Parteien haben es schwerer denn je. In Wuppertal stellt allein die FDP einen Aufwärtstrend fest. In ihrer Kartei befinden sich 207 Namen.

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Rainer Spiecker (v.l.), Heiner Fragemann, Marcel Hafke und Claudia Schmidt

Rainer Spiecker (v.l.), Heiner Fragemann, Marcel Hafke und Claudia Schmidt

Archivfotos: Uwe Schinkel, Stefan Fries, Andreas Fischer, Grüne

Rainer Spiecker (v.l.), Heiner Fragemann, Marcel Hafke und Claudia Schmidt

Wuppertal. Die SPD frohlockt. Die Juso-Vorsitzende Johanna Ueckermann jubelt über 700 neue SPD-Mitglieder, seit die Genossen Martin Schulz auf den Schild gehoben haben. Wie viele davon in Wuppertal ihren Mitgliedsbeitrag überweisen, ist nicht bekannt. Aber der Unterbezirksvorstand ist sicher für jeden neuen Parteigenossen dankbar. Denn die Zeiten sind nicht besonders gut. Seit Jahren sinkt die Zahl derer, die sich mit der SPD verbinden wollen. In den vergangenen fünf Jahren haben Wuppertals Sozialdemokraten knapp 100 Genossen verloren. Ende 2016 hatten noch 1185 das rote Parteibuch.

Über so einen Wert freuten sich die Christdemokraten allerdings. „In diesem Monat überwiegen die Eintritte die Austritte“, sagt Andreas Blank von der Geschäftsstelle der CDU zwar. Aber bei nur noch 951 Mitgliedern in einer Stadt mit fast 360 000 Einwohnern ist selbst der leicht gestiegene Wert vermutlich nicht befriedigend.

Die Grünen berichten von 220 Mitgliedern. „Das klingt nach wenig“, sagt Vorstandssprecherin Claudia Schmidt. „Aber das sind alles Zahlende.“ Sie rechnet die Sympathisanten „in der Peripherie“ hinzu, die jungen Leute beispielsweise in der Hochschule. Die bezahlen allerdings nichts.

Ähnlich wie die SPD verspürt die FDP Aufwind. Seit Christian Lindner Bundesvorsitzender ist und die Partei im Düsseldorfer Landtag zu profilieren versucht, ist Liberal wieder salonfähiger. In Wuppertal macht sich das in der Kartei bemerkbar. Um immerhin acht stieg die Zahl der Mitglieder im vergangenen Jahr. Nun bekennen sich 207 Wuppertaler auch finanziell zur FDP.

Insgesamt zählen die sogenannten etablierten Parteien in Wuppertal derzeit 2569 Mitglieder – das sind 0,73 Prozent der Gesamtbevölkerung und steht in einem krassen Missverhältnis zur Bedeutung der Parteien in der Stadt. Oberbürgermeister und Dezernenten im Rathaus sind in der Regel parteigebunden. Im Stadtrat hat außer den Linken keine andere Partei eine nennenswerte Zahl von Mandatsträgern. Diese Kräfteverhältnisse spiegeln sich auch in den Bezirksvertretungen wider. Parteimitglieder treffen nicht nur alle wichtigen Entscheidungen in Wuppertal, Parteimitglieder setzen sie auch um.

Die Höhe des Mitgliedsbeitrages richtet sich bei den Parteien in der Regel nach dem Monatseinkommen. Dabei schätzen sich die Mitglieder etwa bei der Partei selbst ein. Die Grünen nehmen von ihren Mitgliedern ein bis 1,5 Prozent vom Monatseinkommen, wie bei der CDU zahlen Mitglieder mit geringerem Einkommen fünf Euro pro Monat. Darüber hinaus gibt es bei der CDU eine kostenlose Schnuppermitgliedschaft von einem Jahr.

Aber angesichts insgesamt niedriger und teils noch sinkender Mitgliederzahlen fällt es den Parteien immer schwerer, Mandate mit ihren Getreuen zu besetzen. Dabei ist etwa bei der CDU und der SPD die Menge noch weniger das Problem als das Alter. Deshalb ist Mitgliedschaft längst nicht mehr Grundvoraussetzung dafür, ein Mandat zu übernehmen.

Gleichzeitig erhöhen die Parteien ihre Anstrengungen, Menschen für sich zu gewinnen. „Wir machen viele Veranstaltungen“, sagt der Vorsitzende des SPD-Unterbezirkes, Heiner Fragemann. „Wir setzen uns für die Belange der Bürger ein. Und es gibt immer noch sehr viele engagierte Leute bei uns. Darauf sind wir auch stolz.“

Für die Vorsitzende der Wuppertaler Frauen-Union, Barbara Reul-Nocke, hängt Akzeptanz von Parteien auch sehr mit deren Profil zusammen. „Wenn wir den Anspruch haben, eine Volkspartei zu sein, dann brauchen wir auch Mitglieder aus allen Teilen der Gesellschaft“, sagt sie. Sie sei in der CDU, weil sie glaube, dass es eben doch Unterschiede zwischen den Parteien gebe. Da existierten verschiedene Menschenbilder. „Meines habe ich bei der CDU wiedergefunden. Da geht es um Fragen wie: Was will ich selbst regeln? Was soll der Staat machen, was das Gemeinwesen?“ Da finde sie sich in der CDU wieder, „auch wenn ich nicht mit jeder Entscheidung meiner Partei einverstanden bin“.

Traditionsgemäß barrierefrei ist die Arbeit mit den Grünen. „Bei uns können immer auch Leute mitmachen, die nicht in der Partei sind“, sagt Claudia Schmidt. Das gehe schon bei der grünen Jugend los. Dennoch sei Mitgliedschaft für Parteien wichtig, weil viele Ausgaben etwa für Wahlkampf mit den Beiträgen finanziert werden.

Mit Offenheit wirbt auch die FDP um neue Mitstreiter. „Bei uns kann jedes Mitglied jede Sitzung besuchen, sich überall beteiligen und mitdiskutieren“, sagt Wuppertals FDP-Chef Marcel Hafke.

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