An der Neviandtstraße werden Alkoholiker, Schwerstkranke und Jüngere gepflegt.

Schwester Kerstin Dörfler arbeitet in einem der Wohnbereiche im Pflegeheim Neviandtstraße.
Schwester Kerstin Dörfler arbeitet in einem der Wohnbereiche im Pflegeheim Neviandtstraße.

Schwester Kerstin Dörfler arbeitet in einem der Wohnbereiche im Pflegeheim Neviandtstraße.

Andreas Fischer

Schwester Kerstin Dörfler arbeitet in einem der Wohnbereiche im Pflegeheim Neviandtstraße.

Wuppertal. Das städtische Alten- und Pflegeheim Neviandtstraße hat sich auf die Pflege bestimmter Zielgruppen spezialisiert. In den acht Wohnbereichen wird nach unterschiedlichen Ansätzen gearbeitet: So gibt es einen Bereich für die Schwerstpflege zum Beispiel für Bewohner mit elementaren Gewichtsproblemen, die deutlich über 100 Kilo wiegen, einen Bereich für jüngere Pflegebedürftige ab 30 Jahren sowie einen geschützen Bereich für stark orientierungslose demenzkranke Bewohner. Auch Alkoholkranke und Menschen, die aus der Obdachlosigkeit kommen, werden dort nach ihren Bedürfnissen gepflegt. Insgesamt hat das Heim Platz für 170 Bewohner und ist damit die größte städtische Einrichtung.

"Schwergewichtigkeit führt zu großen pflegerischen Problemen", sagt Heimleiter Winfried Knäpper. So müssen bestimmte Hilfsmittel zum Heben sowie Dusch- und Toilettenvorrichtungen vorhanden sein. "Unsere Mitarbeiter haben da ein besonderes Erfahrungswissen." In dem gleichen Bereich werden auch Schwerstkranke etwa mit Lungen- oder Herzerkrankungen versorgt. Im Haus gibt es eine Physiotherapeutin, die Lymphdrainagen und ähnliches anbietet - ein Angebot, das längst nicht alle Einrichtungen vorhalten können.

Ein anderer Schwerpunkt ist die Pflege jüngerer Bewohner. Viele von ihnen haben frühkindliche Hirnschäden oder sind in Folge von Unfällen oder Drogenkonsum pflegebedürftig. "Sie brauchen eine spezielle Gruppenumgebung", sagt Knäpper. So wünschen sich die jüngeren Bewohner im Vergleich zu den Senioren anderes Essen wie etwa Pizza oder Pasta - oder haben einen anderen Filmgeschmack und gucken auch schonmal Sexfilme. Außerdem brauchen sie viel Bewegung und soziale Kontakte - hier ist die Einrichtung mit ihrem großen Garten und den ausgedehnten Fluren und Aufenthaltsflächen gut geeignet. "Es ist für beide Seiten schwieriger Gleichaltrige oder Jüngere zu pflegen. Das ist auch eine Frage des Schamgefühls", beschreibt Christine Haiduga, Leiterin des Pflegedienstes eine der besonderen Herausforderungen für ihr Team.

Rund 40 Bewohner leiden an der Korsakow-Erkrankung, einer zuerst bei Alkoholikern beschriebene Form der Gedächtnisstörung. Ähnlich wie Demenzkranke brauchen sie Anleitung im Alltag, beispielsweise für die Nahrungsaufnahme oder die Körperhygiene. Darüber hinaus werden an der Neviandtstraße auch viele Bewohner gepflegt, die aus der Stiftung Tannenhof kommen.

Eine weitere Besonderheit: Mehrere Bewohner und Mitarbeiter kommen aus unterschiedlichen Ländern, wie aus der Türkei, Polen oder Portugal.

Nach Angaben der städtischen Pflegeberatung gibt es in der Stadt mehrere Einrichtungen, die sich auf bestimmte Bereiche spezialisiert haben: Das Haus Vivo der DRK-Schwesternschaft Wuppertal ist die Adresse für Patienten, die beatmet werden. Haus Hardt kümmert sich im Schwerpunkt um junge neurologisch erkrankten Menschen wie Patienten im Wachkoma oder Menschen, die Multiple Sklerose oder einen hypoxische Hirnschaden haben.

Die trägerunabhängige Pflegeberatung ist zu erreichen unter Ruf 25 222 25.

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