Im achten Sinfoniekonzert gab es Tippett, Bach und Williams zu hören. Saxofonistin Asya Fateyeva begleitete das Sinfonieorchester.

Im achten Sinfoniekonzert gab es Tippett, Bach und Williams zu hören. Saxofonistin Asya Fateyeva begleitete das Sinfonieorchester.
Die Sinfoniker erhielten nach dem Konzert am Sonntagvormittag frenetischen Beifall – und das absolut berechtigt.

Die Sinfoniker erhielten nach dem Konzert am Sonntagvormittag frenetischen Beifall – und das absolut berechtigt.

Stefan Fries

Die Sinfoniker erhielten nach dem Konzert am Sonntagvormittag frenetischen Beifall – und das absolut berechtigt.

Klassische Musik aus England fristet in Deutschland nach wie vor ein stiefmütterliches Dasein. Benjamin Britten ist wohl der bekannteste Komponist, dessen Werke noch am häufigsten hier auf Notenpulten liegen. Doch ansonsten schwappt nur hin und wieder etwas über den Ärmelkanal. Das ist schade, gibt es doch Namen, die auf der Insel zu Recht in aller Munde sind.

Dazu gehören im vergangenen Jahrhundert Ralph Vaughan Williams und Michael Tippett. Sie haben den musikalischen Nationalstil ihres Landes maßgeblich mitgeprägt. Das Sinfonieorchester Wuppertal brachte nun anlässlich seines achten Sinfoniekonzerts je ein Opus dieser beiden Komponisten auf den Johannisberg. Dazu lud es sich mit Douglas Boyd einen Dirigenten in den Großen Saal der Stadthalle ein, der ebenfalls aus England kommt.

Die dreisätzige „Fantasia Concertante on a Theme of Corelli“ für Streichorchester, zwei Sologeigen und ein Solocello von Tippett aus dem Jahr 1953 ist trotz moderner Klänge ganz im Geist des Barockstils geschrieben. Polyphonie und eine glänzend ausgearbeitete Fuge kommen vor. Auch seine Hinwendung zu fließenden, feinen musikalischen Linien in dieser Zeit ist offenkundig.

Diese Strukturen waren nur nicht immer leicht durchhörbar. Denn der geteilte Streicherapparat und die Streichergruppen spielten mit der gleichen Lautstärke, so dass durch solch einen Gleichklang die Stimmenverläufe nicht immer nachvollzogen werden konnten. Auch wurden die drei Solisten – Konzertmeister Nikolai Mintchev, Stimmführerin der zweiten Geigen Ulrike Nahmmacher und als Aushilfe Cellist István Alexander Gaal – bei lauten Abschnitten manchmal übertönt.

Eine profunde und große Tongebung

Trotzdem überzeugte das Trio mit einer profunden und großen Tongebung, wobei Mintchev qua seiner Körpersprache auch auf korrekte Einsätze im Orchester zu achten schien. Anschließend kam Johann Sebastian Bachs populäres Violinkonzert in a-Moll (BWV 1041) in einer Saxophonfassung daher.

Solche Besetzungsänderungen waren damals nichts Besonderes und sind somit auch heute legitim. Es wird wohl ein Rätsel bleiben, warum diese Instrumentengruppe, die sich ihr Erfinder Adolphe Sax im Jahr 1846 patentieren ließ, erst durch den Jazz berühmt wurde. Denn je nach gezielter Wahl des Mundstücks und der Stärke des Rohrblatts können diese Holzblasinstrumente je nach Tonhöhe und -stärke den Klängen von Klarinetten nahe kommen.

Die Nachwuchsmusikerin Asya Fateyeva machte dies anhand ihres Sopransaxophons sehr deutlich. Ihre wandelbare, warme, lyrische Tongebung ließ keine Wünsche offen. Auch ihre reife Virtuosität, wenn sie etwa lupenrein sehr schnelle Tonfolgen spielte, begeisterte. Nur war auch hier an einigen Stellen das Orchester so laut, dass zudem das Cembalo nicht immer gehört werden konnte. Für den berechtigten lang anhaltenden begeisterten Beifall bedankte sich die Solistin mit einem Stück von Carl Philipp Emanuel Bach.

Selbst laute Tutti-Stellen kamen nuanciert von der Bühne

Erst nach der Pause, bei der fünften Sinfonie von Vaughan Williams, hatte Boyd die Akustik voll im Griff. Umsichtiger war sein Dirigat. Selbst die sehr aufgewühlten wie lauten Tuttistellen kamen kultiviert und nuanciert von der Bühne. Musikalische Emotionalität wurde großgeschrieben. Grandios waren unter anderem das leiser werdende, verhauchende Streicherspiel am Schluss des ersten Satzes, das wie gewichtslos sauber gespielte Ende des Scherzos und der ergreifend vorgetragene in sich ruhende Epilog des Finales.

So war der frenetische Schlussapplaus absolut gerechtfertigt, der in stehende Ovationen überging, nachdem sich Wuppertals ehemaliger Oberbürgermeister Peter Jung als erster von seinem Sitz erhoben hatte.

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