Cartoons von Burkhard Fritsche sind bis März zu sehen.

„Die Cartoons spiegeln nichts!“ Sagt einer, der es wissen muss: Zur Eröffnung von Burkhard Fritsches Ausstellung im Café du Congo an der Luisenstraße sprach WZ-Karikaturist André „Polo“ Poloczek, und der kennt ihn ebenso gut wie das gemeinsame Cartoon-Metier. Dass Burkh oder andere „Spiegel der Wirklichkeit“ zeichnen würden, sei ein gern gehörter Unsinn – sie schüfen „neue Wirklichkeiten“.

Ins zweite Jahr geht „Schwarz&Weiß“, die Congo-Reihe mit humoriger Zeichenkunst, und nach Wuppertaler Größen 2017 kommen nun überregionale Vertreter. Mit Burkh (Foto: Andreas Fischer) gleich ein sehr komischer. Der in Köln lebende Künstler hat auch für die deutsche Ausgabe von Charlie Hebdo gearbeitet, und von da datieren Burkhs Werke an der Wand, die als Druck bis März zu erwerben sind. Diese Cartoon-Vernissagen sind Abende zwischen Stelldichein und Stehparty. Gekämpft durchs Gewühl, wartet der Lohn an der Wand: Perlen schräger Zeitkommentare. „Nein, wir sind keine Katholiken!“, stellen da die Insassen im „IS-Zoo“ klar. Entführte Geiseln? Nö: Pinguine. Was es halt so gibt an Missverständnissen: Unbefleckte Geburt für ein drittes Geschlecht zu halten etwa, beim Titel „Geschlecht: Divers“; und da wird dann nicht nur Religion beschmunzelt, sondern genderkorrektes Bemühen gleich mit. Alles aber mehr amüsant als aggressiv – denn politisch unkorrekt mag Burkhs Ding sein, Liebenswürdigkeit aber auch. Unverwechselbar die drolligen Figuren mit Rübennase, die von Moslem bis Merkel so ziemlich alles sein können.

Nicht nur lange Nasen sind heute oft zu sehen – auch lange Burkanasen. Bei Burkh sind Burkas „running gags“ – in der „Charlie“-Auswahl: Vollverhüllt beim Fußball, vollverhüllt am Steuer. Klar könnte man einwenden, dass da die Trägerin zum Feindbild wird und das natürlich unfair wäre. Als Chiffre für Religion in radikaler Spielart taugt es aber doch. Und wenn nun der Betrachter im Congo zwei Damen oft genug behelligt hat, hinter deren Tisch sein persönlicher Lieblingscartoon hängt, dann ist es vielleicht auch einer aus dieser Reihe, aber wirklich kein islamfeindlicher: „Vizekanzler mit Ganzkörpermaske – genial, Schulz!“, lobt da die Kanzlerin. Und so süß wie mit diesem düster verpackten Kolben hat man den SPD-Chef garantiert noch nie gesehen. hag

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