Eine solche Chance erhält man nicht alle Tage: Dass die Wuppertaler Bühnen auserkoren wurden, das NRW-Theatertreffen auszurichten, ist ein klares Zeichen. Die Intendantengruppe bekennt sich zum Wuppertaler Theater. Davon profitieren verschiedene Seiten: Das Publikum darf sich auf herausragende Inszenierungen freuen, die in einem kompakten Festival vorgestellt werden - sonst muss man quer durchs Land reisen, um über den Bühnenrand zu schauen, nun kommen die Besten der Besten nach Wuppertal. Die Gastgeber andererseits erhalten durch die Wahl Rückenwind.

Eine andere Gruppe hingegen dürfte das zu erwartende Theaterereignis vermutlich nicht nur froh stimmen - bläst ihnen dadurch doch eine frische Brise ins Gesicht. Denn die Wahl Wuppertals ist vor allem als Signal in Richtung Politik zu sehen, die in den kommenden Monaten darüber entscheidet, ob das Schauspielhaus geschlossen wird und die angedrohten Sparmaßnahmen Realität werden, alle Sparten erhalten bleiben können oder, im Gegenteil, ein Bereich geopfert werden muss. Falls der Stadtrat tatsächlich beschließt, eine Sparte zu streichen, wäre das umso brisanter, wenn man bedenkt, dass Wuppertal nur wenige Monate später zum Zentrum geballter Schauspielkunst wird.

Es wäre ein Schlag ins Gesicht der Bühnen, aber auch ihrer Gäste, die dann keine fröhliche Nabelschau erster Güte, sondern nur noch ein Begräbnis erster Klasse "feiern" könnten. Das Theatertreffen ist also extrem wichtig für die Wuppertaler Bühnen - weil sie um ihre Zukunft kämpfen und nicht unbedingt deshalb, weil sie auf Zuschauermassen spekulieren. Denn die vergangenen Theatertreffen haben gezeigt: Im Publikum sitzen vor allem Kollegen und Szenekenner. Die Wuppertaler Bühnen wissen um die Besonderheiten des Festivals und haben nun fast zehn Monate Zeit, um sich darauf einzustellen. Sie sollten die Chance nutzen.

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