Zwei Vertreter der Romantik wurden in der Stadthalle gewürdigt: Hector Berlioz und Franz Schubert.

Zwei Vertreter der Romantik wurden in der Stadthalle gewürdigt: Hector Berlioz und Franz Schubert.
Chor und Sinfoniker kooperierten vorzüglich miteinander.

Chor und Sinfoniker kooperierten vorzüglich miteinander.

Andreas Fischer

Chor und Sinfoniker kooperierten vorzüglich miteinander.

Wuppertal. Städtische Chorkonzerte haben in Wuppertal eine ganz lange Tradition, gehören unabdingbar zum kulturellen Leben der Stadt dazu. Das ist durchweg erkennbar an einem sehr gut besuchten Großen Saal der Stadthalle. Der war jedoch nun bei der vierten und letzten Veranstaltung dieser Reihe vor der Sommerpause sehr leer. Lag es an dem tollen Sommerwetter oder dem Programm mit selten gespielten Werken?

Zwei bedeutende Vertreter der Romantik wurden vorgestellt. Der eine ist der französische Komponist Hector Berlioz. Er gilt als Initiator der modernen Orchesterinstrumentation. Er verfasste 1844 die erste große Instrumentierungskunde. Sie ist bis heute gültig, nur 1904 von Richard Strauss ein wenig revidiert und um ein paar moderne Instrumente ergänzt. Ein Beleg für diese hohe Kunst der orchestralen Klangfarbengestaltung ist seine charakteristische Konzertouvertüre für großes Orchester „Le carnaval romain“ (römischer Karneval).

Dieses Paradebeispiel der Gattung „sinfonische Programmmusik“, deren Begründer er ebenfalls war, brachte das Sinfonieorchester Wuppertal glasklar und fest im Zugriff zu Gehör. Der Umgang mit Stimmen erfuhr durch Berlioz ebenfalls eine Innovation, indem er Gesänge in den Orchesterklang integrierte. Wie ein Instrument klingen sie etwa im „Trauermarsch für die letzte Szene von Hamlet“ aus seinem dreisätzigen Opus „Tristia“, wenn der Chor auf langen Tönen ein „Ah“ von sich gibt. Der Chor der Konzertgesellschaft integrierte sich vorzüglich in den Gesamtklang.

Respekt vor Wuppertaler Traditionen bekundet

Diese erste Konzerthälfte war eine erstklassige Demonstration, wie ab Mitte des 19. Jahrhunderts mit Musikinstru-menten und Gesängen neu um-gangen wurde. Nach der Pause war Franz Schubert dran, der herausragende Vertreter der frühen Romantik. Zwei seiner zu Unrecht selten aufgeführte Chorwerke wurden geboten: das kurze „Stabat Mater“ in g-Moll (D 175) und die Messe in C-Dur (D 452). Die beiden Werke erheben keinen großen Anspruch auf Bedeutung und sakrale Größe. Sie sind eher Beispiele für die überströmende Jugendbegabung. Ungewöhnlich bei der Messe ist das Fehlen von Bratschen. Sie waren im Entstehungsjahr 1816 bereits fester Orchesterbestandteil. Auch bei diesen Programmpunkten legte sich der Chor ins Zeug. Er überzeugte bis auf kleine Ungenauigkeiten mit einem ausgewogenen, differenzierten Klangbild sowie kultivierten Gesängen.

Hinzu gesellten sich bei der Messe die Nachwuchssänger Julia Danz (Sopran), Agnes Thorsteins (Mezzosopran), Peter Aisher (Tenor) und Matthias Hoffmann (Bassbariton). Die vier Mitglieder von Opernstudios konnten mit großer Strahlkraft und beweglichen wie tragfähigen Stimmen überzeugen.

Es war kein großes Sinfoniekonzert, mit dem sich Julia Jones in dieser Spielzeit als neue Generalmusikdirektorin vorstellte. Zuerst war es ein Familienkonzert, dann ein Kammerorchester-Konzert. Nun bekundete sie mit diesem Chorkonzert ihren Respekt vor Wuppertaler Traditionen. Dank ihrer Um- und Übersicht sowie präzisen Anweisungen kooperierten Orchester, Chor und Gesangssolisten vorzüglich miteinander. Außerdem sorgte sie selbst bei sehr lauten Passagen immer für ein fein durchstrukturiertes Klangbild.

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