Zwei Lehrer aus dem Tal verfassen ein neues, praxisorientiertes Spanisch-Buch.

Wuppertal. Der spanische Volksmund hat den richtigen Spruch dafür: "El mundo es un pañuelo." Die Welt ist so klein wie ein Taschentuch - das kam den Spanisch-Lehrern Katja Zerck (40) und Martin Drüecke (46) wohl in den Sinn, als ihnen ihr Verlag unabhängig voneinander verriet, mit wem gemeinsam sie an dem Spanisch-Lehrbuch "A-tope - encuentros" arbeiten sollten. Es ist ein seltsamer Zufall: Beide sind Wuppertaler, beide unterrichten an Velberter Schulen (siehe Kasten).

Die Sprache boomt - schon vor dem spanischen WM-Titel

Und der Bedarf an Unterricht ist groß, weil das Idiom in Mode ist. Spanisch boomt an weiterführenden deutschen Schulen: 250.000 Schüler lernen schon Spanisch, 1990 waren es nur knapp 40.000. Spanisch läuft sogar Französisch und Latein als zweite weiterführende Sprache den Rang ab. Der WM-Titel könnte nun einen weiteren Schub bringen.

Noch fehlt es an ausreichend Lehrern für das Fach

Allerdings bieten nicht viele weiterführende Schulen das Fach Spanisch an. Der Grund: Es besteht (noch) ein großer Lehrermangel. Als zusätzliches Oberstufenfach an manchen Gymnasien hat es Spanisch gelegentlich gegeben - jetzt aber erobert das Fach auch die unteren Jahrgangsstufen: als dritte Fremdsprache von der achten Klasse an, zunehmend auch als zweite (ab sechste Klasse), ja sogar mancherorts als erste Fremdsprache ab Klasse Fünf.

Der Grund: Mit der Schulreform G 8 modernisieren viele Bildungsstätten auch ihr Lernangebot. Was also den Zeitpunkt der Publikation angeht, hätte den das Projektteam um Zerck und Drüecke also nicht besser wählen können. Nichts Übereiltes sollte es werden, sondern ein ausgereift-solides Standardwerk für den Fremdsprachenunterricht, so dass ihnen der Cornselsen-Verlag dafür zwei Jahre Zeit für die Konzeption gab.

Noch im Dezember vergangenen Jahren lagen die letzten Passagen für die Korrektur auf dem Schreibtisch, bis die erste Auflage von 7500 Exemplaren in den Druck ging. "Das alles neben dem Schulalltag fertig zu kriegen, war schon Stress", verrät Zerck. Es half aber auch: Was beide in den Jahren im Lehrberuf als Fehler ausmachten, verbesserten sie im eigenen Lehrbuch - und testeten das direkt an den Schülern. Das gefiel.

Katja Zerck (40) studierte nach dem Abitur Englisch, Geschichte und Spanisch an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, in den USA und in Alicante/Spanien. Seit 2009 arbeit sie als Lehrerin für Spanisch und Englisch am Gymnasium Velbert-Langenberg. Katja Zerck ist verheiratet, hat drei Kinder und wohnt am Katernberg.

Martin Drüecke (46) begeisterte sich für das Fach Spanisch schon während des Leistungskurses - einer der ersten in NRW - am heutigen Johannes-Rau-Gymnasium. Daraufhin studierte er Romanistik und Germanistik an den Universitäten in Saarbrücken und Bilbao/Spanien. Er arbeitete unter anderem beim Langenscheidt Verlag, bevor er 2004 eine Stelle als Spanisch- und Deutschlehrer am Berufskolleg Bleibergquelle in Velbert annahm. Drüecke ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt auf dem Dönberg.

Alle Kompetenzen des Spracherwerbs - Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben - sollen gleichberechtigt vermittelt werden. Dafür sind die Passagen auf ein Lernziel abgestimmt - und ein Begleitbuch sowie eine CD gibt es noch obendrauf. Viel Lob blieb nicht aus, denn das Buch füllt eine Marktlücke.

Warum aber wählen mehr und mehr Schüler überhaupt Spanisch als Fach? Für Zerck hängt der Boom des Schulfaches damit zusammen, dass Spanien als Land erst spät ins Bewusstsein der Deutschen rückte - nach der Diktatur Francos und mit dem EU-Beitritt Anfang der 80er Jahre. Zuvor hatte die Reiselust nach Frankreich, Italien und Co. die Deutschen schon lange die Koffer packen lassen. Es sei ein Nachholbedarf der Schüler, der sie im Klassenzimmer spanische Sätze sprechen lasse.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer