Während in den Spitzenligen die Fernseheinnahmen sprudeln, gehen der Bergische HC und der WSV 2017/2018 fast leer aus.

Analyse
Der Frust nach dem Abstieg war groß beim BHC. Archiv

Der Frust nach dem Abstieg war groß beim BHC. Archiv

Andreas Fischer

Der Frust nach dem Abstieg war groß beim BHC. Archiv

Wuppertal. Profisport und Fernsehen – das ist eine Verbindung, die Jahr für Jahr viele Milliarden Euro bewegt. Als vor einigen Wochen Christopher Schindler für seinen Club Huddersfield Town den entscheidenden Elfmeter zum Aufstieg in die Premier League verwandelte, da war dieser Treffer nach Berechnungen der Zeitung „Telegraph“ eine Summe von umgerechnet 237,5 Millionen Euro wert – dank der Fernsehgelder für Huddersfield in der kommenden Spielzeit.

Angesichts der sich rasant verändernden Medienwelt ist es müßig, darüber nachzudenken, wer in der Beziehung zwischen Profisport und Medien die Eskalation mehr befeuert. Zumindest die Bezahlsender hängen auf Gedeih und Verderb am Tropf des Fußballs. Einmal abgesehen von teuren Serien bietet zurzeit allein das Liverlebnis Fußball den Zuschauern die Motivation, dauerhaft über hohe Bezahlschranken zu springen. Die Proficlubs und Nationalteams liefern seit Jahrzehnten zuverlässig den Stoff, der dazu dient, die Bindung zu den Bezahl-Sendern zu verstärken. Es sind die Emotionen und Erlebnisse am Bildschirm oder vor großen Leinwänden, die diese enorm starke Bindungen erzeugen und erhalten.

Pech haben nur alle Clubs und Vereine, die unter dem Radar fliegen, die keine Beachtung in den Hauptsendezeiten mehr finden, die nicht an den explodierenden Fernsehgeldern partizipieren und eine Ware sind, die nicht verkäuflich ist. Pech haben ganz besonders die Vereine und Clubs, die trotzdem Profisport anbieten wollen oder zumindest halbprofessionelle Strukturen schaffen, um den Sprung an die Geldtöpfe doch noch irgendwann einmal zu schaffen.

Der Abstieg des BHC ist ein bitteres Los

Vor diesem Hintergrund ist der Abstieg des Bergischen HC aus der 1. Handball-Bundesliga ein extrem bitteres Los. Ginge es allein nach den Fernsehgeldern, stürzt der BHC ins Bodenlose. Ein Abstieg kommt immer zum falschen Zeitpunkt, dieser hätte nicht ungünstiger sein können, da die Fernsehrechte für die 1. Handball-Bundesliga zur Saison 2017/2018 zum Bezahlsender Sky und als Zweitverwerter zu ARD/ZDF übergehen. Die Manager der Handball-Erstligisten sprechen von einem „Quantensprung“ und rechnen für die kommende Spielzeit pro Verein mit Einnahmen aus den Fernsehgeldern in einem hohen sechsstelligen Bereich.

Für den Verein schwindet die Medienpräsenz

Die 2. Handball-Bundesliga findet hingegen im Fernsehen so gut wie gar nicht statt. Bei den Verhandlungen sickerte die Summe von 25 000 Euro durch, mit denen die Zweitliga-Handballer abgespeist werden. Zum Vergleich: Drittligisten im Fußball erhalten in der kommenden Spielzeit 800 000 Euro aus den Fernsehtöpfen, ab 2018/2019 werden es mehr als eine Million Euro sein. Und das ist nur ein Bruchteil von dem, was die Erst- und Zweitligisten im Fußball einstecken.

Für den Bergischen HC schwindet zudem die Medienpräsenz. Für die Sponsoren spielen Live-Einschaltquoten eine wichtige Rolle, da sie sich über den Verein national präsentieren können. Damit konnte der BHC in den vergangenen vier Jahren auftrumpfen. In Erinnerung sind die Spiele in der Kölner Arena und das Final Four im Pokal im vergangenen Jahr. Damit sich der Abstand zu den „reichen“ Handball-Bundesligisten“ nicht noch vergrößert, muss der BHC den schnellen Wiederaufstieg schaffen. In der 2. Liga, die von der Fernsehpräsenz einen geringeren Aufmerksamkeitswert als die Fußball-Regionalliga hat, ist ansonsten von Jahr zu Jahr ein Substanzverlust zu befürchten.

Praktisch ohne Fernsehgelder muss der Wuppertaler SV auch die kommende Saison planen. Gerüchteweise bleibt von dem milliardenschweren Kuchen, der insgesamt für den Fußball national verteilt wird, jeweils nur ein vierstelliger Betrag in der 4. Liga hängen. Und das, obwohl im Amateurfußball ein wesentlicher Teil der Ausbildung der späteren Profispieler betrieben wird. Fehlende Fernsehpräsenz macht dem WSV die Suche nach lokalen und regionalen Sponsoren schwer. Die einzige Chance, den Teufelskreis zu unterbrechen, bietet der DFB-Pokal. Daher wog die Niederlage gegen RW Essen im Niederrheinpokal-Halbfinale so schwer. Dem WSV entgingen Einnahmen in sechsstelliger Höhe. Die Verteilung der Gelder macht es denen, die unterhalb der Radarschirme fliegen, immer schwerer, nach oben zu kommen. Und es wird von Jahr zu Jahr schwerer, denn ein Ende der Entwicklung ist nicht absehbar. „Die Kohle fliegt nach oben“ – wie der Wechsel der Fernsehrechte für die Fußball Champions League zeigt.

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