Dem Betreiber eines bekannten Lokals in Elberfeld wirft die Staatsanwaltschaft bandenmäßigen Raub vor. Dem 40-Jährigen droht eine mehrjährige Haftstrafe.

Justiz
Der Angeklagte soll auch am Überfall auf eine Postfiliale an der Düsseldorfer Straße beteiligt gewesen sein.

Der Angeklagte soll auch am Überfall auf eine Postfiliale an der Düsseldorfer Straße beteiligt gewesen sein.

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Der Angeklagte soll auch am Überfall auf eine Postfiliale an der Düsseldorfer Straße beteiligt gewesen sein.

Wupertal. Seit März läuft vor dem Landgericht der Strafprozess zu einer spektakulären Serie von Raubüberfällen im vergangenen Jahr. Wie berichtet, gab es früh Geständnisse. Unter anderem von dem früheren WSV-Fußballer Daniel K.-R. (22), bandenintern "Big Boy" genannt, und dem angeblichen Bandenboss Mario F. (32).

Zum stets gut besuchten Prozess gehören seither aber auch Beschuldigungen der Angeklagten untereinander. Für einen ursprünglich „nur“ wegen Beihilfe mitangeklagten Pizzeria-Betreiber aus Elberfeld, der bis zum Prozess auch als Jugendtrainer des Wuppertaler SV im Einsatz war, hat das jetzt Folgen. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den 40 Jahre alten Italiener – sein Verfahren wurde abgetrennt (siehe Kasten) – eine neue Anklage erhoben. Darin wird dem Mann bandenmäßiger beziehungsweise schwerer Raub vorgeworfen.

Der Anteil des Angeklagten an der Beute ist unklar

Laut der neuen Anklage war der 40-Jährige an der Planung des Überfalls auf eine Geldbotin der S-Oliver-Filiale in den City-Arkaden beteiligt. Beute damals: mehr als 14 000 Euro. Außerdem soll er am Tattag den Tatort beobachtet haben und einen Anteil der Beute erhalten haben. Die Staatsanwaltschaft ist zudem davon überzeugt, dass der Italiener auch den Überfall auf die Postfiliale an der Düsseldorfer Straße mitorganisiert hat. Dort erbeutete die Bande laut Anklage 26 000 Euro. Auch davon habe der 40-Jährige einen Anteil bekommen. Wie viel, ist unklar.

Nach WZ-Informationen soll der Italiener ausgesagt haben, 500 Euro von den am Überfall beteiligten Personen – darunter Big Boy – bekommen zu haben. Das sei aber kein Beuteanteil gewesen, sondern Geld, für das die Männer in seiner Pizzeria gegessen hätten.

Anklage fußt vor allem auf Aussagen eines mutmaßlichen Verwandten

Die neue Anklage fußt vor allem auf Aussagen des Mario F. – angeblich ein Verwandter des Pizzeria-Betreibers. Schon zu Beginn hatte der vermeintliche Chef der Bande behauptet, sein Landsmann sei nicht nur beim Überfall auf den Hornbach-Baumarkt – Beute: 59 000 Euro) – beteiligt gewesen. Wie berichtet, hatte das Landgericht schon zu Beginn des Verfahrens darauf hingewiesen, dass dem 40-Jährigen wegen des Hornbach-Coups auch eine Verurteilung wegen Mittäterschaft, nicht nur wegen Beihilfe droht.

Das Verfahren gegen den Pizzeria-Betreiber (Foto: Archiv) und Ex-WSV-Jugendtrainer wurde nach dem ersten Prozesstag abgetrennt. Grund war eine Rückenoperation des 40-Jährigen. Der Italiener war während dieser Zeit nicht verhandlungsfähig.

Unmittelbar vor Beginn des Prozesses hatte die WSV-Jugendleitung bestätigt, dass der 40-Jährige seine Tätigkeit im Verein ruhen lassen werde.

Der Pizzeria-Besitzer soll den Räubern – darunter Big Boy – für den Hornbach-Überfall ein Auto für den Abtransport der Fluchträder zur Verfügung gestellt haben.

Die Bande soll bei ihren Überfällen an die 100.000  Euro erbeutet haben. Allen Angeklagten drohen deswegen mehrjährige Haftstrafen.

Fakt ist: Der 40-Jährige befindet sich weiterhin in U-Haft. Wie berichtet, soll er versucht haben, eine Zeugin zu beeinflussen – in seiner Pizzeria. Nach der Verhaftung gab es zwei Haftprüfungstermine. Zunächst vor dem Amtsgericht, dann vor dem Landgericht. Das Ergebnis ist vor dem Hintergrund der neuen Vorwürfe zu sehen: Der Italiener bleibt vorerst in U-Haft. Demnächst will der 40-Jährige als Zeuge im Prozess aussagen. Möglicherweise ändert das die Lage. Über die Zulassung der neuen Anklage hat das Landgericht jedenfalls noch nicht entschieden. Für schweren Raub sieht das Gesetz Haftstrafen nicht unter drei Jahren vor.

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