Rund 5000 Menschen beteiligten sich gestern am Protest gegen die Neonazi-Demonstration durch die Stadt. Die friedliche Kundgebung in Elberfeld wurde später von Krawall und Scharmützeln mit der Polizei überschattet. 1500 Polizisten brauchte es allein, um die Demonstranten zu trennen und Schlimmeres zu verhindern.

Begleitet von einem riesigen Polizeiaufgebot zogen die rechten Demonstranten in die Innenstadt.
Begleitet von einem riesigen Polizeiaufgebot zogen die rechten Demonstranten in die Innenstadt.

Begleitet von einem riesigen Polizeiaufgebot zogen die rechten Demonstranten in die Innenstadt.

Andreas Fischer

Begleitet von einem riesigen Polizeiaufgebot zogen die rechten Demonstranten in die Innenstadt.

Wuppertal. Ausnahmezustand in der Wuppertaler Innenstadt: Rund 200 Neonazis haben sich am Samstagnachmittag am Bahnhof Unterbarmen versammelt, die meisten von ihnen waren mit einem Sonderzug angekommen. Von dort aus sind sie in die Elberfelder Innenstadt gezogen. Allerdings war am Hofkamp für die Neonazi-Kundgebung Schluss. In Sichtweite zur Gathe veranstalteten sie ihre Kundgebung. Dann mussten die Rechten wieder in Richtung Bahnhof Unterbarmen umdrehen. Gegen 17.30 Uhr löste sich die Kundgebung am Hofkamp schließlich auf. Von hier aus wurden die Rechten mit Bussen zu verschiedenen Bahnhöfen gebracht, um nicht erneut auf Gegendemonstranten zu treffen. Die Polizei nahm bei der Kundgebung mehrere Demonstranten fest. Außerdem wurden laut Polizeiangaben zehn Polizisten verletzt.

Die Demonstrationen gegen die Neonazi-Kundgebung wirkten sich bereits am Samstagmittag massiv auf den Straßen- und Bahnverkehr in der Region aus. Gut 30 Neonazis versammelten sich - weiträumig von der Polizei abgeschirmt - bis zum frühen Samstagnachmittag auf einem abgesperrten Gelände am Bahnhof, in Sichtweite wütender Gegendemonstranten, die darauf mit Sprechchören reagierten. Als am Bahnhof Unterbarmen gut 150 Gegendemonstranten den Bahnsteig blockierten, um zu verhindern, dass weitere Kundgebungsteilnehmer aus Köln und Dortmund anreisen konnten, musste für etwa zwei Stunden aus Sicherheitsgründen der Bahnverkehr eingestellt werden. Ähnliche Szenen sollen sich auch in Solingen und an anderen Bahnhöfen abgespielt haben, von denen aus Neonazis nach Wuppertal anreisen wollten. Der komplette Fernverkehr wurde zeitweise über Düsseldorf umgeleitet, so dass Reisende nicht nach Wuppertal gelangen konnten.

Als sich die Gruppe der Neonazis dann in Bewegung gesetzt hatte, traf sie auf erbitterten Widerstand der Gegendemonstranten, die über den Polizeischutz hinweg mit Flaschen, Obst und anderne Gegenständen warfen. Mehrere Menschen wurden offenbar verletzt. Der Wicküler Park wurde zum Teil geräumt. Die Polizei setzte alles daran, Kundgebungsteilnehmer und Gegendemonstranten voneinander zu trennen.

Gut 1500 Polizisten waren im Einsatz, der vom Hubschrauber aus auch aus der Luft koordiniert wurde. Auf dem Kirchplatz in Elberfeld versammelten sich gut 2000 Demonstranten zu einer offiziellen Gegendemonstration mit Reden und Bühnenprogramm. Insgesamt sprachen die Veranstalter der Gegendemonstration von etwa 5000 Teilnehmern. Als sich Demonstranten am späten Vormittag unter anderem auch über die B 7 auf den Weg nach Unterbarmen machten, musste die Haupstraße zwischenzeitlich abgesperrt werden. Sowohl auf der B 7 als auch auf dem Bahnsteig in Unterbarmen gab es zum Teil heftige Auseinandersetzungen zwischen Gegendemonstranten und Einsatzkräften.

In Unterbarmen wurden beim Räumen des Bahnsteigs mehrere Demonstranten verletzt und in Gewahrsam genommen. Gegen 14 Uhr gab es dann Staus auf der B 7 in Barmen, als Demonstranten in großen Gruppen über die B 7 stürmten - gefolgt von der Polizei, die immer wieder dazu aufrief, nicht den Verkehr zu gefährden.

Auch nachdem die offizielle Demonstration und Gegendemonstration beendet waren, gab es noch keine Ruhe. Im Gegenteil: Die Polizei meldete am Abend, dass es verstreut über die Stadt handfeste Auseinandersetzung kleinerer Gruppen gab. Mit einer ersten Bilanz ist am Sonntag zu rechnen.