, die zeigen, dass bei Feuerwerkskörpern ein erhöhtes Gehörschadensrisiko besteht, wenn der Mindestabstand von acht Metern nicht eingehalten wird. Vor allem kleine „Böller“ würden bei der Lautstärke unterschätzt. Dabei seien diese teilweise genauso laut wie große Knallkörper, nur haben sie eine kürzere Wirkdauer. „Ein China-Böller A hat bei acht Metern Abstand einen Spitzenpegel von mehr als 138 Dezibel“, führt Krahé auf. Der nächst größere China-Böller B erreicht schon 144 Dezibel. Dabei sollten Feuerwerkskörper einen Immissions-pegel von in der Spitze von 140 Dezibel nicht überschreiten, um dauerhafte Hörschäden zu vermeiden. Einige explodierende Knallkörper sind mit bis zu 180 Dezibel lauter als ein startender Düsenjet.

„Neben der Beeinträchtigung des Gehörs können laute Geräusche aber auch psychisch belasten“, ergänzt der Lärmexperte. Und nicht nur für die bergische „Frohnatur“ ist das laute Geknall eine Belastung. Insbesondere der vierbeinige beste Freund des Menschen leidet unter Lärm.

Für Hunde ist der Lärm durch Feuerwerkskörper purer Stress

„Ebenso wie beim Menschen rufen verschiedene Situationen auch beim Hund Stress hervor. Silvester ist eine davon“, erklärt die Wuppertaler Tierpsychologin Stefanie Alt. Sie hat auch gleich ein paar Tipps parat, wie man es den Vierbeinern so angenehm wie möglich macht: „Man sollte den Hund am besten ablenken, mit ihm spielen, ihm seinen Lieblingsknochen geben, aber vor allem sollte man Ruhe bewahren und ihm das Gefühl vermitteln, dass es das Normalste der Welt sei.“ Von Beruhigungsmitteln rät die Tierpsychologin ab, „sofern dies nicht ausdrücklich mit einem Tierarzt besprochen wurde“.

Jedes Jahr gibt es schätzungsweise 20.000 bis 30.000 Patienten, die durch Silvesterböller ein sogenanntes Knalltrauma erleiden. Wer sich schützen will, sollte am besten einen Gehörschutz tragen.

Um Verletzungen zu vermeiden, sollten Böller nie in der Kleidung getragen oder auf Menschen gezielt werden. Für Raketen sind Abschussrampen nötig – sie sollten nicht in der Nähe von Gebäuden, Autos, nicht unter Dächern und Bäumen gezündet werden.

In der Wohnung sollten Tiere weit weg vom Lärm des Feuerwerks untergebracht werden.

Das Normalste der Welt ist es mit Sicherheit nicht, in Papphülsen verpacktes Schwarzpulver über eine kurze Schnur in der Hand haltend anzuzünden. Dennoch wollen viele an Silvester auf diesen Spaß nicht verzichten. Neben der akustischen Belastung für Tier und Mensch ist die Gefahr, sich durch Feuerwerkskörper Verletzungen zuzuziehen, nicht zu unterschätzen. „Sollte es zu einer Brandverletzung kommen, heißt es zunächst einmal kühlen“, sagt Hautarzt Renz Mang von der Gemeinschaftspraxis Cronenberger Hautärzte. „Allerdings nicht zu kalt, weil das wiederum Kälteschäden hervorrufen kann.“

Bei schweren Brandverletzungen sollte man einen Arzt aufsuchen

Außerdem müsse man die Schwere der Verletzung beachten. „Bei Verbrennung ersten und zweiten Grades kann man häufig noch selbst behandeln. Das ist bei Rötungen oder leichten Blasen, ähnlich dem Sonnenbrand, der Fall.“ Bei Verbrennungen dritten Grades oder Verletzungen des Gesichts, der Augen und des Mundbereichs sollte man schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen, da langfristige Schäden entstehen können.

Das sicherste Mittel, um sich vor solchen Verletzungen zu schützen, ist aber immer noch das einfachste: Finger weg!