Wer setzt eine seltene Riesen-Schlange in der Wupper aus? Experten gehen davon aus, dass das Tier zuvor verendet war.

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Jennifer und Jacqueline mit Kissenbezug und Buggy am Fundort.

Jennifer und Jacqueline mit Kissenbezug und Buggy am Fundort.

Andreas Fischer /Polizei

Jennifer und Jacqueline mit Kissenbezug und Buggy am Fundort.

Wuppertal. Jennifer (12) und Jacqueline (11) sind ziemlich mutig. Eigentlich wollten die beiden Schwestern am vergangenen Samstag nur ein Sonnenbad nehmen. Am Wupperstrand an der Hünefeldstraße. Daraus wurde nichts. Der Grund: ein seltener Albino-Tigerpython in der Wupper. Die knapp 3-Meter-Schlange zogen die beiden Mädchen an jenem Sonnen-Samstag aus dem Fluss. Seither rätseln Reptilienfans, Experten und die Polizei, wo die Schlange herkommt und was mit ihr passierte.

"Die Polizei hat uns erst nicht geglaubt."

Jennifer und Jacqueline, Schlangen-Finderinnen

Zentrale Frage: Lebte die Schlange noch, als sie in die Wupper kam? Der Besitzer des Tiers konnte bislang jedenfalls nicht ermittelt werden. Fakt ist: Das an die 20 Kilo schwere Tier wurde offenbar in einem Kopfkissenüberzug zum Wasser gebracht, dann ausgesetzt. Hat da jemand versucht, den Tigerpython in der Wupper schwimmen zu lassen?

"Das wäre ziemlicher Blödsinn. In dem 5 Grad kalten Wasser hätte die Schlange keine Überlebenschance", sagt Tierarzt Rainer Hösterey. Siegfried Reinshagen, Betreiber eines Terraristik-Geschäfts nickt dazu: "So ein Tier ist wertvoll. Das schmeißt niemand mal eben in die Wupper."

In der Tat: Die Albino-Schlange von Wuppertal ist zwar aller Wahrscheinlichkeit nach eine Nachzucht. Ein Jungtier kostet dennoch ab 400 Euro aufwärts.

Und bis eine solche Schlange eine entsprechende Länge erreicht hat, gehen Jahre ins Land. Für die Experten steht damit fest: Der an die zehn Jahre alte Python war bereits tot und der Besitzer scheute die Entsorgungskosten. Die liegen je nach dem ab zehn Euro aufwärts. Deshalb der schnöde Wurf in die Wupper.

Der Tigerpython gehört zur Familie der Riesenschlangen. Als Wechselblüter sind sie auf die Zufuhr von Wärme angewiesen. In freier Wildbahn ist die Tigerpython in Asien und Südostasien beheimatet. Ihre Beutetiere - Säugetieren, Vögel, Echsen und Amphibien - töten sie nicht mit Gift, sondern mit einer Würgetechnik. Die Reptilien gelten als ausgesprochen scheu.

Schlangen als Haustiere liegen im Trend. Experten gehen von mehreren hundert Tieren in Wuppertaler Privathaushalten aus. Im Terrarium des Zoos gibt es einen Baumpython und einen Königspython zu sehen.

Die Wupper ist für Tigerpythons schlicht zu kalt. Im Stadtfluss leben vor allem Ringelnattern.

Jennifer und Jacqueline haben jedenfalls alles richtig gemacht. Sie riefen am Samstag sofort die Polizei. "Die hat uns zwar erst nicht geglaubt, aber wir haben sie überzeugt", lachen sie. Die beiden kennen sich mit Tieren aus, versorgen daheim zwei Hunde, vier Mäuse und einen Hasen.

Und der namenlose Tigerpython von Wuppertal? Die tote Riesenschlange lagerte bis Montag bei den ESW am Klingelholl und geht Montag oder Dienstag auf ihre letzte Reise. Endstation ist ein Entsorgungsbetrieb in Lünen. Dort wird der Kadaver erst zu Fleischbrei verarbeitet und schließlich verbrannt. Die dabei entstehende Hitze wird zur Energieversorgung verwendet.

Für die Polizei ist der Fall so gut wie erledigt. Eine Sprecherin: "Die Schlange ist tot. Es gibt keinen Hinweis auf Tierquälerei." Deshalb gibt es vorerst auch kein Ermittlungsverfahren. Klaus Lange vom Tierheim, behält sich vor, vielleicht doch noch Anzeige zu erstatten: "Wenn sich bei uns jemand meldet, der die Schlange wiedererkennt, denken wir noch einmal darüber nach.

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