Denis Krief inszeniert Humperdincks Hänsel und Gretel. Morgen feiert das Stück im Opernhaus Premiere – mit Augenzwinkern, Humor und einer Prise Hitchcock.

Denis Krief inszeniert Humperdincks Hänsel und Gretel. Morgen feiert das Stück im Opernhaus Premiere – mit Augenzwinkern, Humor und einer Prise Hitchcock.
Denis Krief ist der Regisseur von Hänsel und Gretel.

Denis Krief ist der Regisseur von Hänsel und Gretel.

Stefan Fries

Denis Krief ist der Regisseur von Hänsel und Gretel.

Die Hexe nicht hübsch, aber sympathisch. Die Eltern arm, aber elegant. Der Wald grün, aber nicht nur grün: Wenn Denis Krief über seine Inszenierung von Hänsel und Gretel spricht, dann spricht da viel Professionalität, viel Marketing, viel Respekt vor und sehr viel Liebe für Opern. Morgen feiert er im Opernhaus Premiere mit dem Werk von Engelbert Humperdinck. Wer es sich anschaut und anhört, darf sich auf Überraschungen gefasst machen. „Aber nichts Skandalöses“, beeilt sich der 63 Jahre alte Regisseur zu sagen.

Das gebietet seine Achtung vor der Opern, vor allen Opern, überhaupt vor allem, was aus fremder Feder stammt und in Szene gesetzt wird auf den Brettern, welche die Welt bedeuten sollen. Sein Credo von Theaterarbeit bringt der Tunesier und Wahl-Berliner mit einem Satz auf den Punkt. „Der Regisseur muss dem Stück dienen. Was ich selbst bin, ist nicht wichtig“, sagt er. Das ist gleichzeitig sein Nein zu Effekthascherei, zur Anbiederung an die Gegenwart, an gesellschaftliche Strömungen. Ihm wäre niemals eingefallen, Hänsel und Gretel in ein Flüchtlingslager zu verlegen („Ich kenne keines“) oder es anderweitig an die Gegenwart zu adaptieren. Das Stück ist das Stück, es ist, wie der Autor es verfasst hat. Transformationen lässt es nicht zu, vor allem dann nicht, wenn sie nur dem Zweck dienen, Aufmerksamkeit zu erhaschen. So etwas mag Denis Krief nicht. Das ist das Theater, von dem er sagt, es sei „Zauber“.

Das bedeutet freilich nicht, dass der Regisseur sich sämtliche Hinweise darauf verkneift, wie er tickt. Ein paar, vielleicht auch ein paar Überraschungen mehr hat er schon eingebaut in seine Regiearbeit. „Ich bin ein begeisterter Fan von Alfred Hitchcock“, erklärt Krief. Die Arbeit des Meisters der Spannung, der Andeutung, der Wendungen, der Irreleitungen, der Mann, der es wie kaum ein Zweiter verstand, mit seinem Publikum zu spielen, ist Krief eine Art Vorbild geworden. „Auf den zweiten Blick verstehen Sie mein Spiel“, sagt er.

In Italien ein Star, in Russland gerngesehen

Denis Krief ist ein fröhlicher Mensch, ein Theatermann voller Humor und Leichtigkeit. Er liebt die Oper. Und die europäischen Opernbühnen lieben ihn. In Italien ist er ein Star, in Frankreich ein gerngesehener Gast in allen namhaften Häusern, in Russland war er der erste westliche Regisseur, der ein russisches Stück inszenieren durfte. Nur in Deutschland macht Krief sich rar. Seine letzte Arbeit liegt zehn Jahre zurück. Beteiligt war damals der heutige Opernintendant Berthold Schneider. Umso mehr hat er sich auf Wuppertal gefreut. Deutschland reizt Krief, die deutsche Kultur kennenzulernen, hat ihn nach Berlin geführt. „Ich habe auch noch ein Haus auf Sizilien“, sagt er. Aber derzeit ist Berlin seine erste Adresse. Und Wuppertal seine zweite.

So unbeschwert, ja unbekümmert Denis Krief im Gespräch wirkt, so akribisch seziert er ein Werk, ehe es auf der Bühne seine Handschrift tragen darf. „Ich habe vorher keine Bilder von einem Stück. Ich suche seine Bedeutung“, erklärt er. Und er findet sie immer. Krief ist klar, wie die Figuren wirken, welche Rolle sie im Stück und für den Zuschauer spielen. Nichts ist irgendwie, nichts ist unwichtig. Deshalb wird auch nichts so behandelt. Krief beugt die Werke nicht. Er lässt sie in ihrer Qualität glänzen. „Ich will die Menschen nicht mit Mittelmaß in die Oper locken. Wir müssen klar erzählen. Die Menschen müssen erkennen, dass wir Kultur machen, kein Business.“

Mit dieser Überzeugung inszeniert Denis Krief seit bald 40 Jahren Opern auf den Bühnen der Welt. Dass er Wagner und Strauß besonders liebt, mag sein Interesse an Deutschland begründen. Und auch Hänsel und Gretel passt in dieses Bild. Engelbert Humperdinck war ein Schüler Richard Wagners. An mancher Stelle des am 23. Dezember 1893 uraufgeführten Werkes ist das nicht zu überhören. Vieles vom Rest ist längst Volkslied geworden. Und die Oper gehört seit jeher zur Weihnachtszeit wie Lebkuchen und Kerzen. Deutsche Kultur eben, wie Denis Krief sie kennenlernen will. Wuppertals Opernfreunde lernen ihn morgen ab 19.30 Uhr im Opernhaus kennen.

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