Jürgen Scheugenpflug ist Wuppertaler Kabarettist und Leiter der Kabarett-Academy. In seinem satirischen Wochen-Rückblick kommentiert er Ereignisse aus dem Stadtleben.

Er ist sicherlich nur eine Randnotiz: Bernhard Simon, politischer Urschrei der Wuppertaler CDU, ist mit seiner Kandidatur als stellvertretender Fraktionsvorsitzender bei der Landschaftsversammlung Rheinland gescheitert. Hanebüchen wie bedenklich entglitt seinen fein geschwungenen Lippen ein "Das war mir klar", bevor er noch konkreter wurde. Er habe nicht damit gerechnet, gegen das Ruhrgebiet und die Düsseldorf-Schiene gewinnen zu können. Warum hat er dann auf aussichtslosem Posten überhaupt kandidiert?

Mit der folgenden Ausführung wird es richtig heiter: "Ich wollte mit meiner Kandidatur ein Zeichen setzen, wie stiefmütterlich das Bergische Land behandelt wird". Spätestens jetzt weint nicht nur der Himmel über Wuppertal, sondern auch der Bürger in der Stadt vor Rührung. So also sieht das viel zitierte Selbstbewusstsein eines kommunalen Spitzenpolitikers aus, der auswärts - wie der WSV - um den Abstieg spielt.

Wesentlich angriffslustiger agieren derzeit die spärlichen Überreste der Sozialdemokraten im Tal. Ohne auch nur einen erkennbaren Ansatz von schlüssigen Lösungen boykottieren sie das Wuppertaler Sparpaket mit mit einer unschlagbarem Phrase: "Das ist so mit uns nicht machbar." Sowohl der Schließung der Stadtteilbibliotheken als auch einer generellen Kürzung im Sozial- und Jugendbereich verweigern sie wacker ihre Zustimmung. Die GWG sollen ebenfalls nicht für en Appel un en Ei verscherbelt werden.

Alle rufen sie hingegen unisono nach dem Land NRW als Heilsbringer. "Nur wenn das Land einen Entschuldungsfonds für notleidende Städte auflegt, soll die Stadt ihren Sparbeitrag leisten", lassen die Grünen scheinheilig ausrichten. Während die Linken generös darauf verzichten, Düsseldorf mit dem Bau einer Mauer zu drohen, falls die Klimaerwärmung ein Leben am Rhein unmöglich macht, schweigt Blau-Gelb einfach.

Wesentlich effizienter, wenn es um die Verhinderung der Bauarbeiten an der Nordbahntrasse geht, sind seit Jahr und Tag Jörg Liesendahl und der BUND. Nach deren maßgeblicher Meinung nehmen wir Wuppertaler billigend den Tod der possierlichen, derzeit im Winterschlaf befindlichen Fledermäuse in Kauf. Auch wenn er das kurz darauf widerrief. Gott sei Dank ist Baudezernent Frank Meyer hellwach. In Bezug auf die erteilte Ausnahmegenehmigung, die geprüft werden soll, glaubt er: "Hier geht alles mit rechten Dingen zu. Wir legen Wert auf Transparenz".

Spätestens bei diesem Satz schwillt dem Molch der Kamm. Wegen des Baus der neuen JVA vom Aussterben bedroht, fühlt er sich von seinem Lobbyisten Liesendahl hintergangen. Doch vielleicht naht Rettung, denn wenn der WSV absteigt, kann das Zoostadion neuen biotopischen Nutzungen zugeführt werden. Jedoch nur, falls dort keine geschützte Nacktschnecke beheimatet ist. Wir Bürger hingegen müssen im Tal bleiben und uns die wachsweichen Bekenntnisse derer anhören, die vorgeben, sich um uns zu kümmern. Mag sein, dass die Stadt mit Blick auf den Artenschutz "gewissenhaft gehandelt" hat. In Bezug auf uns Bürger gilt das aber mit Sicherheit nicht, Ehrenwort.

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