Verdi-Geschäftsführer Daniel Kolle rechnet mit rund 4500 Streikenden in Wuppertal.

Interview
Daniel Kolle (33) ist Geschäftsführer des Verdi-Bezirkes Wuppertal-Niederberg. Archiv

Daniel Kolle (33) ist Geschäftsführer des Verdi-Bezirkes Wuppertal-Niederberg. Archiv

Verdi

Daniel Kolle (33) ist Geschäftsführer des Verdi-Bezirkes Wuppertal-Niederberg. Archiv

Wuppertal. Für Mittwoch kündigt die Dienstleistungs-Gewerkschaft Verdi den ersten großen Streik der laufenden Tarifverhandlungen an. Die Gewerkschaft fordert unter anderem sechs Prozent mehr Geld für Beschäftigte im Öffentlichen Dienst. Die Arbeitgeber bieten drei Prozent, verteilt auf dieses und nächstes Jahr. „Zu wenig“, sagt Verdi und ruft Busfahrer, Müllwerker, Kindergartenpersonal, Politessen und alle anderen stätischen Beschäftigten für morgen auf, die Arbeit niederzulegen.

Herr Kolle, mit wie vielen Streikenden rechnen sie für morgen?

Daniel Kolle: Etwa 1350 fahren zur zentralen Kundgebung nach Köln, weitere 3200 werden sich ebenfalls am Streik beteiligen. So 4500 etwa.

Dann geht nichts mehr in Wuppertal.

Kolle: Das glauben wir auch.

Aber sie treffen Menschen, die zur Arbeit und deshalb ihre Kinder unterbringen müssen.

Kolle:Das stimmt leider. Die eigentlich Verantwortlichen leiden nicht unter dem Streik. Trotzdem ist dieser Streik richtig. Das sage ich allen, ob sie es hören wollen oder nicht.

Warum ist der Streik richtig?

Kolle: Es geht um Haltung, es geht um Wertschätzung. Das aktuelle Angebot von drei Prozent für dieses und nächstes Jahre bedeutet effektiv ein Minus für dieses und eine NullRunde für nächstes Jahr. Man darf die Eigenleistung für die Altersvorsorge nicht vergessen, die in diesem Jahr einseitig um 0,2 und im nächsten Jahr um 0,3 Prozent steigen soll.

Aber Verdi fordert sechs Prozent mehr. Ist das nicht ein bisschen viel?

Kolle: Bezogen auf zwölf Monate würde ich das als hohe Forderung betrachten. Wir bewegen uns damit aber in einem Korridor mit anderen Gewerkschaften.

Und wie sollen notorisch verschuldete Städte wie Wuppertal das Ihrer Meinung nach bezahlen?

Kolle: Die öffentliche Hand hat im vergangenen Jahr 30 Milliarden Euro Überschuss erwirtschaftet.

Das Geld bleibt größtenteils aber bei Bund und Ländern?

Kolle: Das ließe sich ändern, zumindest könnten Städte und Gemeinden über Verfassungsbeschwerden oder Klagen zu erreichen versuchen, dass sie vom Bund finanziell besser ausgestattet werden. Das Geld dafür ist doch da. Ich vermisse den Kampf gegen vermeintlich in Stein gemeißelte Gesetze.

Glauben Sie, dass die Wuppertaler Ihnen für Ihren Kampfesmut angesichts von 60 geschlossenen Kindergärten, von Bussen, die im Depot und Mülltonnen, die gefüllt bleiben, auf die Schulter klopfen werden?

Kolle: Ich hoffe da auf Verständnis. Uns ist doch bewusst, wen die Wirkung unseres Streiks unmittelbar trifft. Aber wenn wir nicht streiken, haben wir den Zustand, den wir morgen haben werden, in absehbarer Zukunft für immer.

Warum?

Kolle: Weil Städte heute schon Probleme haben, Personal zu finden. Sie bezahlen viel schlechter als die private Wirtschaft. Das gilt auch für Wuppertal. Wenn Bürger auch in Zukunft gute Dienstleistungen der Stadt gewährleistet haben wollen, dann müssen sie die Politik in Anspruch nehmen. Eigentlich müsste jeder Bürger unsere Forderungen unterstützen. Es geht ja auch darum, wie wir in Zukunft in Städten und Gemeinden leben wollen.

Besonders beliebt hat Verdi sich im vergangenen Jahr mit dem Kita-Streik schon nicht gemacht.

Kolle: Aber für uns als Verdi war es ein sehr erfolgreiches Jahr. Wir haben viel mehr Mitglieder. So gesehen, müssten wir öfter streiken. Aber so sehen wir das natürlich nicht.

Wie viele Mitglieder hat Verdi in Wuppertal?

Kolle: Wir sind knapp unter 13 000, wir sind mit Abstand die größte politische Organisation in der Stadt.

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