Am 17. September gehen Wuppertaler für die Fortführung des Projekts auf die Straße.

Demo
Tausende Wuppertaler beteiligten sich 2013 an der Demo zur Fortführung der Schulsozialarbeit. Frank Gottsmann hofft auch für die kommende Kundgebung auf viel Zuspruch. Archiv-

Tausende Wuppertaler beteiligten sich 2013 an der Demo zur Fortführung der Schulsozialarbeit. Frank Gottsmann hofft auch für die kommende Kundgebung auf viel Zuspruch. Archiv-

Fischer/Kehren

Tausende Wuppertaler beteiligten sich 2013 an der Demo zur Fortführung der Schulsozialarbeit. Frank Gottsmann hofft auch für die kommende Kundgebung auf viel Zuspruch. Archiv-

Wuppertal. Sie helfen Schülern bei Problemen, schlichten Streit und sind jederzeit Ansprechpartner: Wuppertals Schulsozialarbeiter haben sich seit 2011 zu einer festen Größe im Alltag an mehr als 50 Schulen etabliert und leisten ihren Beitrag zur Förderung von Jugendlichen und Entlastung von Lehrern. Doch die Zukunft des mit Bundesmitteln angeschobenen Angebots im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets ist ungewiss. Die WZ sprach mit Frank Gottsmann vom Wuppertaler Aktionsbündnis Schulsozialarbeit: Das Projekt war befristet bis Ende 2013, für 2014 hat die Stadt Wuppertal die Finanzierung übernommen.

Herr Gottsmann, eigentlich sollten sich Bund und Land doch längst über die dauerhafte Fortführung der Schulsozialarbeit geeinigt haben. Rechnen Sie noch damit?

Frank Gottsmann: Ja. Denn sie müssen. Wir haben Herbst: Die Schulsozialarbeit ist in Wuppertal nur noch bis Ende 2014 aus kommunalen Mitteln gesichert. Letztes Jahr hatten wir noch die Diskussion um eine Verlängerung, jetzt geht es um den Fortbestand.

„Wenn es keine Einigung gibt, dann ist Schluss.“

Frank Gottsmann, Aktionsbündnis

Warum?

Gottsmann: Weil es entscheidend ist, dass Bund und Land jetzt die richtigen Zeichen setzen, sonst gibt es ab 1. Januar keine Schulsozialarbeit mehr, und Eltern und Schüler haben keine Ansprechpartner mehr.

Das Wuppertaler Aktionsbündnis Schulsozialarbeit ruft zur Demonstration zum Erhalt der Schulsozialarbeit am Mittwoch, 17. September, auf. Start ist um 16 Uhr.
 

Am  Opernhaus, Friedrich-Engels-Allee, in Barmen. Begleitet von der Polizei wird der Demonstrationszug auf der B 7 zum Johannes-Rau-Platz zur Abschlusskundgebung gehen.
 

Die WSW haben laut Aktiontionsbündnis die unentgeltliche Nutzung der Busse und Schwebebahn für diese Aktion angekündigt.
 

 Im ersten Jahr nach Einführung der Schulsoziarbeit wurden in Wuppertal 4879 Schüler und Familien in 33 722 Gesprächen beraten. Derzeit arbeiten 42 Schulsozialarbeiter an 52 Wuppertaler Schulen.
 

53, ist Geschäftsführer des Wuppertaler Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt und Sprecher des Aktionsbündnisses Schulsozialarbeit.
 

Was läuft aus ihrer Sicht falsch?

Gottsmann: Es wird derzeit immer über ’zusätzliches Geld’ geredet. Die Mittel für die Entlastung der Kommunen werden vom Bund nach dem Koalitionsvertrag auf Bundesebene bereitgestellt. Hier schieben sich Bund und Land die Verantwortung gegenseitig zu. Dabei geht es doch um den Grundsatz, der in Nordrhein-Westfalen ausgesprochen wird und gut ist: Kein Kind zurücklassen. Wer Inklusion will, muss auch die Verantwortung dafür übernehmen und Schulsozialarbeit fortführen.

Aber sie kostet nun einmal.

Gottsmann: Schulsozialarbeit kostet nicht, Schulsozialarbeit hilft sparen. Die Schulsozialarbeit hat im Bereich der Jugendhilfe bereits im vergangenen Jahr mit dazu beigetragen, die Kosten für Hilfen zur Erziehung um eine Million zu reduzieren. Schulsozialarbeit hat geholfen, dass Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, Förderung von Kindern möglich ist und Integration fördern hilft. Für dieses Jahr hatte sich ja die Stadt Wuppertal bereiterklärt, die Kosten zu übernehmen. Angesichts der finanziellen Situation dürfte das aber auf dieses Jahr beschränkt bleiben.

Sie gehen jetzt wieder auf die Straße – bringt das etwas?

Gottsmann: Wuppertal hat wie andere Kommunen in NRW auch, auf den Zusagen des Landes hin, eine dauerhafte Finanzierung zu sichern, die vorübergehende Finanzierung bis zum Jahresende 2014 übernommen. Es kann nicht sein, dass diese Zusagen heute nicht mehr gelten. Das Wuppertaler Aktionsbündnis Schulsozialarbeit, an dem sich Eltern, Schüler, Lehrer, Schulsozialarbeiter, Freie Träger, Stadt und viele Bürger beteiligen, ruft deshalb alle Wuppertaler zur Demo am 17. September auf (siehe Kasten oben). Wir wollen zeigen, dass Schulsozialarbeit in Wuppertal unverzichtbar ist.

Was passiert, wenn sich Bund und Land nicht einigen?

Gottsmann: Wenn es keine Einigung zwischen Bund und Land gibt, dann gibt es keine Schulsozialarbeit im nächsten Jahr mehr in Wuppertal. Dann ist Schluss.

Sollte die Stadt dann erneut die Kosten übernehmen?

Gottsmann: Es kann nicht von den Kommunen erwartet werden, ohne entsprechende Landes- und Bundesregelungen, die Schulsozialarbeit zu finanzieren. Das kann von einer Kommune wie Wuppertal nicht geleistet werden.

Weil ihr diese zusätzlichen Belastungen nicht zugemutet werden können.

Gottsmann: Wir sollten nicht wieder die Diskussion der zusätzlichen Ausgaben führen. Diese Diskussion führt bereits auf Landes- und Bundesebene nicht weiter. Wenn Schulsozialarbeit als ein wichtiges präventives Angebot verstanden wird – und das ist es – dann bekommen wir täglich den Beweis, dass sie notwendig ist.

Warum ist Schulsozialarbeit aus ihrer Sicht unverzichtbar?

Gottsmann: Zwei Beispiele: Da hat sich eine Schulsozialarbeiterin darum gekümmert hat, dass eine Schulverweigerin wieder zum Unterricht kommt. Da veranstalten Schulsozialarbeiter Kurse zur Gewaltprävention, organisieren ein Müttercafé und kümmern sich darum, dass Anträge nach dem Bildungs- und Teilhabepaket gestellt werden.

Einzelschicksale.

Gottsmann: Nein! Genau das eben nicht; Schulsozialarbeit ergänzt die professionellen Kräfte an Schulen und verbessert die Qualität der schulischen Arbeit. Schulsozialarbeit verbessert die Chancen von Schülern.

Aber lassen sich die Ergebnisse überprüfen?

Gottsmann: Es gibt die Studie der Bergischen Universität von August 2013. Der Evaluationsbericht kommt zu einer hohen Zustimmung der Befragten, unter anderem bei den Themen Abbau sozialer Ungleichheit, Stärkung der sozialen Integration, Klärung persönlicher, sozialer, schulischer oder familiärer Probleme oder auch Beratung, der Eltern bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsverantwortung. Darum ist Schulsozialarbeit unverzichtbar.

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