Maikundgebung lockte am Dienstag rund 1200 Teilnehmer auf den Laurentiusplatz. Oberbürgermeister Andreas Mucke fordert Kampf gegen Armut.

Maikundgebung lockte am Dienstag rund 1200 Teilnehmer auf den Laurentiusplatz. Oberbürgermeister Andreas Mucke fordert Kampf gegen Armut.
Besucherein Frauke Aretz mit den symbolischen roten Nelken auf dem Laurentiusplatz.

Besucherein Frauke Aretz mit den symbolischen roten Nelken auf dem Laurentiusplatz.

Andreas Fischer

Besucherein Frauke Aretz mit den symbolischen roten Nelken auf dem Laurentiusplatz.

Es ist 11.47 Uhr, als der Demonstrationszug zum 1. Mai von der Friedrich-Ebert-Straße auf den Laurentiusplatz abbiegt. Die Demo-Teilnehmer kommen vom Unterbarmer Bahnhof, sind gut im Zeitplan und noch dazu akustisch gesittet: Kaum jemand ruft eine Parole, schweigend tragen sie ihre Fahnen und Transparente, lediglich in den hinteren Reihen des rund 800 Personen starken Umzugs regen sich ein paar Stimmen. Menschen mit roten Sowjetfahnen und Anhänger kommunistischer Parteien beschwören - mehr oder minder routiniert - die internationale Solidarität.

Wobei der Ruf nach Solidarität schon einen Aspekt vorwegnimmt, den sich auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in diesem Jahr auf die Fahnen der bundesweiten Maikundgebungen geschrieben hat: Das Motto lautet „Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit“. Etwa 1200 Menschen versammeln sich dazu am Tag der Arbeit auf dem Laurentiusplatz. Zahlreiche Pavillondächer sind aufgestellt, unter denen Gewerkschafts- oder Parteivertreter, Sozialverbände oder Menschenrechtsorganisationen für sich und ihre Ziele werben. Recht bunt geht es da zu, an jedem Stand gibt es kleine Geschenke oder auch etwas zu essen und trinken. Bei den Grünen können sich Besucher zum Beispiel mit Kinderwindrädern versorgen, bei der SPD gibt es Bratwurst, die Christlich Demokratische Arbeitnehmerschaft - der Sozialflügel der CDU - verkauft Quarkbällchen, beim Stand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft können sich die Besucher mit Maibowle stärken.

Hinzu kommt ein an diesem Tag recht arbeitnehmerfreundliches Wetter - sieht man von den gerade am Anfang der Kundgebung starken Windböen ab. Wind ins Gesicht der bestehenden Zustände blasen möchte auch das Vorstandsmitglied des DGB-Stadtverbandes Wuppertal, Reiner Kita. Er hält die Hauptrede an diesem Tag, dabei vertritt er denStadtverbandsvorsitzenden Guido Grüning, der krankheitsbedingt verhindert ist.

Oberbürgermeister Mucke ruft zu Solidarität mit den Schwachen auf

Kita warnt davor, dass eine Politik des „Weiter-so“ einen „Keil in die Gesellschaft“ treibe und den aufkommenden rechten Bewegungen weiteren Zuspruch verschaffe. Man müsse gegen ein „ungerechtes System“ ankämpfen und Solidarität mit Flüchtlingen zeigen. Zudem sei der Einsatz für eine demokratische Gesellschaft eine Aufforderung zur Beteiligung an jeden einzelnen. „Demokratie ist kein Zuschauersport“, sagt der DGB-Vertreter. Mit Blick auf die Tatsache, dass sich in jüngster Zeit immer öfter Vertreter rechtspopulistischer Parteien bei Betriebsratswahlen aufstellen lassen, ruft Kita zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit diesen Kandidaten und deren Anhängern auf. Man solle sie mit „Argumenten ausgrenzen“ und ihre „Parolen entkräften“, rät er. Es dürfte nicht zugelassen werden, dass Rechte ihre Ideologie in die Betriebe schleppten.

Zu Solidarität vor allem mit den Schwachen in der Gesellschaft ruft auch Oberbürgermeister Andreas Mucke auf. „Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander“, mahnt er. Mittlerweile lebe jeder fünfte Mensch in Wuppertal in Armut - bei den Kindern sei es jedes dritte. Das seien „skandalöse Umstände“, vor allem von der Bundesregierung erwarte er in dieser Frage mehr Unterstützung, betont der OB. Gefordert seien ein gerechtes Steuersystem, ein fairer Lohn und gute Arbeitsbedingungen.

Die vom Oberbürgermeister angeschnittenen Themen sind auch Wolfgang Gärtner wichtig. Der Selbstständige, der Mitglied bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) ist, kommt seit etlichen Jahren immer wieder zu der Maikundgebung auf den Laurentiusplatz. Er wolle mit seiner Teilnahme an der Veranstaltung „ein Zeichen für Solidarität und gegen Rassismus“ setzen, erklärt er. Und diese Themen bleiben für viele Besucher offenbar weiterhin wichtig - unabhängig von den jeweiligen gewerkschaftlichen Forderungen an Politik und Wirtschaft.

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